11.1.2016 Theater Drachengasse: Atmen

© Andreas Friess
© Andreas Friess

Welche Gedanken und Überlegungen tauchen plötzlich auf, wenn man sich entschließt, ein Kind zu bekommen, eine Familie zu gründen? Dieser Frage geht das Stück Atmen des britischen Autors Duncan Macmilian im Theater Drachengasse nach. DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink hat es sich angesehen.

 

 

"Scheiß auf Recycling oder Elektroautos, solange gebildete, umsichtige Menschen wie wir nicht aufhören, Kinder zu kriegen, ist die Welt total am Arsch." Im Laufe des Gespräches eines Pärchens über die Frage, ob sie jetzt ein Kind bekommen sollen, fällt auch dieser Satz. In der Schlange an der Kassa bei Ikea darüber zu diskutieren, ist ja auch nicht gerade der entspannendste und geeignetste Zeitpunkt. Es ist jedoch der Zeitpunkt, ab dem im Zeitraffer - sozusagen in 80 Minuten - ein ganzes Leben erzählt wird mit Höhen und Tiefen in der Beziehung.

 

Das Gespräch über ein gemeinsames Kind setzt sich fort auf der sehr nüchtern ganz in weiß gehaltenen Bühne. Auch die Kostüme der beiden Schauspieler halten sich in schwarz-weiß (Bühne und Kostüm: Alexandra Burgstaller). Doch ein Schwarz-Weiß-Denken gibt es nicht. Er (Astrit Alihajdaraj) ist mutiger, wäre bereit dazu und denkt nicht so sehr über das "Ob" und "Falls" nach, sie (Paola Aguilera) ist unsicher und wirft einige Argumente ein, die dagegen sprechen könnten, denn sie sind gute Menschen im Bobo-Ambiente, sie trennen z. B. den Müll und trinken Fairtrade-Kaffee, ein Kind sei jedoch ein CO2-Produzent, kann man das veranworten?

 

Obwohl es ein ernstes Thema ist, kommt der Humor nicht zu kurz. Die pointierten Dialoge sorgen immer wieder für Lacher im Publikum, vielleicht auch, weil man sich in einigen Verhaltensweisen und Aussagen wiedererkennt?! So nüchtern die Bühne gehalten ist, so klar ist auch die Inszenierung von Christine Wipplinger. Manche Momente werden genau gezeigt, manche Ereignisse im Schnelldurchlauf gespielt, die Auswahl dazu ist gut getroffen.

 

Faszinierend ist es, wie Paola Aguilera und Astrit Alihajdaraj es schaffen, ohne Requisiten und nur mit Worten, mit Blicken, Gesten ein Leben entstehen zu lassen, die Geschichte von ihr und ihm zu erzählen, mit all den Problemen, den schönen Momenten, den Ängsten. Sie zeigen eine große Bandbreite an Gefühlen, das Publikum nehmen sie für sich und ihre Geschichte ein, von der ersten Sekunde an. Man spürt intensiv die glücklichen und heiteren wie auch die traurigen und tragischen Momente.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

www.drachengasse.at