02.04.2016 Theater Drachengasse: The English Lovers – The Moments Between Nothing and Something

© www.english-lovers.com
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Der Titel „The Moments Between Nothing And Something“ der English Lovers passt perfekt zum Stück – vielsagend, aber nicht wirklich konkret, interessant, aber nicht aufschlussreich. Dasselbe gilt für die vorab publizierte Beschreibung. Mit anderen Worten: Die Katze im Sack. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern war natürlich live dabei.

 

 

Auch wenn man nie weiß, was genau auf einen zukommt, eines ist klar: Bei einem Abend mit den English Lovers bleibt kein Auge trocken. So auch bei „The Moments Between Nothing And Something“, obwohl das Ensemble diesmal kleiner war – gespielt wurde nur zu dritt. Wer sich einen roten Faden, eine konsistente Story oder eine logische Szenenfolge erwartet, wird enttäuscht werden. Alle Anderen werden sich über die Improvisation und den Humor der Gruppe und ihrer Show freuen.

 

Das Konzept: Eine rasche Abfolge unterschiedlichster Situationen, Personen und Bühnenbilder, dazu live Klaviermusik und eine Menge Stegreif. Ein Sketch nach dem anderen, die Themen waren vielfältig und zum Teil sogar nachdenklich bis philosophisch. So kamen auch das Altern, der Tod, der Trend, immer weniger Bücher zu lesen oder Erzählungen von Episoden aus der Kindheit vor. Auch die Kirche, insbesondere Mönche und Nonnen, wurde nicht verschont. Ist der Big Ben eigentlich eine Kirche ...?

 

Dazwischen gab es immer wieder Situationskomik durch kabarettreife Einlagen. Beispiel gefällig? Auf eine Leinwand wurde ein Scheinwerfer gerichtet, die Schauspieler stellten sich abwechselnd ins Licht und posierten auf die komischsten Arten, allein, zu zweit, grimassierend, ... Das Publikum bog sich vor Lachen und belohnte mit Szenenapplaus.

 

Eine wichtige Erkenntnis des Abends war auch, dass man die Zeit nicht anhalten kann – mit einer Ausnahme: „If you spend it with your relatives. That's why time is relativ!“ In dieser Tonart lernt man so Einiges über das Leben und dessen brennendste Fragen. Nicht zu vergessen die Lebensweisheit, die der alte Großvater seiner Enkelin mit auf den Weg gibt: „Always remember: If you don't want to eat your vegetables, you don't have to!“

 

Langsam aber sicher führten im Lauf des Stücks manche Szenen zueinander, die Personen und Inhalte wurden verwoben. Andere wiederum blieben isoliert stehen. So isoliert, dass das Publikum am Ende nicht sicher war, ob es tatsächllich das Ende war und diesbezüglich vom Beleuchtungstechniker unterstützt werden musste, um den verdienten Schlussapplaus einzuleiten.

 

Dieses Format zu beschreiben kann das direkte Erleben nicht ersetzen, das muss man gesehen haben. Anfangs verwirrend, meistens amüsant, manchmal nachdenklich und immer kurzweilig schließt sich der Kreis am Ende zwar nicht ganz, ein lohnender Abend war es jedenfalls, der auch jede Menge Stoff für weitere Unterhaltungen bietet.

 

Gerade im kleinen Rahmen im Theater Drachengasse ist die Interaktion zwischen Ensemble und dem Publikum gut möglich. Da die Stimmung auf beiden Seiten sehr fröhlich war, kam es schon das eine oder andere Mal vor, dass sich die Darsteller über sich selbst mindestens genauso amüsierten wie die Zuschauer. Das störte keineswegs, im Gegenteil: Beim Improvisationstheater kann das eine positive Wechselweirkung in Gang setzen. Experiment gelungen!

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

Theater Drachengasse

 

English Lovers