10.3. Kosmostheater: Wunsch und Wunder

© Bettina Frenzel
© Bettina Frenzel

Felicia Zellers Stück „Wunsch und Wunder“ hat seine Erstaufführung im Wiener KosmosTheater und befasst sich in erster Linie mit real gewordenen Schöpfungsfantasien rund um den Kinderwunsch. Die vor Ort anwesende Kleinkunst-Redakteurin Olivia Schabowski weiß anfangs nicht, dass sie aber auch gleichzeitig durch humorvolle Anspielungen und Metaphern, die so witzig sind, dass sie ihre Lachmuskel massiv beanspruchen, einer Konfrontation mit der ungeschmückten Realität rund ums Leben ausgesetzt ist.

 

 

Das Stück „Wunsch und Wunder“ von Felicia Zeller behandelt in der Regie von Susanne Draxler auf humorvolle Art und Weise diverse Themen und Problematiken rund um den Kinderwunsch. In der Kinderwunschpraxis "Praxiswunsch" arbeiten neben dem machtgeilen Fertilitätsdoktor Dr. Flause (Roland Kuste)  die junge Ordinationshilfe, welche sich vor „Unfallschwangerschaften“ kaum zu retten vermag, und auch die Ärztin mittleren Alters Dr. Betty Bauer (Maria Fliri), die zwanghaft versucht schwanger zu werden.

 

Das kleine Publikum im KosmosTheater wird still, als Dr. Flause „der Machtmensch, der Menschen macht“, als erster auf die Bühne tritt. Eingebildet und machtgeil wie er ist, nimmt der Arzt kein Blatt vor den Mund und erzählt schamlos von seiner Angst,  von einem der „Wunschkinder“, das durch sein eigenes Sperma gezeugt wurde, entlarvt zu werden.

 

Auf ihr persönliches Unglück weist kurz danach auch seine Praxiskollegin Dr. Betty Bauer hin, welche nicht gerade in dem Alter ist, indem man üblicherweise Kinder bekommt, sich aber nichts sehnlicher wünscht, als schwanger zu werden. Ihre Freizeit besteht deswegen aus exzessiven Trinken und One-Night-Stands, jedoch kommt keine Schwangerschaft zu Stande. Zur selben Zeit wird die lieb dümmliche Sprechstundenhilfe (Katharina Haudum) zum zweiten Mal ungewollt schwanger und eine Vertretung für die Zeit ihrer Karenz muss her.

 

Die Leben der Beteiligten wird auf den Kopf gestellt, als ein immer wieder abgewimmeltes junges Fräulein (Michaela Bilgeri) sich für die Stelle bewirbt, sich aber auch gleichzeitig als durch das Sperma das Doktors gezeugtes „Wunschkind“ auf der Suche nach ihrem Ursprung herausstellt.

 

Die Schauspieler sprechen in unvollständigen Sätzen und lassen dem Publikum genügend Spielraum für eine Eigeninterpretation des Gesagten, was eine etwas andere Art ist, die Besucher zum Nachdenken anzuregen. Am Beispiel der Medizin wird gezeigt, dass es sich leider nicht nur um Hilfeleistungen handelt, sondern vor allem um Macht, Geld und dass im Endeffekt immer das Eigenwohl im Vordergrund steht. Wer das Stück aufmerksam rezipiert, führt sich vor Augen, dass das eigentlich in fast allen Lebensbereichen der Fall ist.

 

Das Stück fesselt einerseits durch die Schauspielkünste der Akteure und Akteurinnen, auch wenn Nikolaus Firmkranz, der den im Samenspenderlabor arbeitenden Forscher spielen soll, wegen einer schweren Knieverletzung nicht auf die Bühne treten kann, sondern seine Rolle sitzend spielen muss. Der Forscher wird von einer Schauspielkollegin gespielt, sie ahmt jedoch nur seine Gestik nach, den Text aber spricht er selbst.

 

Der Effekt dieses Zusammenspiels macht das Stück fast noch lustiger.  Aber auch die Texte verfehlen ihre Wirkung nicht und bringen die Zuschauer durch den deutlich hervortretenden Sarkasmus und zahlreichen Anspielungen zum Lachen. Gleichzeitig konfrontieren sie das Publikum mit den Schattenseiten des Lebens .

 

Das schlicht gehaltene Bühnenbild (Ausstattung: Caro Stark) wird nach Belieben zu einer Ordination, einem Club oder einem Labor (Sounddesign: Hermann Draxler, Video & Lichtdesign: Caro Stark), wo die „Wunschkinder“ durch den Forscher im Reagenzglas gezeugt werden.

 

Für jene, die der ungeschmückten Realität des Lebens für einen Abend auf lustige Art entgegentreten wollen, ist das Stück auf alle Fälle zu empfehlen, denn die Schauspieler sprechen in Wortspielen und Metaphern zahlreiche Facetten des Lebens an.

 

Die Kleinkunst Redakteurin Olivia Schabowski

 

 

KosmosTheater