11.10.2016 Freie Bühne Wieden: Geheimakte Tripolis

© Freie Bühne Wieden
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Die Freie Bühne Wieden hat diesmal eine Art Wirtschaftkrimi auf den Spielplan gesetzt: Geheimakte Tripolis von Matthias Mander. Da es um Waffenexporte und die damit zusammenhängenden Probleme geht, ist das Stück vermutlich auch heute aktuell. DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern war bei der Premiere und hat sich diesen österreichischen „Way of Life“ angesehen.

 

 

 

Autor Matthias Mander hatte in den letzten Jahren seine Garanas-Trilogie mit einigem Erfolg veröffentlicht. Die Romane beschäftigen sich mit drei Wirtschaftskriminalfällen, in deren Zentrum sein Held Johann Zisser steht. Es geht dabei um den Reichsbrückeneinsturz, um Zinshausspekulationen im großen Stil und um Waffenexporte. Und gerade über dieses Thema dachte Mander offensichtlich besonders intensiv nach, denn er kam zum Schluss, dass sich dieser Fall hervorragend dramatisieren ließe. Im Sommer 2015 setzte er diesen Plan in die Realität um und jetzt wurde das Stück in der Freien Bühne Wieden uraufgeführt.

 

Hintergrund der Geschichte in der Noricum-Fall aus den frühen 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dabei ging es um den Export von Kanonen in den Irak und später in den Iran. Es handelte sich allerdings um klare Verstöße gegen das österreichische Waffenexportgesetz, weshalb in beiden Fällen Scheinadressen in Jordanien und Libyen verwendet wurden. Die Sache flog auf und in der Folge kam es zu einigen mysteriösen Todesfällen sowie zu gerichtlichen Verurteilungen österreichischer Politiker und Manager. Auch die Lucona-Affäre stand damit im Zusammenhang.

 

Mander hat einen einzelnen Aspekte dieses komplexen und brisanten Bereichs herausgenommen und exemplarisch abgehandelt. Da Geschütze ohne Munition nutzlos sind, zu diesem Zeitpunkt aber kein österreichischer Munitionshersteller in der Lage was, diesen Auftrag auszuführen, kam man auf die Idee einen Glashersteller dafür heranzuziehen. Ab da ist alles Fiktion, könnte aber durchaus so abgelaufen sein.

 

Wenn man Glas drehen konnte, so müsste es doch auch möglich sein, nach einer notwendigen technischen Umrüstung auch Messingstücke zu drehen. Der eigentliche Eigentümer, die Omnia-Bank, versucht durch starken Druck die Tabor-Glaswerke dazu zu bringen, diesen Auftrag zu übernehmen. Generaldirektor Fruhmann (Gerhard Dorfer) scheint zu resignieren, Betriebsleiter Partl (Alfons Noventa) ist begeistert, weil dadurch Arbeitsplätze gesichert werden, die Forschungsleiterin Lohr (Michaela Ehrenstein) ist darüber eher unglücklich, nur der Chef des Rechnungswesens Johann Zisser (Klaus Haberl) stellt sich energisch dagegen. Die Bank-Strategiedirektorin Eigner (Anita Kolbert) fährt immer stärkere Geschütze auf, und der verhängnisvolle Plan, der Unterstützung aus der Politik hat, scheint auch tatsächlich aufzugehen. In letzter Sekunde schafft es aber Zisser erstens einen in Schwebe befindlichen Glas-Auftrag an Land zu ziehen und zweitens durch einige Tricks zu beweisen, dass Tabor diesen Auftrag auch praktisch nicht ausführen kann.

 

Damit gibt es ein zwar Happy-End, das aber angesichts der wirtschaftlichen und politischen Realitäten eine Einzelfall geblieben sein dürfte, aber dennoch Mut machen und vor allem beweisen sollte, dass sich Zivilcourage durchaus rechnen kann. Jedenfalls beleuchtet es ein Stück Sittengeschichte der österreichischen Wirtschaft.

 

Michaela Ehrenstein hat dramatisiert und führte Regie – und das geradlinig und ohne Mätzchen. Die Darsteller überzeugen voll und auch das realistisch Bühnenbild sowie die Kostüme (Vera Bernhauser und Babsi Langbein) passen zum Stil der Aufführung. Dass der Text manchmal etwas dozierend und leicht moralisierend daherkommt, fällt zwar auf, stört aber nicht. Jedenfalls verlässt man das Theater mit dem guten Gefühl, dass wirtschaftliche Großaufträge auch rechtmäßig abgewickelt werden können. Ein Besuch kann daher auch aus therapeutischen Gründen nur empfohlen werden.

 

„Die Geheimakte Tripolis“ kann noch bis 29.Oktober jeweils von Dienstag bis Samstag in der „Freien Bühne Wieden“ eingesehen werden.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

Die Freie Bühne Wieden