20.02.2016 Schlosstheater Laxenburg: Le nozze di figaro

© Barbara Palffy
© Barbara Palffy

Das Schlosstheater Laxenburg, in diesem Fall das „Teatrobarocco“, hatte sich ein ambitioniertes Projekt vorgenommen. Zum 260.Geburtstag Mozarts, aber vor allen zum 230-Jahre-Jubiläum von „Le nozze di figaro“ wurde diese Oper in voller Länge und in italienischer Sprache inszeniert. Ob diese äußerst intensive Arbeit erfolgreich war, hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern in dem stimmungsvollen Theater angesehen.

 

 

Gleich vorweg: Der Einsatz von Regisseur Bernd R. Bienert und seinem Team hat sich mehr als gelohnt. In akribischer Kleinarbeit wurde das Original dieser Oper ohne jede Streichung auf die Bühne gebracht, wobei auch Kostüme und Bühnenbild dieser Vorgabe entsprechen mussten. Zusätzlich waren die Schauspieler dazu angehalten - wie damals üblich - Musik und Text durch elegante Gesten zu unterstreichen und damit deutlich zu machen. Dadurch fühlte man sich bei dieser Opera buffa, die Charme und Humor ausstrahlt, tatsächlich aus der Gegenwart in das Barock Josephs II. versetzt.

 

Apropos Joseph II.: Zum Inhalt der Oper muss kaum etwas gesagt werden, denn bis Figaro, der Kammerdiener des Grafen Almaviva „seine“ Susanna heiraten kann, gibt es vor dem Happy End die für diese Zeit typischen Verwechslungen, Verkleidungen und Missverständnisse, für die vor allem der Page Cherubino sorgt. Und er ist es auch, der die Kritik an der Arroganz des Adels trägt – eine Kritik, die Joseph sogar wohlwollend zur Kenntnis nahm. Die Handlung schließt ja an den „Barbier von Sevilla“ an, in der Beaumarchais beißende Kritik an der Ignoranz des Adels geübt hatte. Es ist aber gar nicht einfach, diese Kritik aus „Figaro“ herauszuarbeiten, denn Mozart und sein Librettist Laurenzo da Ponte mussten es ja bei Andeutungen belassen, um mit der Zensur keine Schwierigkeiten zu bekommen. Und gerade dieser Spagat ist Bienert hervorragend gelungen. Ohne am Text auch nur irgendetwas zu ändern, zeigt er die Unterwürfigkeit der Bauern gegenüber dem sie verachtenden Grafen, der überdies nicht davor zurückscheut, seine Machtposition gegenüber Susanne für unverhohlene sexuelle Attacken zu nützen. Diese Umstände werden durch den romantisch-barocken Hintergrund besonders deutlich. Übrigens hatte die Oper in Wien zu Beginn nur eher mäßigen Erfolg, ganz im Gegensatz zu Prag, wo sie auf Anhieb für einige Wochen ausverkauft war.

 

Damit zum wirklich wunderbaren Ausführungsort, dem barocken Schlosstheater Laxenburg. Tatsächlich gibt es für diese Oper kaum einen geeigneteren Platz, den Maria Theresia durch den Architekten Nikolaus Pacassi erbauen ließ. Joseph II. genoss dann hier im Juni 1786 kurz nach der Premiere am Wiener Burgtheater die Hochzeit des umtriebigen Figaro.

 

Das Bühnenhaus des Schlosstheaters Laxenburg ist in Relation zu dem eher intimen Zuschauerraum unverhältnimäßig groß und vor allem hoch. Damit konnten die Kulissen eines großen Theaters wie der Wiener Burg 1:1 übernommen werden. Dazu kam, dass hier 1786 ein Orchester in voller Besetzung musizierte und damit noch deutlich weniger Besucher Platz hatten.

 

Die musikalische Leitung in Laxenburg hatte der routinierte David Aronson übernommen, der im Gegensatz zu 1786 ein nur 11-köpfiges Orchester dirigierte und „nebenbei“ selbst am Hammerklavier tätig war. Erstaunlicherweise schaffte es dieses kleine Ensemble hervorragend, nahezu die gesamte Bandbreite dieser doch recht komplizierten Partitur sehr gefühlvoll und mit einem beeindruckendem Klangspektrum zu vermitteln. Nicht zuletzt dadurch gelang es dieser Aufführung eine lockere und fröhliche Atmosphäre zu schaffen.

 

Dazu kam, dass hier ein junges Sängerensemble aus unterschiedlichsten Ländern zusammengestellt wurde, das ambitioniert und mit beachtlichem Können ans Werk geht und vor allem hervorragend harmoniert. Man merkt der gesamten Truppe die Freude an dieser Aufführung deutlich an. Herausragend waren Sarah Marie Kramer als stimmgewaltige Gräfin Almaviva, die charmant-elegante Megan Kaths als Susanna, Anne Wieben als Marcellina, Gebhard Heegmann als Figaro und die quirlig-witzige Barbara Angermaier als Cherubino.

 

Aufführungen gibt es noch am 25., 27. und 28. Februar. Ob diese gelungene Produktion noch einmal aufgenommen wird, ist leider noch nicht klar.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

 

 Schlosstheater Laxenburg