10.2.2016 Kropiunig, Grissemann, Stermann: SONNY BOYS

© Udo Leitner
© Udo Leitner

Am Mittwoch feierte Neil Simons Broadwayklassiker "Sonny Boys" im Rabenhof Premiere. Stermann und Grissemann mal nicht im Fernsehen, sondern auf der Theaterbühne? Ob das Konzept aufgeht, wollte DieKleinkunst-Redakteurin Elisabeth Austaller wissen.

 

 

 

Der Vorhang öffnet sich, zu sehen ist die Wohnung des Christoph Maria Grissemann: rechts auf der Bühne ein Flatscreenfernseher, es laufen alte Werbespots vom Duo Stermann und Grissemann, links ein schwarzes Sofa, davor ein Couchtisch, der als Mini-Casinotisch fungiert. Grissemann in Unterhemd, Pyjamahose, Hauspatschen und Bademantel spielt alleine Roulette, führt dabei Selbstgespräche und trinkt Bier. Zahlreiche leere Alkoholflaschen stehen in der Wohnung herum. ("Ich trinke nie heimlich! Das kann man mir echt nicht vorwerfen").

 

 

Wir befinden uns bereits im Jahr 2030: "Otto Schenk wird 100!", so die Zeitschrift "Bühne". Stermann und Grissemann haben sich nach einem gröberen Zerwürfnis, das auf der feuchten Aussprache Stermanns basiert ("Er hat mich angespuckt!"), getrennt und seit 11 Jahren nicht mehr gesehen. Nach der Trennung haben es beide mit Solokarrieren versucht, allerdings nicht besonders erfolgreich.

 

 

Magda Kropiunig spielt Magda, Grissemanns pfiffige Cousine und bemühte Managerin, die es sich zu Aufgabe gemacht hat, das einstmalige Dreamteam für die ORF-Gala "Was haben wir gelacht: 35 Jahre Lachen in Österreich!" wiederzuvereinen. Nach harter Überredungsarbeit gelingt es ihr, Grissemann, der anfangs partout dagegen ist, dazu zu überreden, wenigstens eine Probe mit seinem ehemaligen Kollegen zu versuchen. Dirk Stermann, der inzwischen bei seiner Tochter in Stranzendorf lebt ("Is' ja peinlich!"), tritt auf in grauem Nadelstreifanzug mit roten Socken, rotem Schal, Regenschirm-Zukunftskrücke und der charakteristischen weißen Haarpracht, von der sich der Kosename Schneemann (liebevoll: Schneemännchen) ableitet. Stermanns Rolle ist die des in die Jahre gekommenen, leicht arroganten und dümmlichen Deutschen. Grissemann hingegen agiert als unkonzentriertes, gehäßiges Rumpelstilzchen.

 

 

Die Komik ist in im wiederholten Aufgreifen gewisser Sprachmotive verortet, in Sticheleien gegen einander sowie im gekonnten Einsatz verschiedener Stimmregister. Das Publikum unterbricht die Aufführung wiederholt durch anhaltendes Gelächter, einmal sogar durch spontanen Szeneapplaus.

 

 

Nach der Pause befinden wir uns im Aufnahmestudio für die Gala, das Set für ein Revival der "Deutschen Kochschau" ist vorbereitet. Man hört Intromusik, plötzlich betritt Peter Rapp, der die Sendung moderieren wird, die Bühne, was zu überraschten Lachausbrüchen im Zuschauerraum führt. Während der Aufnahme beginnen Christoph und Dirk wieder zu streiten, bis die Situation eskaliert, weil Stermann schon wieder spuckt. ("Er macht das mit Absicht!") Grissemann regt sich darüber sosehr auf, dass er einen Herzinfarkt erleidet und von seinem Arzt in Ruhestand geschickt wird.

 

 

Stermann schickt Blumen und kommt den widerwilligen Grissemann sogar am Krankenbett besuchen. In einer sonderbaren Hass-Harmonie sehen die beiden ihrer gemeinsamen Zukunft im Altersheim für Schauspieler in Baden entgegen und träumen vom Steingarten, den sie dort anlegen werden.

 

 

Matthias Jodl hat den Boulevardklassiker von Neil Simon auf Dirk Stermann und Christoph Grissemann umgeschneidert, sodass man glauben könnte, das Stück wäre ursprünglich für die beiden geschrieben worden. Der Abend bietet herrliche 90 Minuten Selbstironie und spitzzüngige Abrechnung mit dem österreichischen Schauspieler- und Kabarettistenmilieu.

 

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Elisabeth Austaller

 

 

 

 

Stermann und Grissemann
Rabenhof