12.01.2016 Gloria Theater: Bei Tag und bei Nacht

© Gloria Theater
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Wer eine gut gemachte und hinreißend gespielte Boulevard-Komödie sehen will, ist derzeit im Gloria Theater perfekt aufgehoben – das denkt zumindest DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos. Und nicht nur er, sondern auch das anwesende Premierenpublikum. Gespielt wird dort aktuell das Stück Bei Tag und bei Nacht von Fritz Eckhardt, dem durch Regisseur Gerald Pichowetz viel Lokalkolorit verliehen wurde.

 

 

Im Gemeindebau da geht’s hoch her: Marie Luise Sedla/Mitzi Sedlacek (Angelika Zoidl) ist Souffleuse im Theater an der Josefstadt und seit sieben Jahren mit dem Nachtwächter Franz (Gerald Pichowetz) verheiratet. Der ist bei Nacht im Dienst im Shopping Center Nord und tagsüber schläft er. Kein Wunder, dass sie sich einen Mann für die einsamen Nächte sucht! Das Pikante daran ist allerdings, dass der fesche Robbie (Mathias Kahler-Polagnoli) die Nächte bei Marie verbringt sowie Direktor des SCN und somit Vorgesetzter von Franz ist. Es dauert nicht lange, bis sich die Wien Energie meldet, weil der Gasverbrauch so hoch ist. Der vorbeigeschickte Kontrollor (Christian Rovny) kommt die Therme dann öfters kontrollieren als notwendig. Kein Wunder, dass es da zu manch brenzligen Situationen kommt – aber zum Glück steht Mitzi die Nachbarin Erni (Maria Astl) immer wieder hilfreich zur Seite. Für manch zusätzliche Verwirrung sorgt dann auch noch ein etwas tollpatschiger Polizist (Robert Notsch).

 

Als Bühnenbild hat Robert Notsch eine kleine Garçonnière mit funktionierender (!) Küche, Klappbett und einem Nitsch-Bild an der Wand, das Mitzi von Robbie bekommen hat, auf die Bühne gestellt. Für die Auftritte gibt es eine Wohnungstür und auch eine Tür ins Badezimmer. Dieses kompakte Bühnenbild sorgt für allerhand Tempo im Ablauf des Geschehens.

 

Das komplette Ensemble ist perfekt besetzt und mit viel Freude am Spiel dabei. Hier wirkt nichts gekünstelt und vor allem die Aneignung der sprachlichen Idiome gelingt perfekt. Da ist einmal Angelika Zoidl, die als Mitzi/Marie Luise ständig zwischen Wienerisch und Hochdeutsch wechselt, wenn sie von Robbie ermahnt wird, schön zu sprechen. Denn Robbie kommt eindeutig aus dem deutschen Raum und versteht halt Wienerisch nicht so ganz – was auch zu Verwicklungen führt. Mathias Kahler-Polagnoli ist ganz der fesche Gentleman, dem nicht nur Mitzi schöne Augen macht. Sogar den Betrunkenen spielt er mit viel Stil. Gerald Pichowetz ist ein sehr bodenständiger „Nochtwochta“, der selbst in kessen Comic-Boxershorts Grandezza bewahrt. Besonderen Eindruck hat Maria Astl hinterlassen, die so richtig schön mit allen Klischees der Proletin aus dem Gemeindebau spielt. Das Ensemble komplettieren Robert Notsch als herrlich tollpatschiger und etwas langsamer Polizist, sowie der unterhaltsame Christian Rovny als Kontrollor der Wien Energie.

 

In den knapp zwei Stunden, die das Stück dauert, sind die Pointen durchaus gut gesetzt. Und mit diesem Ende hat man so nicht unbedingt gerechnet!

 

DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos

 

 

www.gloriatheater.at