9.1.2017 Gloria Theater: Die Nervensäge

(c) www.gloriatheater.at
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Der eine will sich umbringen, der andere will jemand anderen umbringen, und das ganze spielt sich in zwei nebeneinanderliegenden Hotelzimmern ab. In "Die Nervensäge" (Regie: Leo Bauer), der neuen Produktion des Gloria Theaters, spielt Gerald Pichowetz den Selbstmörder Herbert Steinofner und den Berufskiller Ralph gibt Andreas Steppan. DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink war vor allem von der Schauspielkunst des Andreas Steppan begeistert.

 

 

 

Der Vorhang heb sich, man sieht zwei nebeneinanderliegende Hotelzimmer, verbunden durch eine Tür. So sieht es in dem einen Zimmer aus: Ein tolpatschiger Fotograf (Gerald Pichowetz)  leidet unter großem Liebeskummer. Ja, ja, der Liebeskummer kann einen schon fertig machen, und wenn die Angebetete, seine Ex-Frau Luise (Angelika Zoidl), zum wiederholten Male ein Treffen verweigert, nichts mehr von ihm wissen will und schon längst mit ihrem Psychiater (Marc Mayr) zusammenlebt, dann ist die Verzweiflung so groß, dass man nicht mehr leben will.  Da kommen eine Schnur und eine Duschvorhangsstange nur recht.  Doch der Suizidversuch missglückt. und sein Zimmernachbar wird um Hilfe gebeten.

 

So sieht es im anderen Zimmer aus: der Profikiller Ralph  (Andreas Steppan) in schwarz gekleidet, betritt den Raum, er hat alles gut durchdacht, das Zielobjekt, ein Kronzeuge, dessen Name einem sehr bekannten österreichischen Lobbyisten ähnelt, aber auf"Püree" und nicht Pouilly endet, soll das Gerichtsgebäude in Kürze betreten. Die Sicht ist gut, und nachdem auch die Pensionswirtin (Elisabeth Osterberger), die mit ihrer Logorrhoe ein wenig nervt, wieder durch die Zimmertür hinausgeschoben wurde, wird das Gewehr unter dem Bett verstaut und das Warten beginnt. Soweit läuft alles nach Plan, doch dann lernt Ralph seinen Zimmernachbarn Herbert kennen und das Unglück nimmt seinen Lauf.

 

Der tolpatschige und weinerliche Fotograf entpuppt sich als Klette, die der Killer nicht mehr loswird. Zunächst denkt er noch, er kann ihn locker abschütteln und seinen Auftrag ausführen, doch da hat er die Rechnung ohne "die Nervensäge" gemacht

 

Die zwei Verfilmungen dieser Komödie von Francis Veber wurden zu Erfolgen, 1973 mit Lino Ventura und Jacques Brel und 1980 mit Walter Matthau und Jack Lemmon unter der Regie von Billy Wilder. Letztere erwiesen sich als kongeniale Partner. Die Geschichte an sich ist nicht so fesselnd, es sind diese konträren Figuren, diese unterschiedlichen Charaktere, die aufeinander treffen und durch das Zusammenspiel von Matthau und Lemmon wurde es eine Slapstickkomödie, bei der man im Laufe der Verfilmung aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.

 

Aber wie ist es bei einem Theaterstück? Die Latte ist hochgelegt, wenn man an die Verfilmungen denkt.  Vergleiche soll man nicht anstellen, das wäre unfair, sondern einfach den Abend auf der Bühne bewerten. Und da sei vor allen anderen Andreas Steppan besonders hervorgehoben, der in den zwei Stunden körperliche und schauspielerische Höchstleistung bringt. Wie er sich vom coolen, selbstsicheren Profikiller in einen mit Beruhigungsspritzen ruhig gestellten und dagegen ankämpfenden Mann, der dem Nervenzusammenbruch nahe ist, verwandelt, mit wahnsinnigem Blick, knieweich und unfähig, klar und deutlich zu sprechen ("Machen Sie, dass ich aufhöre zu sprechen wie Otto Schenk"), ist sensationell und beeindruckend. Gleichzeitig gewinnt der zu Beginn weinerliche unsichere Herbert, der gerade noch suizidgefährdet ins Leben des Profikillers tappt und ihm den Auftrag zu ruinieren droht und seine Coolness zerstört, immer mehr an Selbstvertrauen und schafft es beinahe auch noch, "seine" Luise zurückzugewinnen. Auch Gerald Pichowetz gelingt es, die Nervensäge glaubhaft darzustellen und den Killer beinahe in den Wahnsinn zu treiben,  die Schmähs sind allerdings manchmal  schon ein wenig unteres Schenkelklopferniveau. Als der Killer nach dem Code für das Öffnen des Koffers fragt, sagt die Nervensäge: "Kot? Das Klo ist im Badezimmer." Es gibt bessere Witze.

 

Luise (Angelika Zoidl) spricht mit französischem Akzent, das wäre nicht unbedingt notwendig gewesen, es erschließt sich der Grund dafür nicht. Marc Mayr als Psychiater und aktueller Freund von Luise bleibt blass und unauffällig und hinterlässt keinen Eindruck. Lisa-Lena Tritscher in ihren drei Rollen als Zimmermädchen, Polizistin und Südseeschönheit wirkt nicht überzeugend, auch wenn sie einmal Steirisch, dann wieder Hochdeutsch spricht und in unterschiedliche Rollen schlüpft.

 

Fazit: Eine charmante Inszenierung, kurzweilig und unterhaltsam, in der der Satz "Ich komme wieder" jemanden in den Wahnsinn treiben könnte.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

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