10. 5. 2016 Theatercenter Forum: Die Drei von der Zweigstelle

© Oliver Hebeler
© Oliver Hebeler

Wenn man alles verloren hat, dann bleibt zumindest der Humor. In Zeiten von Finanzkrisen,  Boniauszahlungen und Börsen(ver)spekulationen war das Stück "Die Drei von der Zweigstelle" von Joesi Prokopetz und Fritz Schindlecker nur eine Frage der Zeit. Die Uraufführung der Komödie fand im Theatercenter Forum statt, über allerlei Wortspielereien und temporeiche Dialoge hat sich das Publikum, darunter auch DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink, sehr amüsiert.

 

 

Es war einmal eine kleine Bank in Maria Leiten, geführt vom Filialleiter Herrn Franz "Pascal" Terczek (Oliver Hebeler) - verheiratet und eine Affäre mit einer gewissen Jeannine, gekleidet im klassischen ländlichen Bankoutfit Bundfaltenhose, zu großes Sakko, Hemd, Krawatte, und der Bankangestellten Mag.a Klara Oswald (Eva Christina Binder), knallenges Kostüm, vornehm und ein Verhältnis mit dem Dr. Grida (nicht Krida) aus der Führungsspitze der Bank - gegensätzlicher kann es gar nicht sein -, und last but not least die dritte im Bunde ist die ungarische Putzfrau Jonia Belushi (Doris P. Kofler), u. a. in  Leoparden-Leggings, die immer einen Spruch auf den Lippen hat - Weisheiten, Lieder, Schüttelreime -, um Situationen und Geschehnisse in der Bank zu kommentieren. So weit, so gut, so unterhaltsam.

 

Eines schönen Tages, eines besonderen Tages nämlich, denn genau vor 35 Jahren hat Herr Terczek seine Banklehre angetreten, möchte er diesen Jubiläumstag mit einem Glas Sekt mit seiner Kollegin feiern. Doch dann bricht die Katastrophenmeldung in die Idylle  ein: Nabucco! Verspekuliert! Alles verloren! Kein Geld mehr in der Bank ... was nun? Dieser Tag ist also alles andere als ein Tag zum Feiern. Das Geld der Bank wurde verspekuliert, gegenseitige Beschuldigungen folgen, für sich selbst gilt jedoch die Unschuldsvermutung und Ausreden müssen her, um sich die lästige Bankkundschaft, die Geld will, sozusagen vom Schalter zu halten.  An fantasievollen Ausreden sind die beiden Bankangestellten nicht verlegen, und so vergeht der Tag mit allerlei Ideen und humorvollen Begegnungen, z.B. mit der Besitzerin eines Nagelstudios, die zum Glück Geld einzahlen will, und Dr. Haselgruber, der gerne einen Kredit hätte, oder dem Pfarrer, der sich recht herzlich bedankt bei Terczek, dass er ihm das Geld vom Sparverein gegeben hat (eine "Umwidmung"), damit er seinen Cousin mit dem Bau einer Orgel beauftragen kann.

 

Aus der Gegensätzlichkeit der beiden Figuren auf der Bühne, auf der einen Seite Terczek ein einfaches "Kind vom Land" oder laut seiner Kollegin "Intelligenzabstinenzler", der seine Karriere in der Bank von Maria Unterleiten, Maria Oberleiten und jetzt Maria Leiten hinaufgestiefelt ist und von Wirtschaft, Wertpapieren und anderen Bankgeschäften keine Ahnung hat, sozusagen ein "börsentechnischer Gartenzwerg" ist, dort Magistra ("magistra, tra, tra, - ich bin weiblich") Oswald, die zielstrebige WU-Absolventin aus reichem Elternhaus, von ihm gerne auch als "Trutschen" bezeichnet, daraus entstehen temporeiche, unterhaltsame Dialoge, garniert mit Wortspielereien (da kann aus einem Derivat schon einmal ein Destillat werden oder aus networking Bettworking) und Seitenhieben, die beiden schenken sich nichts und sind Meister der Schlagfertigkeit. 

 

Regisseur Oliver Hebeler hat sich einige inszenatorische Kniffe einfallen lassen, damit die Zwerchfellmuskeln ordentlich strapaziert werden. Und das Ensemble trägt mit seinem komödiantischen Talent das seine dazu bei. Oliver Hebeler und Eva Christina Binder liefern sich herrliche Wortgefechte, unterbrochen vom Auftritt unterschiedlicher Figuren, wobei Doris P. Kofler in drei unterschiedlichen Rollen (Putzfrau, Nagelstudiobesitzerin und Polizistin) zu sehen ist, und auch Victor Weiss zeigt sich sehr unterschiedlich als Wissenschafter, Pfarrer oder auch als Robin Hood. Jede Figur für sich hat Unterhaltungswert, auch wenn sie alle sehr klischeehaft dargestellt werden. Dabei wird nichts ausgelassen, der stumpfsinnige Filialleiter, die karrieregeile WU-Absolventin, die kleidungstechnisch geschmacksverwirrte Putzfrau, die Fremdwörter verwechselnde Polizistin, ...

... und ganz zum Schluss, wenn man schon denkt, Ende gut, alles gut, da kommt dann die große Wende, da spielt ein Koffer eine Rolle, und es kommt alles anders, als man denkt.

 

"Raus aus dem Alltag, rein ins Theater" - seinem Motto ist das sympathische Theatercenter Forum auch mit der Uraufführung dieser Komödie treu geblieben, denn den Alltag vergisst man von der ersten Minute an, wenn die Drei von der Zweigstelle in ihrem Arbeitsalltag so richtig loslegen.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

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