28.09.2015 vienna theatre project: Marry Me a Little

© Ine Gundersveen / Thomas Schluet
© Ine Gundersveen / Thomas Schluet

In den Premierenreigen im September reiht sich auch das vienna theatre project mit der kleinen, aber sehr feinen Produktion der musical comedy „Marry Me a Little“ von Stephen Sondheim ein. Das Theater Drachengasse erweist sich als perfekter Ort und Jacqueline Braun (Sie) sowie Tim Hüning (Er) als ideale Besetzung. Nicht nur das Publikum, sondern auch DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos war am Ende begeistert!

 

„Marry Me a Little“ist eigentlich kein Musical im klassischen Sinne, sondern eine Abfolge von Sondheim-Songs aus unterschiedlichen Produktionen. Sie alle drehen sich um die Liebe, die Sehnsucht nach Geborgenheit, aber auch um die Angst, eine Bindung einzugehen, oder um die Frage, was denn wäre, wenn es wäre und wenn es wäre, wie es enden würde.

Es ist natürlich ein Wagnis, diese Songs unplugged, nur mit Klavierbegleitung zu bringen; dazu kommt, dass der ausgezeichnete Pianist Masaaki Saito mit dem Rücken zu den beiden sitzt und daher nur über einen Spiegel Blickkontakt hat. Aber sowohl Jacqueline Braun als auch Tim Hüning meistern diese Herausforderung absolut und überzeugen mit Verve sowie Spielfreude. Welch ein Erlebnis ist es, die beiden einmal aus absoluter Nähe agieren zu sehen und ohne Verstärkung singen zu hören – auch wenn es zu Beginn des Abends eine Spur zu leise war.

Mit viel Liebe zum Detail hat Regisseurin Joanna Godwin-Seidl diesen Abend inszeniert, unterstützt wurde sie auch durch das Bühnenbild von Richard Panzenböck. Er hat alles in blau und gelb eingefärbt, wobei gelb für sie und blau für ihn steht. So ergibt sich die spannende Konstellation, dass sich beide in der gleichen Wohnung befinden, und das Publikum selbst entscheiden muss, ob das Zusammentreffen gerade Realität oder Traum ist. Die Choreografie von Lorna Dawson überzeugt mit witzigen Einfällen, diversen Anspielungen und lässt auch schon mal die Treppe im Zuschauerraum zur Showtreppe werden.

Nach gut einer Stunde gab es vom anwesenden Premierenpublikum – darunter auch VBW-Intendant Christian Struppeck – viel wohlverdienten Applaus. Ein starkes Lebenszeichen, dass die Off-Theaterszene in  Wien durchaus mit den arrivierten Häusern mithalten kann!

DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos


Theater Drachengasse