27.11.2015  Opening "clownin 2015"

© Heinz Wagner
© Heinz Wagner

Bereits zum 5. Mal findet Clownin - das größte internationale Clownfrauenfestival - im KosmosTheater statt, welches vom 27.11. - 5.12. dauert. Man kann wahrlich von "international" sprechen, denn aus Europa, Japan, Russland, der Türkei und Süd- und Nordamerika kommen die Stargäste! DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler erlebt an diesem Eröffnungstag einen Programmquerschnitt des Festivals, welcher bunt wie eine Blumenwiese wirkt und macht wirklich Lust auf mehr.

 

 

Zum Bersten voll ist das KosmosTheater am Eröffnungstag geffüllt, und im Publikum herrscht eine aufgekratzte Stimmung vor. Gegen diese Publikumseuphorie nutzen auch nicht die getragene Moderation durch Susanne Draxler oder die "mahnenden" Worte des Ehrengasts Ulrike Lunacek, welche daran erinnert, dass der frühere Vizepremier Bülent Arinc Frauen das laute Lachen in der Öffentlichkeit verbieten wollte (Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments verließ im Übrigen den unterhaltsamen Eröffnungtag bereits zur Pause. Bleibt zu hoffen, dass dies auf terminliche Verpflichtungen und nicht auf andere Gründe zurückzuführen ist).

 

Seit diesem Jahr darf sich das Clownfrauenfestival mit dem Qualitätssiegel EFFE - "European Festivals, Festivals for Europe" schmücken. Salopp formuliert, werden jene Veranstaltungen mit diesem Label ausgezeichnet, welche bei Besuchern solcher Veranstaltungen ein "Europa-Gefühl" bewirken und fördern. Clownin hat sich zum Ziel gesetzt das klischeehafte Image (Pausenfüller und Kindergeburtstage) des Clowns zu entstauben. Es will für Erwachsene ernste Anliegen auf komische Weise thematisieren.

 

Dass Erwachsenen-Clowninnen per se nicht lustig sind, wird mir an diesem Abend deutlich vor Augen geführt. Neben mir kann ich ein Kleinstkind mit offenen Augen und Mund beobachten, welches das Treiben auf der Bühne meist gar nicht lustig findet, Die Mutter musste ihrer Tochter immer wieder die Szenen erklären, bzw. das Kind beruhigen, dass es ja "nur" Spaß ist. (Die Sinnhaftigkeit, Kleinstkinder zu solchen Abendvorstellungen mitzunehmen, sei dahingestellt...) Offensichtlich muss man also erst als Mensch ein gewisses Normen- und Wertesystem internalisiert haben, um über Erwachsenen-Clwowninnen auf der Bühne lachen zu können, wenn diese die Welt auf den Kopf stellen.

 

Wie Lunacek in ihrer Eröffnungsrede meint, sei es gerade in Zeiten von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen wichtig lachen zu können, um Mut und Freude am Leben zu erhalten. Über dieses Thema - Humor in der Krise - findet am Mo. 30.11. ein Diskurs mit den Clowns ohne Grenzen Österreich und den Roten Nasen statt.

 

Musikalisch führt das Ein-Frau-Orchester Martha Labil durch den Abend. Mit allen möglichen und unmöglichen (Nasenflöten, Ziehharmonikaschuhen) Instrumenten leitet sie zum nächsten Auftritt über.

 

Die erste Kostprobe des Abends sehen wir von Shoshinz aus Japan. Mit einem blumenprächtigen Kostüm tritt sie schüchtern mit Schluckauf auf, führt aber dann zu Discobeats die wildesten Tänze auf. Sie erinnern an Suomo-Ringer und im nächsten Moment persifliert sie einen Cancan. Ihr Stück erzählt von "A Day in the Life of Miss Hiccup (Schluckauf)" und ist am Donnerstag zu sehen.

 

Es folgt das Duo Cia. Pelo Cano (Brasilien). Mit den harmlosesten Alltagsgegenständen vollführen sie auf der Bühne ihr Unwesen. An diesem Abend reicht ein Bogen gelbes Papier: Die Eine faltet einen Kranich aus dem Papier, die Andere betreibt diese Faltvorgänge mit ihrem Körper - Origami-Gymnastik sozusagen.

