3.10.2015  TAG: Bluad, Roz und Wossa

© Anna Stöcher
© Anna Stöcher

Sehr frei nach Shakespeare handelt Bluad, Roz und Wossa von Liebe, Tod, Eifersucht und Intrige. Das grandiose Ensemble unter der Regie von Christian SuchyGeorg Schubert, Julia Schranz, Elisabeth Veit, Jens Claßen, Raphael Nicholas – zeigt 75 Minuten lang, was hinter der ländlich-idyllischen Maske stecken kann und begeistert damit das Publikum und DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink.

 

 

Idyllisches Landleben sieht anders aus. Von Beginn an merkt man, dass etwas nicht stimmt, man ahnt, etwas wird passieren. Ein Mann stellt sich mit einem Grablicht an den Rand der Bühne, in der nächsten Szene spricht der Pfarrer über die Flüssigkeit in einem kleinen Fläschchen in seiner Jackentasche – zu viel davon kann zum Gift werden und tödlich wirken. Man weiß jetzt, was kommen wird. Eine Figur nach der anderen hat ihren Auftritt, zu Beginn also der Onkel (Georg Schubert) von Julia, dann der Pfarrer (Jens Claßen), Julia (Elisabeth Veit), die Rosa (Julia Schranz), der Freund von Rosa (Raphael Nicholas). Das sind die fünf Protagonisten von „Bluad, Roz und Wossa“.

 

Das Grauen schleicht sich mit den Figuren mit herein, die Protagonisten erarbeiten sich ihre Charaktere über das Körperliche. Die Rosa mit ihrem männlichen Gang und den burschikosen Bewegungen, ihr Romeo in einer halb gebückter Haltung, der Onkel ein wenig tänzelnd und dümmlich lächelnd, der Pfarrer schleichend, Julia mit den großen Augen, über Gang, Gesichtsausdruck, Haltung erkennt man das Dumme und Naive, Perfide, Unglückliche, Zurückgebliebene.

 

Es ist eine langsame Inszenierung, die Momente der Stille zulässt (etwa wenn Julia mit ihren Handpuppen spielt), nichtsdestotrotz spürt man Unglück, Sehnsucht, Enge, herrschen Brutalität und Lieblosigkeit vor. Gesprochen wird nicht so viel, aber wenn, dann sprechen die Protagonisten in der neuen Arbeit von Christian Suchy Dialekt, da kann dann Steirisches (Onkel) auf Kölsch (Pfarrer) treffen. Viel mehr wird gesungen, Romeo hält sein Akkordeon fest, es wirkt so, als sei es ein Körperteil von ihm. Wenige Worte also, dicht ist es trotzdem ob der vielen Ereignisse, ob der Konstellationen und der Figuren. Das Ensemble überzeugt und begeistert dabei durch großartiges Schauspiel.

 

Das langsame Tempo täuscht Harmlosigkeit vor, die Brutalität bricht durch; sei es, weil sich die Julia und der Freund von Rosa ineinander verlieben und nicht wissen, dass sie Geschwister sind; sei es, weil die Rosa spürt, dass ihr Romeo, mit dem sie einen Sohn hat, sie nicht liebt; sei es, weil Romeo mit Julia und dem Kind weggehen will; sei es, weil die Rosa in ihrer Eifersucht das Fläschchen, das sie dem Pfarrer entwendet hat, der Julia gibt und sagt, es sei Baldrian … Landleben in all seinen Ausformungen und Grausamkeiten – Menschen eben. Diese Geschichte wirkt lange nach.

 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

 

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