29.4.2016  Gloria Theater: Othello darf nicht platzen

© www.kunst-kultur-events.at
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Ein umtriebiger italienischer Tenor, ein Assistent des Operndirektors, der selbst gerne Sänger wäre, ein Hotelpage, der ebenso hofft, entdeckt zu werden, zahlreiche Missverständnisse - das sind nur einige wenige Zutaten der Farce "Othello darf nicht platzen" von Ken Ludwig. Regisseur Robert Notsch hat das Stück im Gloria Theater grundsolide und mit einem ausgezeichneten, spielfreudigen Ensemble inszeniert und damit, neben dem Premierenpublikum, auch DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos begeistert.

 

 

Seit mittlerweile 15 Jahren hält Theaterprinzipal Gerald Pichowetz gemeinsam mit Stars der (Wiener) Theaterszene im Gloria Theater das (Floridsdorfer) Publikum ganz ausgezeichnet bei Laune. Für die aktuell laufende Produktion "Othello darf nicht platzen" ist ihm ein ganz besonderer Clou gelungen: Waltraud Haas beging bei der Premiere ihr 70-jähriges Bühnenjubiläum und das war wirklich ein Erlebnis!

 

Aber von Anfang an: Operndirektor Saunders ist es gelungen, den italienischen Star-Tenor Tito Merelli für eine Vorstellung von VerdisOthello“ zu verpflichten. Doch Tito kommt und kommt nicht. Derweil finden sich in der Hotelsuite schon Maggie, Saunders Tochter, und auch Julia, die Vorsitzende der Operngilde ein, um dem Star zu begegnen. Saunders Assistent Max ist schon ganz verzweifelt, als Tito endlich eintrifft. Doch ein Ehekrach, ein verdorbener Magen und die Opernsängerin Diana zerren weiterhin an Maxʼ Nervenkostüm. Die Verwicklungen werden immer absurder und sorgen so für Unterhaltung.

 

Das durchwegs ausgezeichnete Ensemble möge dem Schreiber dieser Zeilen verzeihen, dass die bezaubernde Waltraud Haas als Erste genannt wird – auch, wenn sie „nur“ in der Nebenrolle der Julia, auftritt. Ihr Auftritt hat dann doch noch einmal alles überstrahlt: Ihre nach wie vor unbändige Lust am Spielen, ihr Kokettieren mit dem wahrlich „unmöglichen“ Kostüm, das aber so im Stück steht (Kostümbildnerin Barbara Demuth hat für „den Vogel“ im 2. Teil ganze Arbeit geleistet und auch ihr Othello-Kostüm ist nicht ohne. Ansonsten sind ihre Kostüme perfekt auf die DarstellerInnen abgestimmt), sind einfach einmalig.

 

Aber auch alle anderen Darstellerinnen bestechen mit ihrer Leistung. Da ist Gerald Pichowetz, der mit viel Einsatz den italienischen Star-Tenor spielt, und gekonnt mit italienischem Akzent sowie italienischen Wörtern seinen Text spickt. Dabei unterstützt ihn perfekt Elisabeth Osterberger als seine Frau Maria, der man die wütende, betrogene italienische Ehefrau absolut abnimmt. Detlev Eckstein besticht als nervöser Max, aber kopiert dann die Titos Art absolut genau und manchmal ist man sich nicht ganz sicher, welchen Tito man nun vor sich stehen hat.

 

Lisa-Lena Tritscher ist als Maggie, die Tito nachsteigt, einmal gekonnt jugendlich unschuldig, dann verzweifelt und, wenn sie nervös sein soll, spricht sie in einem beachtlichen Tempo. Im Gegensatz dazu verführt Dorothea Parton, als Opernsängerin Diana, Tito mit viel Grandezza und ganz femme fatale. In dem ganzen Verführungsspiel und Chaos bewahrt auch Operndirektor Saunders (Ludwig Kaschke) nur selten einen klaren Kopf und vergreift sich immer wieder an den Deko-Weintrauben aus Plastik. Dass der Hotelpage Anthony (Tobias Nessweda) immer wieder einmal durchs Zimmer steppt und dabei singt, trägt nur wenig zu Saunders Beruhigung bei.

 

Das Bühnenbild von Robert Notsch, eine Hotelsuite mit unzähligen Türen, fasziniert mit viel Detailtreue. Besonders positiv aufgefallen ist, dass bei den Türen auch mitgedacht wurde und man dann z.B. wirklich in ein Badezimmer oder auf den Hotelgang sieht, wenn diese geöffnet werden. Das trägt viel zum Gesamterlebnis Theater bei.

 

Am Ende dieser vom Publikum umjubelten Premiere wurde in einem kleinen Festakt an Waltraud Haas der Große Goldene Rathausmann überreicht. Auf viele weitere unterhaltsame Produktionen im Gloria Theater und hoffentlich auch wieder mit Waltraud Haas!

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos

 

 

 

Gloria Theater