24.1.2017 Maurer & Novovesky: Jetzt

(c) Schnedt-Niedermair
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Wow! Selten so begeistert von einem Kabarettprogramm, selten so sprachlos ob der Fülle an irrwitzigen Einfällen, der spannenden Handlung, den vielen skurrilen Figuren, dem Wortwitz, der Spielfreude und Virtuosität, mit denen das Kabarettduo Maurer & Novovesky in ihrem neuen Programm "Jetzt" (Regie: Gabi Rothmüller) agieren.  Unbedingt ansehen, empfiehlt DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink.

 

 

Mit einer Diskussion über einen Film fängt "Jetzt" an. Der eine, Daniel Maurer, findet "Titanic" super, der andere, Mathias Novovesky, überhaupt nicht und erklärt auch gleich warum. Ohje, denkt man sich, ein Misanthrop, ein Grantler. Bevor man den Gedanken zu Ende gedacht hat, ist der Auftritt auch schon zu Ende. Das ist der erste dramaturgische Kunstgriff in diesem Stück. Die beiden Kabarettisten verlassen die Bühne, und als Publikum bekommt man ab diesem Moment zu sehen, was sich danach alles abspielt, in der Garderobe, auf der Bühne, wenn alle Zuschauer weg sind, auf dem Weg ins Hotel Savoy, im Hotelzimmer, an der Hotelbar usw.  An unterschiedlichen Schauplätzen entwickelt sich eine spannende Geschichte, die im Laufe des Abends immer mehr Fahrt aufnimmt und wilder, gefährlicher und verrückter wird.

 

Im Laufe des Programms lernt das Publikum einige skurille und einprägsame Type mit großem Unterhaltungswert kennen. Ein Fleischhauer, ein Chauffeur, ein Mann mit Haube, der sich mit Beilagen bei Hauptspeisen auskennt, der Hotelbesitzer und sein Gehilfe Alfred, ein ungarisches Musik-Duo und der Wäschebügler aus der Hotelwaschküche, allesamt (bis auf den Techniker) werden von Maurer und Novovesky selbst gespielt, haben in diesem -  wie die Kabarettisten in ihrem Ankündigungstext selbst schreiben  - "schillernd-thrillernde Kabarett-Kalaschnikov-Knaller" ihre Auftritte. Und last but not least in den Hauptrollen Maurer und Novovesky als das Kabarettduo Maurer & Novovesky und nicht zu vergessen: Novoveskys Katze Bertl. Egal, welche Figur die Kabarettisten gerade spielen, es funktionieren der Tonfall, die Wortwahl, die Gestik, und die Wechsel zwischen den Figuren vollziehen sich innerhalb weniger Sekunden, dabei schaffen sie es mit Kleinigkeiten, sich in eine andere Figur zu verwandeln, sei es durch die Körperhaltung, eine Brille, eine Kappe oder eine Haube.

 

Maurer oder Novovesky wechseln immer wieder die Schauplätze im Hotel und begegnen diesen Figuren. Während etwa Novovesky auf dem Weg zur Hotelbar ist, um etwas zu essen, wird Maurer unrund und muss sich bewegen (eine der vielen Skurrilitäten in diesem Stück:  Maurer leidet an Leberstau - wenn er sich entspannt und Ruhe gibt, wird er gelb im Gesicht und muss erbrechen, deshalb lässt ihn Novovesky, wenn sie unterwegs sind,  Ziegel ums Auto tragen, damit sich Maurer anstrengt, dann geht es ihm besser). Maurer taucht deshalb auf der Suche nach Arbeit in der Waschküche auf - dort begegnet er dem Wäschebügler des Hotels, der als Vertreter der ausgebeuteten Arbeiterklasse einen Plan hat, auf eine Lieferung von einem gewissen Bertl wartet, und Aussagen etwa von Martin Luther King, Robespierre, Karl Marx oder Che Guevara zitiert.

 

Daniel Maurer und sein kongenialer Partner Mathias Novovesky sprühen nur so vor Ideen. Sie streuen z.B. Filmtitel als Kommentare ein ("Stirb langsam", "Nur noch 60 Sekunden", "Wilde Mäuse"), und rollen unterschiedliche Handlungsstränge aus, die sich am Ende wunderbar zusammenfügen. So bekommt das Publikum eine äußerst kurzweilige, witzige Geschichte präsentiert. Und wenn man eine Katze hat, die selbst Türen öffnen und schließen kann, und deshalb aus dem Hotelzimmer verschwindet, dann ist alles möglich, inklusive Puszta-Leberkäse im Lieferwagen, inklusive einer Geschichte über Beilagen, die 1848 beginnt, und man sollte es nicht glauben, auch noch die Geschehnisse im 21. Jahrhundert im Hotel Savoy beeinflusst, inklusive Maschinengewehr-Feuer und Revolution.

 

Die Suche nach der Katze führt am Ende des Programms ins Büro des Hotelbesitzers, wo der Showdown, das furiose Finale stattfinden wird. Hier versammeln sich aus unterschiedlichsten Gründen alle Protagonisten des Abends: 8 Personen, ein Plan, eine Kalaschnikov, ein Messer, vergiftete Schnäpse, steuern dem Ende zu, und da geht dann die Post ab beim Wechsel der Positionen und Figuren, Brille auf, Brille ab, Hochdeutsch, Wienerisch, Deutsch mit ungarischem Akzent, Revoluzzer, Prolet, Habsburgernachfahre, ungarische Musiker, es scheint ein heilloses Durcheinander, in dem das Publikum nicht mehr aufhören kann zu lachen, und Maurer & Novovesky souverän den Überblick behalten und den "Thriller" zu Ende spielen.

 

Es ist faszinierend, den beiden zuzusehen. Von der ersten bis zur letzten Sekunde überzeugen sie mit ihrem schauspielerischen Talent und einer fantasievollen, kurzweiligen Geschichte. Da muss man schon sehr gut aufeinander eingespielt sein, um so ein Stück auf die Bühne bringen zu können. Und auch die Zugabe kann sich sehen lassen! Chapeau! Chapeau!

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

Maurer & Novovesky

Kabarett Niedermair