13.10.2016 TheaterCenterForum: Julien & Julie

Das Thema Generationenkonflikt ist ein Dauerbrenner – und wird im Stück „Julien & Julie“ im TheaterCenterForum anhand von Vater und Tochter erzählt. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern hat sich davon überzeugt, dass die Konflikte auch heute noch dieselben sind wie früher.

 

 

 

Julie, 20 Jahre alt und sehr attraktiv, lebt bei ihrem Vater Julien in Paris. Die Mutter ist, wie man im Lauf der Geschichte erfährt, vor 12 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seither war Julien Alleinerzieher, und das mit einem hohen Perfektionsanspruch. Veränderungen jeder Art sind ihm zuwider, und gedanklich lebt er am liebsten in der Vergangenheit.

 

Nun ist es im Leben aber einmal so, dass sich eben alles ändert. Die Zeit vergeht und aus Kindern werden Erwachsene, auch wenn er das nicht (ein)sehen will. So kommt es, dass Julie ihn eines Tages mit der Frage konfrontiert, ob er eine Freundin hat. Eigentlich ist es keine Frage – sie konfrontiert ihn vielmehr damit, dass sie es weiß, weil sie die beiden zufällig zusammen gesehen hat.

 

Bei dieser Gelegenheit informiert sie ihren Vater auch gleich wie beiläufig darüber, dass auch sie eine Beziehung hat und zu ihrem Freund Arnaud ziehen möchte. Am besten wäre es also, wenn man sich einmal zu viert zu einem entspannten Abendessen treffen könnte, um sich gegenseitig kennenzulernen. Doch diese Idee begeistert Julien ganz und gar nicht.

 

Das Stück „Julien & Julie“ beleuchtet die Generationen-Problematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Wahrheit sieht von jeder Seite anders aus, und jede Seite hat ihre eigene Logik, ihr eigenes Verständnis und ihre eigenen Gründe dafür. Diese Gegensätze friedlich unter einen Hut zu bringen, ist kein einfaches Unterfangen.

 

In witzigen, pointierten Dialogen durchleben die vier Darsteller/innen eine Entwicklung, die man ganz besonders bei Julien wahrnimmt. Vom ersten Schock über diese neuen, unveränderbaren Tatsachen in seinem Leben über Widerstand, Aggression bis hin zur Einsicht führt sein emotionales Spektrum gegenüber seiner Tochter.

 

Parallel dazu gibt es ja auch noch seine Freundin, Carine, die endlich aus ihrem Schattendasein treten und eine „offizielle“ Bezhehung haben möchte. Doch auch dafür hängt er mit seinem Herzen noch viel zu sehr im Vegangenen, insbesondere bei Julie's Mutter, über deren Tod er nie hinweggekommen ist.

 

Das Ende ist nicht so berechenbar, wie man glauben würde, wird aber an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur soviel: Jeder ist seines Glückes Schmied!

 

Die darstellerischen Leistungen von Vater und Tochter sind bemerkenswert, die beiden sind kongenial und interagieren sehr authentisch miteinander. Sie schaffen es auch, eine Beziehung mit dem Publikum aufzubauen und Empathie zu erzeigen: Der letzte Satz vor der Pause ist eine Entscheidung von Carine – kaum ausgesprochen ertönte eine laute Stimme: „Recht hat sie!“ Großes Gelächter, Vorhang!

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

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