16.1.2017 TheaterCenterForum: Trennung für Feiglinge

(c) Rolf Bock
(c) Rolf Bock

Wieder einmal hat Marcus Strahl mit seiner Schaubühne Wien das TheaterCenterForum für die Premiere einer neuen Produktion ausgewählt. Nach dem mehr als verdienten Erfolg von „Der Bockerer“ ist es diesmal eine leichte Boulevard-Komödie: „Trennung für Feiglinge“ von Clement Michel. Ob es auch bei diesem Genre so gut klappt, hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern bei der Premiere angesehen.

 

 

 

Eigentlich ist es mehr als erstaunlich, dass französische Boulevard-Komödien wieder Erfolg haben, denn eigentlich schien dieses Genre von der Zeit überrollt worden zu sein. Und auch Autor Clement Michel, Jahrgang 1974, war sicher vom Ausmaß des Erfolgs überrascht. Bei der Premiere vor etwa zwei Jahren in Paris war die Begeisterung groß und folgerichtig gab es zahlreiche internationale Versionen. Die deutschsprachige Erstaufführung ging übrigens vor etwa einem halben Jahr in Bremen über die Bühne. Als Tüpfelchen auf dem I wird dieser Stoff derzeit sogar verfilmt.

 

Was hat dieses Stück also so besonderes zu bieten? Genau besehen gar nichts. Es handelt sich um eine Beziehungskomödie zwischen drei Personen, was eher sehr konventionell klingt. Das Besondere ist aber, mit welcher Leichtigkeit dieser Stoff abgehandelt wird. Die Handlung perlt wie guter Champagner und changiert wie französische Seide. Da gibt es keine tiefgründig-psychologischen Erörterungen und keine der beteiligten Personen wirkt seelisch verletzt. Irgendwie erinnert das an Tom und Jerry-Filme, in denen sehr viel Schlimmes passiert, der Zuschauer aber immer weiß, dass keine bleibenden Schäden angerichtet werden, und man also völlig entspannt der witzigen Handlung folgen kann. Damit wird aber auch klar, dass die Geschichte mit der Realität kaum etwas zu tun hat, denn im echten Leben werden solche Verhaltensweisen kaum zu finden sein. Wenn man damit leben kann, steht einer unbeschwerten Unterhaltung nichts im Wege.

 

Und das ist der Plot: Sophie und Paul leben seit einem halben Jahr in ihrer gemeinsamen Wohnung. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen will er aber die Beziehung beenden, träumt immer intensiver davon, dass sie z. B. von einem LKW überrollt wird, ist aber einfach zu feig, sich von ihr zu trennen. Da verfällt er auf die Idee, seinen Freund Martin zu bitten, bei ihnen vorübergehend einzuziehen. Er ist sicher, dass sie den etwas pedantischen Untermieter nicht aushalten und deshalb ausziehen würde. Außerdem sollte er sich dieser so schlecht benehmen, bis Sophie endlich die heißersehnte Frage stellen würde: „Er oder ich“. Und dann würde er sich für seinen langjährigen Freund entscheiden.

 

Klarerweise läuft das alles nicht so wie geplant, denn Martin findet Sophie sehr nett. Als Grund für seinen vorübergehenden Einzug musste er auf Drängen von Paul den erfundenen Tod seiner Mutter angeben, woraus sich zahlreiche skurrile Situationen ergeben. Sophie und Martin kommen sich immer näher, und schließlich versucht sie ihren Freund Paul dazu zu bringen, die Wohnung zu verlassen. Als die erfundene Geschichte auffliegt, ist ein totales emotionales Chaos die Folge und schließlich ... Aber das soll hier nicht verraten werden.

 

Marcus Strahl hat mit dem Kauf der Rechte für die österreichische Erstaufführung dieses Stückes wieder ein gutes Gespür bewiesen, denn das Premieren-Publikum war begeistert, und das nicht zu Unrecht. Die Inszenierung ist leichtfüßig, schnelle Szenenwechsel und witzige bis bissige Dialoge lassen unlogische Verhaltensweisen sofort wieder vergessen, und die Spielfreude der Darsteller steckt wirklich an. Leila Strahl ist eine sehr nette Sophie, Stefan Rager, der eigentlich zuerst den Martin spielen sollte, dann aber umbesetzt werden musste, gibt einen witzigen Paul und Michael Duregger als Martin ist ein wirklicher Glücksgriff: zurückhaltend und dann grob wider Willen, pedantisch und auch gefühlvoll unterhält er das Publikum überzeugend.

 

Da auch das Bühnenbild von Martin Gesslbauer die leichte Handlung perfekt unterstützt und die französischen Chansons zwischen den Szenen die gute Stimmung aufrecht erhalten, kann man allen, die sich einen witzig-lockeren Theaterabend wünschen, einen Besuch der „Trennung für Feiglinge“ wirklich empfehlen. Das ist umso leichter möglich, weil die Schaubühne Wien mit dieser Inszenierung auch auf Tournee gehen wird.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

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