21.5.2016 Komödie am Kai: Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde

© Komödie am Kai
© Komödie am Kai

Der brasilianische Dramatiker Joao Bethencourt (1924 in Budapest geboren und 2006 in Rio de Janeiro gestorben) hat eine 1972 uraufgeführte Komödie über einen fiktiven Papst-Besuch in New York geschrieben, mit dem er zwei Ziele verfolgte: einerseits wollte er sein Publikum zum Lachen bringen und andererseits den Wunsch nach weltweitem Frieden thematisieren. Ob das in dieser Aufführung gelungen ist, hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern angesehen.

 

 

Der laue Frühsommerabend am Wiener Donaukanal passte sehr gut zu diesem Stück: leicht und unverbindlich beschäftigt sich Bethencourt hier mit dem ernsten Thema Weltfrieden – und zwar in einer Form, die keinerlei Realitätsbezug aufweist. Gerade das war aber sicher der Hauptgrund für den Erfolg dieser heute etwas angestaubt wirkenden Komödie, die in mehr als 40 Ländern aufgeführt wurde.

 

In den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts macht der fiktive Papst Albert IV., für den Johannes XXIII. unverkennbar Vorbild war und der mit seiner praktischen Humanität auch Ähnlichkeiten mit Franziskus I. aufweist, einen Besuch bei der UNO in New York. Warum er in dieser Inszenierung aber als Paul VI. bezeichnet wird, der sich ja weder durch besondere Humanität ausgezeichnet hat, noch optische Ähnlichkeiten mit dem Hauptdarsteller aufwies, bleibt unverständlich.

 

Jedenfalls will sich der Papst zunächst zwei Erholungstage in einem Kloster gönnen und verlässt deshalb sein New Yorker Hotel durch den Hinterausgang. Er nimmt sich ein Taxi, das der Jude Samuel Leibowitz lenkt. Der erkennt den Papst und entführt ihn kurzerhand in seine Wohnung. Da er schon einige verrückte Dinge angestellt hat, ist seine Familie zwar zunächst entsetzt, findet sich aber schon bald mit dieser vertrackten Situation zurecht.

 

Der freundliche Papst selbst beginnt schon sehr bald dieses ungewöhnliche Ambiente zu genießen und Leibowitz schickt eine verblüffende Forderung für die Freilassung seiner Geisel an Polizei und Medien: Er verlangt nicht mehr oder weniger als einen Tag absoluten Frieden auf der Welt. Nach einigem Hin und Her in komplizierten Verhandlungen wird von der UNO tatsächlich ein solcher Friedenstag ausverhandelt und auch tatsächlich realisiert.

 

Die Situation gewinnt in der Zwischenzeit allerdings an Brisanz als der Rabbi Julius Meyer, ein Onkel von Leibowitz, zu Besuch kommt, den Papst erkennt und seinen Aufenthalt wegen 20000 Dollar Prämie an die Polizei verrät. Die beginnt eine militärische Belagerung des Grundstücks von Leibowitz und der fanatische US-Kardinal O`Hara versucht den Papst zum Verlassen der Wohnung zu bringen.

 

Nach Ablauf des Friedenstags stimmt der Papst diesem Vorschlag zu, verhindert aber die Verhaftung von Sam Leibowitz, indem er erklärt, dass dieser ein alter Freund von ihm sei und er ihn nur anonym besucht hätte. Die Welt wird übrigens danach sofort wieder „normal“, was bedeutet, dass es mit dem Frieden wieder vorbei ist.

 

Der Wunsch nach Frieden ist zwar hier durch Bethencourt als eine (utopische) Möglichkeit aufgezeigt, doch von ihm selbst sofort wieder verworfen, denn die Welt ist ja leider ganz anders. Und weil das so ist, muss man sich eben mit Humor darüber retten.

 

Genau das versucht die Inszenierung von Katja Hauser mit diesem Stück, dass sich Hauptdarsteller Bruno Thost als Papst zu seinem 80. Geburtstag in dieser Gastspielaufführung gewünscht hat. Das Resultat ist eine Komödie, die wirklich aus einem anderen Jahrhundert kommt und interreligiöse Witzchen bietet, die in Zeiten des Islamismus und der explosiven Situation im Nahen Osten ein wenig befremden.

 

Dennoch: Das Publikum unterhielt sich blendend, einige Darsteller – neben Thost vor allem Rudi Larsen als Sam Leibowitz - bieten ansprechende Leistungen, die Inszenierung ist recht flott und wird durch passende Musik, Kostüme (Jenny Thost) und Bühnenbild (Siegbert Zivny) unterstützt. Wer eine leichte Komödie sucht, die mit der Realität nichts zu tun hat, ist in der Komödie am Kai gut aufgehoben.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

Komödie am Kai