31.3.2016 Theater Center Forum: Die Glasmenagerie

© www.angelitera.at
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Das Theater Center Forum hat wieder einmal einen „modernen“ Klassiker auf den Spielplan gestellt: „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams. Die Uraufführung dieses Familiendramas fand 1944 am Civic Theater in Chicago statt, die deutsche Erstaufführung erfolgte 1946 im Basel. Ob das mehr als 70 Jahre alte Stück überhaupt noch zeitgemäß ist, hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern angesehen.

 

 

Die Stücke des US-amerikanischen Dramatikers Tennessee Williams haben aufführungsmäßig schon besser Zeiten gesehen. Lange Zeit auch im deutschsprachigen Raum modern, ist es in den letzten Jahren Bühnen in Sachen Williams eher ruhig geworden.  Gerade die Glasmenagerie war es, die Williams (1911-1983) zum Durchbruch verhalf. Das Stück war so erfolgreich, dass es auch dreimal verfilmt wurde: 1950 mit Jane Wyman und Kirk Douglas, 1973 mit Katherine Hepburn und Michael Moriarty sowie zuletzt 1987 unter der Regie von Paul Newman, der auch einen tollen Erfolg mit dem Williams-Stück „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ hatte, mit Joanne Woodward und John Malkovich.

 

Wie meist bei Williams geht es um Probleme innerhalb einer Familie, was auch darauf zurückzuführen ist, dass der Autor nahezu immer auch Autobiografisches in seine Dramen eingearbeitet hat. Der Untertitel „Ein Spiel der Erinnerungen“ lässt schon anklingen, wohin die Reise gehen wird. In einem Art Rahmen erzählt Tom Wingfield über die Probleme im Zusammenleben mit seiner Schwester Laura und seiner Mutter Amanda. Kurz darauf tritt er selbst in die Handlung ein und wir erleben eine ausführliche Rückblende in das St. Louis in den 30er-Jahren. Hier lebt die Mutter mit ihrem Sohn, der als Lagerarbeiter die Familie ernährt, und ihrer körperbehinderten Tochter. Der Vater, ein Alkoholiker, hat die Familie schon vor Jahren verlassen.

 

Alle drei flüchten auf ihre Art vor der tristen Realität. Mutter Amanda versinkt immer wieder in ihrer weit zurückliegenden Jugend in den Südstaaten und ihren damaligen Erfolgen bei Männern, Tochter Laura lebt überhaupt in einer Scheinwelt, deren Angelpunkt eine Sammlung von kleinen Glastieren ist, und die in allen realen Situationen total scheitert und schließlich will Sohn Tom nichts wie weg und auf einem Schiff die Welt sehen. Da er aus Verantwortungsgefühl aber (noch) bleibt, besucht er nahezu jeden Abend das Kino als Ersatz für nicht erlebte Abenteuer.

 

Eines Tages lädt er auf Drängen der Mutter, die auf die Heirat ihrer Tochter hofft, seinen Arbeitskollegen Jim zum Abendessen ein. Laura taut in seiner Gegenwart langsam auf und tanzt schließlich trotz ihrer Behinderung mit ihm. Dabei zerbricht Jim unabsichtlich ihr Lieblingsglastier, bezeichnenderweise das Einhorn, zerbrechlich, scheu und irreal wie sie selbst.. Gleich darauf erzählt er, dass er verlobt ist und in Kürze heiraten wird. Zwar schenkt ihm Laura zur Erinnerung dieses Glastier, das nun ein normales Pferd ist, doch bleiben alle drei enttäuscht und aller Illusionen beraubt zurück. Die Mutter sieht keine Lösung der Probleme, Tom folgt dem Vorbild seine Vaters, der als einziger die Kraft hatte auszubrechen und verlässt die Familie, allerdings nicht ohne sehr starke Skrupel, und schließlich Laura, die an der Realität psychisch zerbricht. Allerdings wird in dieser Aufführung ein Hoffnungsschimmer eingebaut, denn Laura öffnet ihre Haare und verlässt das Haus, während erstmals moderne Musik erklingt. Hat sie doch noch eine Chance?.

 

Diese Familienkonstellation wird zwar in einem historischen Kontext dargestellt, doch merkt man zunehmend, dass die aufgezeigten Probleme, wenn auch in anderer Form, nach wie vor aktuell sind und es auch bleiben werden. Das deutlich gemacht zu haben, ist Verdienst von Angelica Schütz, die sehr behutsam und einfühlsam inszeniert hat. Das Bühnenbild von Erwin Beil und die Kostüme von Barbara Langbein unterstützen ihre Arbeit kongenial.

 

Mehr als überzeugend auch die Darsteller. Christine Renhardt als Mutter, die sich um ihre Kinder sorgt, aber eigentlich in der Vergangenheit lebt, Alexander Hoffelner als Tom, der überzeugend die Schwierigkeiten aus dieser Familie auszubrechen vermittelt, Simon Schober als Jim, der die Träume der Wingfields unabsichtlich zum Einsturz bringt und schließlich und vor allem Anne-Sophie Krenn als Laura. Wie sie es schafft, die Fragilität, die Verletzbarkeit und auch die kurz aufkeimende Hoffnung auf die kleine Bühne zu bringen ist wirklich sehenswert.

 

„Die Glasmenagerie“, eine Produktion von Angelitera, ist noch bis 23.April in Theater Center Forum zu sehen.

 

 DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

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