21.10.2015 Spektakel: Movie Theater

Kein sichtbares Licht im Gebäude, der Haupteingang ist abgesperrt. Durch einen Nebeneingang schleicht sich DieKleinkunst-Redakteurin Magdalena Stockhammer zur öffentlichen Hauptprobe von Movie Theater ins Spektakel. Die Idee von Regisseur Danetto ist schnell erklärt: Bekannte Filmszenen auf die Theaterbühne bringen. Wie er und sein junges Ensemble das private Projekt umgesetzt haben und ob es sich lohnt, dieses Wochenende eine der drei Vorstellungen zu besuchen, lesen Sie hier.

 

Zuerst betritt der Pianist den dunklen Raum. Er beginnt zu spielen: Die Titelmelodie von Mission Impossible. In diesem Moment wird die Bühne beleuchtet und die sechs Schauspieler (Gloria Grabmayr, Manuel Hromadka, Diana Kashlan, Benedikt Uy, Sophie Kowar und Danetto) laufen durch den Zuschauerraum auf die Bühne, verbeugen sich nacheinander und gehen ab. Nur eine Schauspielerin bleibt im Licht stehen und beginnt einen Monolog in englischer Sprache. Ihre Kollegen tun es ihr gleich und sprechen einzeln über ernstzunehmende Themen wie leadership, truth und greed. Die nächste Szene wird auf Deutsch gespielt: „Sie versperren mir die Aussicht. - Oh Verzeihung! Welche Aussicht hätten Sie denn gerne? – Die, die Sie versperren!“ An diesem Punkt fangen die Zuschauer zu grübeln an. Natürlich, diesen Dialog kennt man, aber aus welchem Film stammt er?


Insgesamt werden rund 35 Filmszenen aufgeführt. Zwischen den Szenen gibt es keine Umbaupausen, Kostümwechsel oder Ankündigungen, oft nicht einmal ein Black. Die Szenenwechsel werden lediglich durch das Auf- und Abgehen der Schauspieler und teilweise durch die wechselnde Sprache markiert. Einerseits erschwert es diese kleine Unübersichtlichkeit ein bisschen in die Szenen einzutauchen, denn es fehlt einem die Vorgeschichte und sobald man in die Szene reinkommt und zu überlegen beginnt, um welchen Film es sich handelt, beginnt schon die nächste Szene. Andererseits vergrößert diese Art der Inszenierung das Rätselraten bzw. Filmeraten für die Zuschauer.


Der Flyer der Veranstaltung verspricht: „Gender and languages are no barriers for us!“ und dieses Versprechen wird auch eingehalten. Das Stück ist modern und unkonventionell inszeniert; so wird neben Deutsch und Englisch auch in Dialekt und diversen anderen Sprachen vorgetragen. Die Veranstaltung eignet sich folglich besonders für ein sprachenliebendes und weltoffenes Publikum. So sollte es einen nicht zu sehr verwundern, wenn die legendäre Flughafenszene aus Casablanca von zwei jungen Männern interpretiert wird. Im Hintergrund spielt der Pianist das dazugehörige Lied „As time goes by“.


Der Pianist Konstantin Leipus, ist professioneller Musiker und bereichert viele Szenen mit der originalen Filmmusik. Leider, ist die Livemusik an manchen Stellen etwas zu laut und übertönt die Stimmen der Schauspieler. Das junge Ensemble rund um Regisseur Danetto, der auch selbst als Schauspieler mitwirkt, ist entweder noch in der Ausbildung oder verdient bereits sein Geld mit der Schauspielerei. Sie überzeugen alle mit sprachlichem Talent, Emotionen und vor allem dem Spaß an dem Projekt, der während der Hauptprobe stets spürbar war.


Die Inszenierung ist vor allem einem cinephilen, weltoffenen, der englischen Sprache mächtigen Publikum zu empfehlen. Sowohl Klassiker, wie Charade oder Casablanca, als auch die Harry Potter- und Batman-Filme werden adaptiert und in einem neuen Licht auf der Theaterbühne präsentiert. Außerdem macht es Spaß, während der Vorführung zu rätseln und zu spekulieren, um welchen Film es sich gerade handelt. Sollte diese Art der Inszenierung beim Publikum gut ankommen, könnte das Projekt zu einem anderen Zeitpunkt fortgesetzt werden, Filme gibt es ja noch genug.



DieKleinkunst-Redakteurin Magdalena Stockhammer




Spektakel Wien