12.10.2016 Sonja Pikart - Gluten Abend

© www.sonjapikart.com
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2015 hat Sonja Pikart den „Neulingsnagel“ des Theaters am Alsergrund gewonnen und heuer den 2.Platz bei der Kabarett-Krone-Hietzing belegt. Darauf aufbauend stellte sie nun ebenfalls im Theater am Alsergrund ihr erstes abendfüllendes Programm Gluten Abend vor. Bei der Premiere hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern angesehen, ob sie die Erwartungen, die mit solchen Preisen verbunden sind, auch tatsächlich erfüllen kann.

 

Sonja Pikart ist in Aachen geboren und kam vor etwa sieben Jahren nach Wien, um hier Schauspiel zu studieren. Das hat sie auch getan und sie ist hier geblieben. Obwohl es bei ihr zunächst um Theater und Film ging, haben ihr Bekannte immer wieder geraten, es doch mit Kabarett zu versuchen. Sie selbst war skeptisch und probierte es dann aber doch. Eigentlich, meint sie, sei sie ja eher ein „stand up comedian“, aber da diese Form in Österreich nicht gerade beliebt ist, bezeichnet sie sich auch offiziell als Kabarettistin. Und das ist sie auch sehr überzeugend.

 

Sie betritt die Bühne ohne Instrumente und Requisiten (außer einem Glas Wasser) und schon nach kurzem merkt man, dass der Abend funktionieren wird. Das Publikum geht mit und reagiert an den richtigen Stellen. Dann legt sie los und was sie in den knapp 2 Stunden bietet. kann sich wirklich sehen und hören lassen.

 

Sie erzählt von den Erwartungen, die Menschen von Kabarettisten haben („Ich habe da einen tollen Witz. den musst du in deinem Programm unbedingt bringen“) und über die Schwierigkeiten ihres Nebenberufs als Kellnerin. Auf eine sehr witzige Weise teilt sie dabei die Gäste in Kategorien und beschreibt diese ironisch. Zu den Holländern meint sie z.B.: „Warum man hier so wenig über sie weiß, verstehe ich nicht, denn die haben doch so viele Ähnlichkeiten mit euch Österreichern. Na gut, nicht alle, denn sie hassen uns Deutsche noch mehr als ihr“. Besonders „am Herz“ liegen ihr Gäste, die Speisekarten nur dazu nützen, um daraus ihre eigenen Kreationen zusammen zu stellen. Sie macht sich auch über die sogenannten „Matcha Mammies“ lustig, die glauben, dass ihnen und ihren verwöhnten Kindern die Welt, sprich das Kaffeehaus, gehört und die auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen.

 

Sie kritisiert das Überangebot an Lebensmitteln („Es gibt Joghurt mit Fruchtmus oben und solche mit dem Mus unten. Warum ist das so und wie soll man das essen?). Zwar machen das jetzt schon viele Kabarettisten, aber in welcher Form sich Sonja Pikart über angebliche Glutenunverträglichkeiten lustig macht, ist wirklich hörenswert – nicht durch Zufall gab dieses Thema ihrem ersten Programm auch den Namen. Anthrax als tödliches Gift in Briefen zu verschicken sei ein Klacks gewesen, heute könnte man viel effektiver mit Mehl vorgehen.

 

Hinter ihren allgemeinen, meist sehr witzigen Betrachtungen verbergen sich aber immer wieder auch grundsätzliche Überlegungen, so etwa wenn sie feststellt, dass Menschen sehr häufig streitsüchtig und auch bösartig sind, was sich z. B. besonders in Internet-Foren zeigt. Dafür zieht sie aber nicht etwa politische Diskussionen heran, was naheliegend, ihr aber zu einfach wäre. Nein, sie wählt als Beispiel ein Kochforum und dort eine Diskussion über ein Kuchenrezept! Als dort frauenfeindliche Bemerkungen fallen und der Administrator deshalb diese Beiträge löscht, meint eine der Teilnehmerinnen: „Es ist ja erst recht frauenfeindlich, frauenfeindliche Beiträge zu löschen, denn es unterstellt ja, dass Frauen sich nicht selbst verteidigen könnten“.

 

Sie wird auch durchaus persönlich und schildert Job-Bewerbungen, bei denen sie auf eine Ablehnung mit einer Ablehnung der Ablehnung reagiert hat – wirklich köstlich. Sie lästert über Hippies, die durch die Welt reisen und armen Menschen in Asien erklären, wie glücklich sie sein müssten, arm zu sein: „Nur so ist man ganz bei sich und mit der Welt eins!“. Sie geißelt auf eine humorvolle und damit sehr verträgliche Weise jede Form von Rassismus und kommt zum Schluss, dass sich Menschen umso dümmer verhalten, je größer die Gruppe ist, in der sie sich befinden. Es gäbe bei dieser Spezies leider „keine Schwarmintelligenz, sondern im Gegenteil nur Schwarmdummheit“.

 

Diese wenigen Beispiele zeigen, was man bei einem Besuch von „Gluten Abend“ erwarten kann: Intelligentes, freches und vor allem unterhaltsames Kabarett einer Nachwuchskabarettistin. Also gehen Sie mit dem reizvollen Gefühl, beim Start einer sehr erfolgreichen Kabarettistin dabei zu sein, in eine der Vorstellungen von Sonja Pikart.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

www.alsergrund.com

 

Sonja Pikart