01.10.2015 Metropol: Charley’s Tante

© www.wiener-metropol.at
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Wunderbar frech und frisch ist das neue Metropol-Musical „Charley’s Tante“ geworden. Vor allem Stefano Bernardin überzeugt in der Titelrolle, ist weder outrierend noch peinlich. Peter Hofbauer & Viktoria Schubert (Buch, frei nach Brandon Thomas) ist hier wirklich eine schmissige Neufassung gelungen, die das Publikum gut unterhält und zum Ende mit viel Applaus belohnt wurde – auch von DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos.


Wer das Wiener Metropol kennt, weiß, dass der Raum nicht so ideal ist, und doch gelingt es immer wieder, hier solide Inszenierungen auf die Beine zu stellen: dieses Mal nun die alte Komödie um Charley’s Tante. Hofbauer & Schubert haben die Geschichte in den Summer of 69 verlegt – es geht nicht mehr um die Heiratserlaubnis, sondern um die Erlaubnis, ins kalifornische Sommercamp fahren zu dürfen. Diese will der Dekan der Universität Oxford seinen beiden Nichten Betty und Betsy nämlich nicht geben. Da trifft es sich gut, dass per Telegramm Charley’s Tante angekündigt wird, die mit einer kleinen Spende die Erlaubnis erwirken soll. Doch die Tante kommt nicht, und so wird Babbs (Stefano Bernardin) überredet, sich als Tante auszugeben … Was dann passiert, muss man sich definitiv selber anschauen.

Es ist ein gut aufeinander eingespieltes Ensemble, dass hier Pointe auf Pointe folgen lässt. Allen voran natürlich Stefano Bernardin, der die Travestierolle mit großer Eleganz und Souveränität meistert. Stimmlich stechen vor allem Eva Maria Marold (Charley’s echte Tante Lucia Hammersmith) und Rene Velazquez-Diaz (Pedell) mit seiner Opernstimme hervor. Die Musik von Christian Deix, Tato Gomez und Sascha Peres nimmt manches Mal Anleihen bei bekannten Melodien, ist aber sonst durchaus für den Zweck passend, großartige Ohrwürmer fehlen allerdings.

Das Bühnenbild von Stephan Koch ist in seiner Einfachheit gut wandelbar und überrascht vor allem mit der britischen Flagge, die man erst erkennt, wenn das Licht angeht. Vicky Schubert weiß in ihrer Regie gut, die Pointen zu platzieren und setzt manches Mal auch auf den feinen, subtilen Humor. Bei der Premiere läuft dann vor allem der zweite Teil besser, das anfänglich etwas reserviert wirkende Publikum ist aufgetaut. Die perfekte Abendunterhaltung in diesen trüben Herbsttagen!

DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos

 

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