8.4.2016 Serapions Ensemble / Odeon: … am Abend der Avantgarde

©Odeon / H. Jahn
©Odeon / H. Jahn

Es ist eine fantasievolle Reise durch die poetische Welt von Anna Achmatowa und ihren Roman „Enuma elisch“ auf die das Serapions Ensemble in „… am Abend der Avantgarde“ das Publikum mitnimmt. Erwin Piplits und Mario Mattiazzo ist hier gemeinsam mit den wie immer beeindruckenden Ensemblemitgliedern wieder ein großer Wurf gelungen, der in DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos noch lange nachwirkte.

 

Es ist eine Produktion, die anders geworden ist, als das, was man in den letzten Jahren im Odeon Theater gesehen hat. Das liegt an der starken Textlastigkeit des Abends, denn es wurde die Dichtung „Enuma elisch“ von Anna Achmatowa erarbeitet. Die einzelnen Abschnitte des Werkes werden in gewohnter Weise durch das Serapions Ensemble zum Leben erweckt. Dabei ist es immer wieder faszinierend, mit welch geringen Mitteln hier großartige Bilder entstehen und wie viele kleine Gesten der DarstellerInnen ein lebendiges Ganzes entstehen lassen.

 

Der Text der weiblichen Hauptfigur wird auf drei Darstellerinnen aufgeteilt, wobei eine Russisch spricht, das vermittelt einen Eindruck der Sprachmelodie. Auch die Männer, die in ihrem Leben schemenhaft auftauchen, werden von zwei sehr unterschiedlichen Typen gespielt. Überhaupt wird an diesem Abend sehr viel schemenhaft angedeutet und regt dadurch die Fantasie des Publikums an. Allerdings entsteht hin und wieder das Gefühl, dass man so manchen Zusammenhang nicht herstellen kann, wenn man sich nicht ausführlich – so wie es das Ensemble in monatelanger Probenarbeit tat – mit Leben und Werk Achmatowas beschäftigt hat. Dass Erwin Piplits immer wieder als kommentierender und konnotierender Bühnenarbeiter auftaucht, lockert den Abend etwas auf. Wer sich nun wundert, dass hier keine weiteren Namen der DarstellerInnen genannt werden, dem sei gesagt, dass das Programmheft keine Rollenzuteilung nennt.

 

Erwin Piplits und Mirjam Salzer wissen mit dem Raum des Odeon gut umzugehen, schaffen es gekonnt, auch intime Szenen entstehen zu lassen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die wunderbar bemalten, großen Bühnenprospekte von Max Kaufmann und die Kostüme aus den Beständen von Ulrike Kaufmann. Vor allem die letzte Szene, eine Zugfahrt, wird noch lange im Gedächtnis bleiben. Einen wichtigen Beitrag zur Atmosphäre des Abends liefert auch die Musik von Marcelo Cardoso Gama, Julio C. Manfugas Foster und Thomas Mandel.

 

Nach gut zwei Stunden taucht der Schreiber dieser Zeilen überwältigt aus der fantasievollen Atmosphäre wieder auf und denkt sich, dass er sich mehr mit Achmatowa beschäftigen sollte, aber auch, dass es schwierig werden wird, die Eindrücke dieses Abends in Worte zu fassen. Lang anhaltender, verdienter Applaus für das wunderbare Serapions Ensemble und alle Beteiligten.

 

DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos

 

 

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