22.10.2015  Theater-Center-Forum: Liebelei

Das Theater-Center-Forum feiert heuer 60 Jahre Theatergemeinde und hat aus diesem Anlass als Jubiläumsproduktion ein Schnitzler-Stück auf den Spielplan gesetzt, und zwar „Liebelei“. In Kenntnis der Vorlieben des eigenen Publikums ging man auf Nummer sicher und entschied sich für einen Autor, der immer wieder ausverkaufte Vorstellungen garantiert. DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern wollte wissen, ob diese Rechnung aufgegangen ist und sah sich die neue Produktion an.

 

 

Mit den Stücken von Arthur Schnitzler ist das so eine Sache. Einerseits sind Probleme, die er darin behandelt, leider nach wie vor aktuell, andererseits wirken manche Inhalte etwas angegraut und nicht mehr zeitgemäß.

 

Der ausgebildete Mediziner Schnitzler hatte Ende des 19.Jahrhunderts zuerst als Assistenzarzt am Wiener Allgemeinen Krankenhaus gearbeitet und dann eine eigene Praxis eröffnet. Mit der Zeit widmete er sich aber immer intensiver seiner literarischen Arbeit und leistete dabei Bahnbrechendes, indem er Probleme behandelte, die zu dieser Zeit absolute Tabus waren. So kritisierte er den k.u.k.-Militärapparat, was dazu führte, dass ihm wegen seines Dramas „Leutnant Gustl“ sein Offiziersrang aberkannt wurde. Wegen des heiß diskutierten Dramas „Der Reigen“, in dem er die verlogene Sexualmoral der Gesellschaft anprangerte, wurde er sogar vor Gericht gestellt. Besonders eindrucksvoll stellt sich (leider) noch heute seine Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus in „Professor Bernhardi“ dar.

 

Nichts davon stand im Theater-Center-Forum am Spielplan, sondern die „Liebelei“, eines der ersten Stücke von Arthur Schnitzler, das 1895 in Wien uraufgeführt wurde. Auch hier stehen, wie bei allen seinen Arbeiten, die psychologischen Probleme der Figuren im Vordergrund. Leider kann man sich aber heute gerade in die hier behandelte Problematik nicht mehr wirklich hineinversetzen. Es geht im Prinzip um das Thema Liebe, das einerseits als ewiges Gefühl, und andererseits nur als angenehmer Zeitvertreib gesehen wird. Die Oberschicht-Freunde Fritz und Theodor lernen zwei Mädchen „aus der Vorstadt“, Christine und Mizi, kennen. Während Theodor und Mizi die gesellschaftlichen Konventionen akzeptieren und ihre oberflächliche Beziehung – und damit auch die Klassenunterschiede -  akzeptieren, verliebt sich Christine unsterblich in Fritz. Der hatte jedoch gleichzeitig ein Verhältnis zu einer verheirateten Frau, das auffliegt, worauf ihn der Ehemann zum Duell fordert und erschießt. Als Christine das erfährt, bricht für sie eine Welt zusammen, denn sie, die an die ewige Liebe zu ihrem Fritz glaubt, muss nun erfahren, dass er sich wegen einer anderen Frau erschießen ließ. Völlig gebrochen deutet sie ihren Selbstmord an.

 

Ganz abgesehen davon, dass Fritz immer wieder die Unverbindlichkeit dieser Beziehung betont hat, ist die gesamte gesellschaftliche Problematik heute nur mehr schwer nachvollziehbar und hat damit eigentlich vor allem museal-psychologische, aber sicher auch literatur-historische Bedeutung, weil „Liebelei“ ja der erste große Erfolg von Arthur Schnitzler war. Leider nimmt die Aufführung von Erich Martin Wolf darauf zu wenig Rücksicht und kommt zu bedeutungsschwer und vor allem im zweiten Teil auch etwas schleppend daher.

 

Die Schauspieler bemühen sich mit mehr oder minder Erfolg, die ganze Dramatik des Geschehens glaubhaft darzustellen. Sehr gut aus der Affäre zieht sich vor allem Stefan Wilde als Theodor, der überzeugend den oberflächlichen jungen Mann aus gutem Haus gibt. Auch Danijela Freitag als Mizi, Johannes Kaiser als Christines Vater und Ulli Fessl als bösartige Nachbarin entledigen sich ihrer Aufgaben mit Anstand. Beate Gramer als unglückliche Christine drückt etwas zu sehr auf die Tränendrüsen und ihr Partner Thomas Wenk als Fritz wirkt eher wie ein verschüchterter Mittelschüler. Die Faszination, die er auf Christine ausübt, ist damit nur schwer nachvollziehbar.

 

Insgesamt ist der Produktion sicher ernsthaftes Bemühen zu attestieren, wirklich berühren kann die Aufführung allerdings nicht.  Ein anderer Schnitzler wäre sicher interessanter gewesen.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

 

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