24.9.2015 Theaterforum Schwechat: Direktor Serenelli und das Schaugeschäft

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Die Leiden und Freuden eines Vorstadttheater-Direktors und seines Ensembles im Jahre 1834  erlebte DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink bei der Premiere der Komödie „Direktor Serenelli  und das Schaugeschäft“ im Theaterforum Schwechat.  Das Ensemble rund um Olivier Lendl konnte mit einer  fulminanten Darbietung begeistern.

 

 

Johannes C. Hoflehner, Intendant des Theaterforum Schwechat, und Olivier Lendl haben sich gemeinsam diese Komödie ausgedacht und geschrieben, und gewähren dabei heitere, humorvolle, bisweilen auch kritische Einblicke in das Vorstadt-Theaterleben zur Zeit eines Nestroys und Raimunds. Es ist eine Geschichte, in der es um junges Liebesglück, um Revolutionsgedanken, adelige Arroganz, Erpressung, Zensur und fast unüberwindbare Bürokratie geht - am Ende wendet  sich in der temporeichen Komödie zum Glück dann wieder alles zum Guten.

 

Olivier Lendl ist die Rolle des Theaterdirektors Serenelli auf den Leib geschrieben. Er brilliert als liebenswert-quirliger, ein wenig hinterfotziger Theaterdirektor, der sogar daran denkt, die junge Schauspielerin Liebhartinger dem Grafen zu überlassen, um sein Theater zu halten. Für die Kunst soll jedes Opfer gebracht werden. Er changiert zwischen Verzweiflung, Verliebtheit, Verschlagenheit, Untertänigkeit – je nachdem, wem er begegnet. Heutzutage würde man sagen, er sei situationselastisch.  Man kann ihm aber nicht böse sein, denn trotz allem ist er ein Guter, liebt das Theater und das Theaterleben über alles und steht hinter seinem Ensemble.  Olivier  Lendl, auch als Kabarettist auf den Bühnen zu sehen, kann sein komödiantisches Talent voll ausleben und spielt den Theaterdirektor mit einer Energie, als gäbe es kein Morgen.

 

Die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler des Ensembles stehen ihm aber in nichts nach. Die Figuren, die sich die beiden Autoren Hoflehner und Lendl ersonnen haben, könnten nicht stimmiger sein. Die ältere, erfahrene und erfolgreiche und die junge, ambitionierte Schauspielerin, ein älterer Schauspieler, noch vom Ruhm aus früheren Tagen zehrend, der junge, rebellische Schauspieler – natürlich verliebt er sich in seine junge Schauspielkollegin – und zu guter Letzt der arrogante Graf. Spannungen, Missverständnisse, Verwirrungen, Liebe, Eifersucht sind vorprogrammiert, und das Publikum wird mitgenommen - und lässt sich auch gerne mitnehmen -  auf eine Hochschaubahn der Gefühle.  

 

Es ist ein Genuss, dem gesamten Ensemble zuzusehen, jede der Figuren ist großartig gespielt, sei es die naive, junge Liebhartinger (Conny Boes), die ältere, erfahrene Schauspielerin Körner (Anita Kolbert), der junge und ungestüme Schauspieler und Autor von Komödien (Thomas Wenk), der ältere Schauspieler, die gute Seele des Hauses (Bruno Reichert) und der arrogante Graf von Falkenberg (Klaus Haberl). Letzterer fasziniert in seinem Auftreten: in der Bewegung in seinen Goldschuhen mit Absatz tänzelnd, nasal in der Sprache, vornehm in der Haltung, arrogant in seinem Denken und Sein, , in der Entzückung immer ein Bein hebend. Ihm solle man die junge Schauspielerin zum Genusse zuführen. Er verwendet dabei mit einer Selbstverständlichkeit den Begriff: „Défloration aristocratique“, soviel zu seiner Arroganz – und er erpresst  den Theaterdirektor, seine Verwandtschaft sitze in wichtigen Positionen, Vergabe von Theaterlizenzen etwa, nichts, was nicht auch heutzutage bekannt wäre.

 

Und bei den Auflagen, die zu erfüllen sind, um überhaupt die Lizenz zu bekommen, stellt Direktor Serenelli die Frage: „Und wann soll ich da Theater machen?“ – Ähnlichkeiten und Parallelen zur heutigen Zeit und zum Theater Forum Schwechat sind an dieser Stelle nicht zufällig. Es ist eine Frage, die sich auch das Theaterforum Schwechat schon seit längerer Zeit stellt und diesbezüglich einen Kampf gegen Windmühlen zu führen scheint. Dass Intendant Hoflehner in dieser schwierigen Zeit unter den Umständen doch Zeit zum Schreiben und Theatermachen gefunden hat, kann man ihm und auch dem gesamten Team des Theaterforum Schwechat nicht hoch genug anrechnen!

 

Bei „Direktor Serenelli und das Schaugeschäft“ hat das Publikum viel zu lachen, intelligente Pointen, zur richtigen Zeit eingesetzt, es leidet mit, Herzschmerz und Gelüste, es bleibt gespannt, Mord oder Nichtmord?, es hofft mit dem Ensemble auf ein gutes Ende und wird belohnt. Schon lange nicht mehr eine so gute, großartig inszenierte und gespielte Komödie gesehen. So soll Theater sein! Chapeau!

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink


 

Theaterforum Schwechat