14.9.2016 Harald Pomper: Endspiel Demokratie

© Sylvia G.
© Sylvia G.

Der österreichische Liedermacher Harald Pomper hat zwar sein neues Programm “Endspiel Demokratie“ bereits Anfang der Jahres gestartet, es jetzt aber wieder in Wien präsentiert. Im Aera startet er „ein Programm, das mit Humor hinter die Kulissen der Macht blickt“. Die Kleinkunst-Redakteur Gerd Kern hat sich angesehen, wie scharf dieser Blick wirklich ist.

 

 

Harald Pomper hat, wie er selbst sagt, schon immer Musik gemacht, sich aber erst seit 2011 voll darauf konzentriert. Zwar ist er in einer Band als Rockmusiker gestartet, doch wurden ihm nach und nach die Inhalte immer wichtiger, bis er zuletzt allein mit seiner Gitarre auf der Bühne stand und zum Liedermacher mutierte. Neben unterhaltsamen Songs – es gibt von ihm auch zwei unterhaltende Programme („Endspiel“ und „Best of“) - schreibt er immer häufiger gesellschaftskritische Texte, die er jetzt in einem speziellen Programm am Vorabend des „Tages der Demokratie“ in Wien präsentierte.

 

Sein Ziel ist es zu zeigen „wie unsere Gesellschaft über den Tisch gezogen wird“. Dass dieses ziemlich vollmundige Versprechen gar nicht so einfach zu realisieren ist, zeigt dieser Abend. Vorausgeschickt werden muss allerdings, dass Pomper ein ehrliches Anliegen überzeugend verfolgt. Er zeigt, wie ungerecht die Welt ist und verzweifelt manchmal daran. Nicht zufällig hat eines seiner Lieder das Götzzitat als Titel, was seine Frustration überdeutlich zum Ausdruck bringt. Nur wie die meisten von uns kennt auch er keinen Ausweg. Er versucht vielmehr, Menschen die bereits seiner Ansicht sind, in ihrer Haltung zu bestärken und ihnen einen Funken Hoffnung zu geben. Ihm ist nämlich völlig klar, dass er mit seinen Konzerten kaum Andersdenkende erreicht. Sehr viel Hoffnung auf Veränderung vermittelt er zwar nicht, er will sich aber nie den Vorwurf machen lassen, zu bedrohlichen politischen Entwicklungen geschwiegen zu haben.

 

Nun zu den Schwierigkeiten. Lieder, wie er sie macht, sind besonders schwierig über die Rampe zu bringen, wenn sie nicht in Naivität versinken sollen. Diese Art der Agit-Prop-Songs in der Nachfolge von z.B. Franz Josef Degenhardt haben ja nicht die Absicht, objektiv zu sein, sondern wollen plakativ auf Mißstände hinweisen und vor allem zum Handeln auffordern. Das gelingt Pomper allerdings nicht ganz überzeugend und liegt weniger an seinen durchaus engagierten Liedtexten, als vielmehr an seinen verbindenden Worten.

 

Er erzählt über den United Fruit-Konzern in Lateinamerika und dessen Zusammenarbeit mit blutrünstigen Diktatoren, über die verhängnisvolle Rolle der USA im Nahen Osten und über die Skrupellosigkeit des kapitalistischen Systems im allgemeinen. Dabei entwickelt sich beim Zuhörer allerdings ein merkwürdiges Gefühl, denn einerseits hat Pomper mit seinen Analysen, die er mit eher einfachen Grafiken unterstützt, ja prinzipiell recht, aber andererseits wird auch klar, dass es so einfach nun auch wieder nicht ist. Pures Schwarz-Weiß wird der komplizierten Weltpolitik leider nicht gerecht.

 

Auch seine Versuche, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen, funktionieren nicht wirklich und passen auch nicht zu seinem generellen Anspruch – genau so wenig wie völlig unvermittelt ein altes Esther und Abi Ofarim-Lied zu singen.

 

Pomper, der musikalisch einiges drauf hat – und zwar sowohl stimmlich als auch auf der Gitarre – wäre also gut beraten, seine engagierten Lieder weiter zu forcieren, möglicherweise etwas differenzierter und damit überzeugender zu texten, denn hier liegen eindeutig seine Stärken und nicht in oberflächlichen politischen Analysen.

 

Diese Anmerkungen sind konstruktiv-kritisch gemeint, denn Pomper hat sicher sehr viel Potential und wird noch mehr von sich hören lassen. Wenn er Ende November wieder im Area auftritt, sollte man sich von meiner Einschätzung persönlich überzeugen.

 

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

 

 

 

www.haraldpomper.com