9.4.2016  Stadttheater Mödling: Wrestling Rita - Ein Frau ringt sich durch

© Bettina Frenzel
© Bettina Frenzel

DieKleinkunst-Redakteurin Olivia Schabowski ist sich bewusst, das Leben ist ein Kampf, und Gewinner sind die, welche gegen den Strom schwimmen, sich durchsetzen und, trotz Widerstands und Protests anderer, das machen, was sie für richtig halten. Um einen solchen Kampf miterleben zu können mischt sie sich für das Stück „Wrestling Ritas“ unter das Publikum eines richtigen Wrestling-Kampfes.

 

 

In Kampf- und Jubelstimmung kommt man bei „Wrestling Rita“ (Regie: Claire Luckman) eigentlich schon, bevor das Stück überhaupt begonnen hat. Mit Popcorn und Getränken nimmt das Publikum Platz und schaut vorerst einen leeren Ring (Inszenierung & Bühne: Marcus Ganser) an. Die in der ersten Reihe platzierten Gäste werden darauf hingewiesen ihre Beine nicht auszustrecken, denn es könnte wohlmöglich schmerzhaft ausgehen. Das Stadttheater Mödling, welches nicht gerade durch seine Größe brilliert, ist bis auf den letzen Platz mit neugierigen Gesichtern besetzt. Die Spannung steigt ...

 

Die Geschichte von Rita (Klara Steinhauser) wird von ihrer Kindheit an erzählt, und jede Hürde und Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, bedeutet eine verlorene Runde im Ring. Ihr Leben ist mit Sicherheit nicht leicht. Ihre Eltern (Mutter: Claudia Marold, Vater: Rochus Millauer) sind Menschen mit sehr einfachen und wenig ambitionierten Vorstellungen für das Leben ihrer Tochter und nicht gerade aus dem Bilderbuch entsprungen. Sie kritisieren ihr Kind, dessen Ziele werden mit Worten zertrümmert, bevor sie diesen überhaupt nachgehen kann. Auch die Leidenschaft, die sie zum Wrestling entwickelt, wird kritisiert. Von ihrer besten Freundin, der Schultussi (Isabel Blumenschein) schlechthin, wird sie nicht nur gemobbt, sondern auch regelmäßig verpetzt, was zu weiteren Problemen führt.

 

Überwacht werden diese Kämpfe von einem zynischen Schiedsrichter (Martin Pain), der so manches Faul absichtlich zu übersehen scheint. Was von ihr erwartet wird, ist einen starken Mann an ihrer Seite zu heiraten und sich um ihn zu kümmern, ihm seine Wünsche quasi von den Augen abzulesen, so wie es die Mami beim Papi kann. (Rita: "Ich will nicht heiraten. Ich will meine Unabhängigkeit. Ich will jemand sein"- Papa: "A verheiratete Frau is eh scho jemand, oda wüst leicht sag’n dass die Mama net jemand is?“) Diese Vorstellungen entsprechen aber nicht ihren eigenen Wünschen, und der Kampfgeist in ihr lässt nicht zu, dass sie aufgibt. Und so schafft sie es in einem Kampf über zehn Runden ein eigenständiges Leben zu erkämpfen.

 

Das Stück ist für alle Altersgruppen empfehlenswert, es zeigt, wie hart das Leben manchmal sein kann, und dass es Menschen gibt, die sich wohlmögliche Privilegien, die für andere als selbstverständlich gelten, hart kämpfen müssen. Das Stück ist allein wegen der großartigen SchauspielerInnen sehenswert. Diese überzeugen nicht nur durch ihre komödiantischen und musikalischen (Musik: Fritz Rainer) Fähigkeiten, sondern auch durch ihre Sportlichkeit „Wrestlin Rita“ ist ein Pflichttermin für alle, die Theater mal anders erleben wollen!

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Olivia Schabowski

 

 

 

Stadttheater Mödling