„Ein großer Spaß mit einer kleinen Träne im Augenwinkel“

© Gerd Kern
© Gerd Kern

Anmerkungen zur bevorstehenden Premiere der „Tankstelle der Verdammten“, der heurigen Sommerproduktion des Wiener Stadtsaals: Mit Gabi Rothmüller (Regie), Eva-Maria Marold, Nadja Maleh und Wilfried Scheutz hat DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern über dieses ziemlich ungewöhnliche, aber sehr interessante Stück gesprochen.

 

Der Wiener Stadtsaal ist bei der Auswahl des Sommertheaters heuer nicht wie bisher auf Nummer sicher à la „Watzmann“ gegangen und hat daher diesmal keinen Selbstläufer ausgewählt, sondern „Die Tankstelle der Verdammten“ von Georg Ringsgwandl. Letztlich erfolgte diese Auswahl durch Thomas Maurer, der auch für eine gelungene österreichische Adaptierung sorgte. Die fetzige Musik haben die Polka Punks beigesteuert, die übrigens auch als Schauspieler im Stück auftreten.

Jetzt gehen gerade die Proben zu Ende, was ein geeigneter Anlass ist, mit den wichtigsten Protagonisten über dieses ungewöhnliche Projekt zu sprechen. Sie sind sich allerdings nicht ganz einig, in welche Kategorie „Die Tankstelle“ einzuordnen ist: „Rock-Oper“ (Maleh), „Singspiel“ (Marold), „Rock-Musical“ (Wilfried) oder gar „lausige Operette“ (Rothmüller).

Die Bearbeitung, in die  übrigens Ringsgwandl in keiner Form eingebunden war, ist so gelungen, dass Gabi Rothmüller, die Regie führt, mit voller Überzeugung meint, dass die Tankstelle in dieser Form noch besser als das Original ist. Da das Stück aus den 90er-Jahren stammt, sei eine Überarbeitung notwendig geworden, um auch heute voll akzeptiert zu werden. Besonders in musikalischer Hinsicht sei hier wirklich sehr viel  gelungen. Die Besetzung habe eigentlich Stadtsaal-Chef Fritz Aumayr vorgenommen und sie selbst sei als letzte zum Team gestoßen. Das wäre normalerweise eine problematische Situation, aber sie habe sehr schnell gemerkt, dass sie es selbst nicht hätte besser machen können.

Bei dieser Bemerkung lächelt Wilfried zufrieden und meint, auch er sei  mit dieser Zusammensetzung mehr als zufrieden. Kurz zum Inhalt: Er spielt den Rocker Chuck, der mit seiner Freundin Angie (Nadja Maleh) bei seiner Mutter (Eva Maria Marold) lebt. Angie sieht in ihm einen kommenden Rock`n Roll-Star, als jedoch aus dem Star und dem Leben als Star nichts wird, nehmen die Dinge ihren komisch-tragischen Lauf. Mehr soll hier nicht verraten werden, aber eine Besprechung der Premiere wird  noch diese Woche erscheinen.

Für Wilfried ist das Stück zwar eigentlich eine Art Sittengemälde, vor allem aber auch ein großer Spaß mit rund 20 Songs, die überwiegend in Richtung Blues gehen und ihm deshalb besonders lägen. Er sei nämlich kein „Schönsänger“, sondern ein sogenannter „Blues Shouter“. Wenn man dann seine überzeugende musikalische Performance hört, kann man ihm nur Recht geben. Auf die Frage, wie viel von Wilfried in der Figur des Chuck stecke, meint er selbstironisch, dass er einen „alternden Rockstar spiele“, was durchaus zu ihm passe. Allerdings hasse er im Gegensatz zu Chuck Bier und sei außerdem ein überzeugter Nichtraucher.

Eva Maria Marold hebt den Umstand hervor, dass in dieser Inszenierung jeder mehr für den anderen mitdenken müsse als in üblichen Aufführungen. Bei ihr käme außerdem hinzu, dass sie einerseits die Mutter („eine echte Keife“) und andererseits eine Fee spiele, die die Handlungselemente verbinde, aber auch immer wieder weitertreibe.

Auch Nadja Maleh betont den Spaß, den sie mit der Rolle der Angie habe. Hier könne sie sich richtig austoben und das auch stimmlich. Dennoch meint sie, dass in dem Stück Situationen dargestellt werden, die allgemein gültige Konflikte und Schwierigkeiten aufzeigen und deshalb nach wie vor aktuell sind. Sie sei überzeugt, dass das Publikum sehr viel Freude haben werde.

Das unterstreicht auch Rothmüller nachdrücklich, denn sie ist fest davon überzeugt, dass die Besucher sehr viel zu lachen haben werden, aber da es gleichzeitig auch um ernsthafte Konflikte gescheiterter Existenzen gehe, wolle sie das Stück keineswegs verblödeln. Gescheitert, sei nicht ganz zutreffend, meint dazu Maleh, es gehe aus ihrer Sicht um Menschen, die verlieren, aber doch wieder aufstehen. Damit werde letztlich so etwas wie Hoffnung vermittelt.

Dieser Beurteilung stimmt auch Wilfried zu, denn bei allem Spaß sei in der Tankstelle auch sehr viel Traurigkeit und Subtilität enthalten und wenn man sich die Mühe mache hinter die etwas vulgäre Sprache zu blicken, dann könnte das Stück durchaus auch von Horvath sein, ohne aber jemals depressiv zu wirken.

All das zeigt, dass „Die Tankstelle der Verdammten“ besonders interessant werden dürfte und es sich vermutlich lohnt, nach Möglichkeit einen der Aufführungstermine wahrzunehmen. Gespielt wird im Stadtsaal nach der Premiere am 17. August drei Wochen lang jeweils von Donnerstag bis Sonntag.

Bleibt noch die Frage, was die Protagonisten machen werden, nachdem sie in der Wiener Mariahilferstraße „vollgetankt“ haben.

Gabi Rothmüller, die eigentlich vom bayerischen Kabarett kommt und dort auch schon preisgekrönt wurde, konzentriert sich derzeit auf den Bereich Regie (u. a. für Hosea Ratschiller) und spielt in München in ihrer eigenen Inszenierung des „nackten Wahnsinns“ mit, ihrer Aussage nach, die „lustigste Komödie der Welt“.

Nadja Maleh bereitet gerade ihr „Best of“ vor, das am 27. September in der Kulisse Premiere haben wird -  über die wir selbstverständlich auch auf www.diekleinkunst.com berichten werden.

Eva Maria Marold ist mit ihrem Chansonprogramm „Von mir möcht` ich singen“ unterwegs. Diese Lieder, die Werner Schneyder - sehr persönlich auf sie abgestimmt - geschrieben hat, haben wir übrigens bereits besprochen.

Und schließlich ist Wilfried so vielseitig wie eh und je unterwegs. Gemeinsam mit seinem Sohn  (sehr erfolgreich in der Gruppe „5/8erl in Ehren“) arbeitet er an einer CD, stellt gerade sein zweites Buch fertig, gibt Konzerte und ist intensiv im Preßbaumer Kulturverein tätig, wo zahlreiche interessante Veranstaltungen über die Bühne gehen.

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

zur Premierenkritik

www.stadtsaal.com