6.12.2015  Marcel Mohab & Carlo Jacucci: Out of Nowhere

Für die braven Kleinkunst-Fans brachte der Nikolo "aus heiterem Himmel" das neue Programm von Marcel Mohab. DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler war schon ganz aufgeregt, was denn der Nikolausi im Kabarett Niedermair da so aus dem Sack zaubern würde. Und es gab eine echte Überraschung: Carlo Jacucci performte als kongenialer Partner mit Mohab auf der Bühne. Ob es eine "meta-clowneske Slapstikck- und Nonsense-Show" (Niedermair-Newsletter) war, erfahren Sie hier.

 

 

Ja hat denn ein Marcel Mohab diesen Etikettenschwindel notwendig?! Auf der Website des Niedermairs wird das Programm beharrlich als Mohab-Solo angekündigt. Für mich ein absolutes "Out of No-Way"! Ehre, wem Ehre gebührt!  Jacucci ist ja bereits beim Humorfestival Velden ersatzweise für Marcel Mohab aufgetreten. Wird wohl eher eine Nachlässigkeit der Website-Betreuung des Niedermairs gewesen sein ...

 

Mohab himself, braucht solche Steigbügelhalter-Dienste sicher nicht, denn er ist künstlerisch äußerst erfolgreich unterwegs: Publikumspreis des Max Ophüls Preises 2014 für den Kinofilm "High Performance", in welchem er die Hauptrolle spielte. TV-Schauspieler im Tatort "Grenzfall" (2014). Mitwirkender beim Theaterstück "Habe die Ehre", welches den Nestroypreis 2013 für das beste Off-Stück eroberte. Gewinner des Kleinkunstnagels 2012. Film, Fernsehen, Kabarett, Theater - was kommt als nächstes? Musik? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn Mohabs Stimmspenden auf der Bühne waren bis jetzt eher karg - er beeindruckt eher durch Körpersprache.

 

Ohne Recherche im WWW ist im Übrigen Mohabs Vorstellung von Jacucci auf der Bühne auch nicht gerade informativ, er benamselt ihn mit "Mister Blablabla" - auch nicht gerade schmeichelhaft. Jacucci hätte sich da schon mehr Ehrbezeugung verdient, denn die beiden harmonieren in ihrem Spielstil auf der Bühne hervorragend und wirken wirklich gut eingespielt, wie z.B. bei ihren obskuren "Zaubereien" hinter und neben einem brusthohen schwarzen Vorhang wird Unmögliches möglich - da wachsen auf einmal die Arme der Künstler in mehrere Meter Länge.

 

Die gemeinsamen Szenen auf der Bühne sind durch absurden bis kindlichen Humor gekennzeichnet, welche mit großer Ernsthaftigkeit vorgetragen werden, Lacher kommen den beiden kein einziges Mal aus. Der Humor der beiden ist irgendwo zwischen Monty Python und den Marx Brothers angesiedelt, und stellt doch "something completely different" dar.

 

Endlose Sesselrückereien auf der Bühne, als Symbol für Kommunikationskomplikationen (O-Ton Frau Franzi). Ein gemütlich Spazierender, welcher nicht und nicht von einem hektischem Jogger überholt werden will, als Wink für die Entschleunigung der Zeit. Auf die Gefahr hin, mehr Sinn in (sinnlose?) Szenen hineininterpretieren zu wollen: Das fragende Rufen von Männernamen ins Publikum zu Damenbadeanzügen, welches mit einem erstaunten "Oh it's me" endet, als Appell für Toleranz?

 

Mister Blabla rezitiert, "When i was a lobster", Mohab versucht dazu einen Gummiesel zuzureiten. Schwer zu fassender Humor für ein teilweise enthusiasmiertes, teilweise fassungsloses Publikum. Meine konservativen Sitznachbarn zählten offensichtlich zu zweiterem, denn nach der Pause blieben die Sitziplätze frei ... Man darf gespannt sein, ob das Niedermair mit so einem abgefahrenen Programm mehrmals zu füllen ist.

 

Betrachtet man nun die Einzelszenen der beiden Künstler, so muss man leider feststellen, dass Mohabs Auftritte eindeutig zu wenig wären für einen kompletten durchgängigen Soloaufttitt, sondern eher unzsammenhängendes Patchwork. Carlo Jacuccis sonore Stimme, sein  melancholischer Blick ins Publikum, seine poetische Art mit dem Publikum zu kommunizieren und sein faszinierendes Akkordeonspiel wecken hingegen unbedingt Interesse auf sein Soloprogramm "Vitamin".

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

 

 

 

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