28.01.2016 Komödie am Kai: Ballettratten

© Komödie am Kai
© Komödie am Kai

Ein großzügiges Testament, ein Foto mit Showgirls bei einer Revue vor vielen vielen Jahren und eine Serie von „unglücklichen Todesfällen“ ebendieser ehemaligen Tänzerinnen – das ist der Stoff, aus dem das Stück Ballettratten entstanden ist. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern hat in der Komödie am Kai herausgefunden, wie es zu diesen Vorfällen kam und wie es dann weitergeht ...

 

 

Der kleine Zuschauerraum in der Komödie am Kai platzte aus allen Nähten, Stammpublikum und Kolleg/innen des Ensembles freuten sich offensichtlich auf das Stück Ballettratten, was sich auch am begeisterten Auftrittsapplaus zeigte. Und das zu recht. Ein Abend mit charmanter Unterhaltung (selbst)ironischen Betrachtungen des Älterwerdens und dem einen oder anderen Seitenhieb auf Kirche und Religion.

 

Die Handlung ist einfach: Das ehemalige Revue-Girl Lottie (Dany Sigel) wird von einer Kollegin aufgesucht und mit der Tatsache konfrontiert, dass alle anderen damaligen „Ballettratten“, die gemeinsam auf dem Foto einer Show zu sehen sind, der Reihe nach umgekommen sind – und das auf (nur?) teilweise nicht natürliche Art. Die logische Folge: Sie sind die nächsten. Und tatsächlich: Beim Verlassen des Hauses hat die Kollegin einen tödlichen „Unfall“.

 

Damit bleibt nur mehr Lottie, die mit ihrer Haushälterin Bessie ein edles Anwesen bewohnt und sich nun ihres Lebens nicht mehr sicher sein kann. Die Lösung? Ein Mann muss ins Haus, und so engagiert sie Mr. Golightly, um sie zu beschützen. Doch leider passieren auch dann noch beunruhigende Dinge: Der Kanarienvogel liegt tot im Käfig und Bessie trinkt vergifteten Wein ...

 

Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten – man darf sich aber auf eine kurzweilige, immer wieder überraschende Wendungen nehmende Vorstellung freuen, die im letzten Teil auch mit einem gewissen Gruselfaktor aufwarten kann.

 

Man spürt, dass das kleine Ensemble Spaß am Spielen hat. Großartig ist Ulli Fessl als sehr konservative, katholische Haushälterin, die früher Garderobière und Assistentin bei den Revues war und Männer nur vom Hörensagen kennt. Sie geht in ihrer Rolle richtig auf.

 

Wortspiele, Situationskomik und die Liebe zum Detail bei der Inszeinierung sind wesentliche Erfolgsfaktoren des Stücks, das auf die Zielgruppe des angestammten Komödie am Kai-Publikums zugeschnitten ist. Wer also einen kurzweiligen Abend mit etwas Augenzwinkern, aber auch Melancholie zum Thema Älterwerden und einen Hauch Krimi erleben möchte, ist hier genau richtig.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

 

 

Komödie am Kai