 

Anna de Lirium (Österreich) spielt mit Glöckerln auf einem Büglebrett zu einer Haydn-Symphonie. Sie beweist hierbei, dass gespielte Ungeschicklichkeit eine hohe Kunst ist. Wir werden sie am Donnerstag in Clown-In-Shorts, der langen Nacht der kurzen Clownerie, wieder sehen.

 

Hilary Chaplain (USA) titt als Julius Cäsar auf. In aufreizendem Kostüm, High Heels und klassisch antikem Umhang beginnt sie mit aller Ernsthaftigkeit den Monolog aus dem Shakespeare-Klassiker zu rezitieren. Ein Stöckelbruch bricht jedoch die Szene und diese endet in Slapstick mit Vollendung. Chaplain leitet übrigens den mehrtägigern Workshop Physical Comedy im Rahmen des Festivals.

 

Was dann die Australierin Maple Staplegun mit ihren Hula-Hoop-Reifen auf der Bühne aufführt, fällt wohl eher unter virtuoser Akrobatik - keine Ahnung wieviele Reifen sie am Ende am Körper bändigt, dabei noch Konfetti aus dem Dekolleté in die Luft streut und aus einem Teqilafläschchen trinkt. ClownInnen machen gerne Mist, für mich übrigens ein wesentliches Merkal der Clownerie, ist es doch eine willkommene Möglichkeit mit Tabus zu brechen...

 

Brenda Feuerle will dann "in drei Schritten" aus einem Goldenen Buch Fliegen lernen, um aus dem Himmel wieder "ache" (sie ist Vorarlbergerin) zu kommen. Warum das so ist, erfahren wir am Samstag in "Brenda Feuerle im Himmel".

 

Lily Curcio (Argentinien) zeigt, dass man auch als blade und krächzende Carmen als Sängerin auf der Bühne nicht nur bestehen kann, sondern auch das Publikum zu Lachstürmen hinreißen kann. Ihre Bühnenpartnerin Vanderleia Will (Brasilien), in altmodischem Outfit, steht ihr bezüglich Krächzerei um nichts nach. Falsch Singen will geübt sein! Mehr von den beiden ist in ihrem Stück "Spaghetti" am Freitag zu sehen und zu hören.

 

Claudia Cantone (Italien) geht es an diesem Abend um einiges ruhiger an. Zu dem Jazzstandard "Blue Moon" lässt sie einen in blaues Licht getünchten Wasserball über die Bühne schweben. In „L’Alloggio Segreto” (Das geheime Hinterzimmer) "erzählt" sie mit viel Poesie die Tagebücher der Anne Frank.

 

Mein persönliches Highlight des Abends ist Morro von dem kanadischen Duo Morro und Jasp.  Mit jeder Menge Ironie spielt sie ihre "Clownphobie". Sie intoniert mit Begleitung auf der Ukulele zur Melodie von Radioheads "Creep" äußerst melancholisch "But i'm a clown". Am Dienstag ist das Duo in der clownin-adaptierten Version von Steinbecks Wirtschaftskrisen-Novelle "Of Mice and Men" zu sehen.

 

Süper (Türkei) zeigt einen Auschnitt aus „İdeal Kadın“ (Die perfekte Frau). Mit Schmunzeln und Lachen scheitert sie daran ein perfektes stereotypes Frauenbild abzugeben, stattdessen darf ein Gast aus dem Publikum auf der Bühne Platz nehmen und diesem Ideal entsprechen.

 

Äußerst schrill ist dann das Auftreten des russischen Trios Klavy, welches sich an diesem Abend nur zu zweit auf der Bühne befindet, da es einen männlichen Gast aus dem Publikum auf die Bühne bittet. In ihrer Suche nach "Liebe" geht es mittels pinker Spielzeugpistole schon manchmal recht rau zur Sache. Am Dienstag ist die komplette Geschichte von "Klavy in Love" zu sehen.

 

Der Auftritt von Tris (Österreich) geht mehr ins Kabarettistische. Die drei Damen fortgeschrittenen Alters (Wohl gemerkt, als Bühnenfiguren) erzählen von ihren persönlichen Träumen und Krisen. Als gemeinsame Bewältigungnsstrategie zaubern sie aus den Handtäschchen Blockflöten und "rocken" darauf "Wild Thing". Die "Traumfrauen" sind mit ihrem Programm am Mittwoch zu bestaunen.

 

Wie dieser Schnuppertag von clownin 2015 zeigt sollte für jeden Geschmack die richtige Clownin im Programm dabei sein!

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler