09.02.2016  KosmosTheater: Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen

© Bettina Frenzel
© Bettina Frenzel

Dieses Stück könnte keinen besseren Premierentermin (Deutsche Erstaufführung) haben als Faschingdienstag, lebt Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen doch von Verkleidungen und Rollenwechseln. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern hat im KosmosTheater die ständigen Verwandlungen aufmerksam verfolgt.

 

 

7 Sichtweisen einer Geschichte – wieder einmal zeigt sich, dass die eigenen Wahrnehmungen mit der objektiven Realität keinesfalls übereinstimmen müssen… Ein Chamäleon ist nichts gegen Claudia Kottal, die von einer Rolle in die nächste switcht, das Publikum erlebt den „Umbau auf offener Bühne“ mit, der Tausch von Kostüm und Perücke erfolgt als Teil der Performance.

 

Unterstützt von einer Assistentin und einer „Ein-Mann-Band“ beginnt die Aufführung ziemlich unerwartet, zumal die Vorbereitungen wie das Ziehen von Kreidestrichen auf der Bühne oder das Einspielen der Musikinstrumente nach dem Einlass erfolgen und man sich fragt, ob diese Arbeiten bereits dazugehörten – was nicht der Fall ist. Der Start ist der Titelsong zum Stück, das damit mehr oder weniger fließend beginnt.

 

Die Geschichte dahinter? Die rothaarige Rhonda war mit Graham verheiratet, der von ihrer Nachbarin, der brünetten Linette, im Einkaufszentrum mit einer Blonden gesehen wurde. Als Rhonda Letztere zur Rede stellen wollte, nahm das Schicksal seinen Lauf. Oder so ähnlich. Oder ganz anders?

 

Zunächst erzählt Rhonda ihre Geschichte – eine 11½-jährige, eine nicht allzu glückliche Ehe, die mit dem für sie unerwarteten Auszug von Graham endet, dann dieser Vorfall mit der Blonden, von der ihr die brünette Nachbarin berichtet…

 

Ärztin Alex dagegen hat ein ganz anderes Problem: Ihre blonde Freundin Chrissie wurde mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen nach einer Attacke ins Spital eingeliefert. Sie erwähnt auch einen ihrer Patienten, der Antidepressiva braucht, nachdem er eine lange Ehe hinter sich hat.

 

Linette wiederum hatte nach ihrer Beobachtung mit der Gewissensfrage zu kämpfen, ob sie ihrer Nachbarin und Freundin Rhonda davon erzählen soll, was sie dann getan hat. Daraufhin fuhren sie ins Einkaufszentrum, und nachdem Linette die Blonde wiedererkannte, stürzte sich Rhonda auf sie, mit fatalen Folgen. Noch schlimmer: es war eine andere Blonde…

 

Zu Wort kommen weiters Graham selbst, Matthew, der Sohn von Alex und Chrissie, eine ältere Nachbarin und die blonde Russin Tanja, die Graham damals im Einkaufszentrum getroffen hat.

 

Die Umsetzung ist nicht aufwendig, aber umso amüsanter. Wie beiläufig bindet Claudia Kottal ihre Assistentin und den Musiker während des Kostümwechsels mit ein, obwohl keinerlei Konnex dieser Personen zum Stück besteht. Um auch für einen akustischen Hintergrund dieser Überbrückungszeiten zu sorgen, wird ab und zu gesungen. Diese Passagen klingen allerdings mehr nach einer Karaoke-Night.

 

Wer neben dem aufmerksamen Zuhören noch auf Kleinigkeiten und Details achtet, kommt voll auf seine Kosten. Ein Beispiel? Die alte Frau genehmigt sich während ihrer Ausführungen ein Bonbon. Nach ihrer „Verwandlung“ in die junge Tanja nimmt sie es aus dem Mund mit dem Kommentar „Das ist ja noch das Zuckerl von der Oma.“ Diese Art von Humor kommt beim Publikum sehr gut an, das – ganz der Location und der Zielgruppe des KosmosTheaters entsprechend – zu einem überwiegenden Teil aus Frauen besteht.

 

Es ist sehr spannend, die einzelnen Perspektiven zu hören und dann wie bei einem Mosaik zusammenzufügen. Claudia Kottal meistert die Herausforderung der Solovorstellung und der Rollenwechsel mit Bravour, die Darbietung ist sehr flott und kurzweilig. Man erhält am Schluss zwar keine vollständige Aufklärung und wird über manche Dinge im Dunkeln gelassen, aber das stört nicht weiter – schließlich kann sich jede/r eine eigene „wahre“ Geschichte daraus basteln – oder?

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

 

http://www.kosmostheater.at/