22.10.2015  Theater experiment: „Horchposten“ & „Kleider machen Leichen“

Das Theater experiment überrascht auch in der neuen Saison wieder mit seiner Stückauswahl, und das durchaus positiv. Diese Mal ist der österreichische Autor Herbert Berger (1932–1999) mit „Horchposten“ und „Kleider machen Leichen“ aus dem Zyklus „Böse Stücke“ an der Reihe. Vor allem „Horchposten“ aus den 1980er-Jahren ist auch heute noch aktuell und stimmt einen nachdenklich – zumindest DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos.

 

 

Das Zwei-Personen-Stück „Horchposten“ bildet den ersten Teil des Abend: Ein älteres Ehepaar verbringt den Tag damit, in Versandhauskatalogen zu blättern und die Nachbarn zu belauschen. Doch als neue Nachbarn einziehen, ändert sich so manches. Denn diese sind nicht zu verstehen, sie scheinen zu flüstern und das auch noch auf „ausländisch“. Und schon wird man mit allerlei Ängsten und Vorurteilen konfrontiert, die man auch heute noch von vielen Menschen leider hört. Berger hat hier ein sehr bitterböses Stück geschrieben und gerade nach den letzten Wahlergebnissen merkt man, dass sich in den letzten 30 Jahren nicht viel verändert hat. Die Bühne von Erwin Bail zeigt uns ein in die Jahre gekommenes Wohnzimmer. Bail spielt übrigens auch den Pensionisten Otto und das Zusammenspiel Gertraud Frey (Lucy, seine Frau) funktioniert perfekt.

 

Im Einakter „Kleider machen Leichen“ lässt sich Kurt von seiner Frau Monika überreden, den Platz der verstorbenen Ministerialratswitwe einzunehmen um die monatliche Pension, die noch vom Briefträger gebracht wird, zu kassieren. Hier überzeugt vor allem Herbert Eigner als Kurt, der sich perfekt in die betagte Witwe verwandelt. Rita Hatzmann neigt leider zum outrieren und wird dadurch unglaubwürdig. Lustig die Idee, wie das Fenster umgesetzt wurde, aus dem die Witwe mit den Nachbarinnen spricht.

 

Der kurzweilige Abend ist definitiv sehenswert und wurde mit viel Applaus belohnt!

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos

 

 

 

http://www.Theater-experiment.at