21.01.2015 Vogl und Walter: Heil!Therapie

(c)MS-Kabarett Niedermair
(c)MS-Kabarett Niedermair

Der Einstieg gelingt vor hörbar erwartungsvollem und gut gelauntem Publikum durchaus überzeugend. Die beiden Kabarettisten haben sich nämlich nichts Geringeres vorgenommen, als den Weltfrieden herzustellen. Sie hätten jetzt lange genug zugeschaut, aber es ändere sich eigentlich nichts Substanzielles. Die einschlägigen Institutionen wie UNO usw. seien zwar sehr bemüht, brächten aber nichts weiter. Um aber ein zielführendes Konzept erarbeiten zu können, das auch heute anwendbar sei, hätten sie zwei weltbekannte Figuren benützen müssen, deren Zusammentreffen die Weltgeschichte verändern hätte können. Deshalb wurden Sigmund Freud und Adolf Hitler gewählt.

Die erste Frage des Therapeuten gilt nicht dem Grund des Kommens, sondern ob Hitler eine Rechnung brauche. Seine Antwort: „Nein, denn das Finanzamt gehört ja mir.“ Auf die Frage „Wohnhaft?“ im Rahmen der Erstellung des Patientenbogens antwortet er: „Nein, ich darf auch in den Garten“. Als Grund für sein Kommen gibt Hitler eine „Frühlingsdepression“ an. Im Herbst hätte er solche Probleme nicht, den liebe er sogar, denn da beginne ja alles zu sterben.

Aber auch andere Neurosen wie der Ödipus-Komplex, Penisneid oder das Thema Traumdeutung werden, wenn auch sehr oberflächlich, abgehandelt. Beim Sisyphos-Komplex wird z.B. vermutet, dass es sich um die Fixierung auf Füße von Kaiserinnen dreht. Und das zeigt schon, in welche Richtung sich das Programm in der Folge entwickelt.

Nach einem durchaus vielversprechenden Beginn bestimmen in der Folge Kalauer und die etwas ermüdenden, weil maßlos übertriebenen, Sprachmuster der beiden Protagonisten das Programm. Auch der rote Faden, der die psychischen Probleme Hitlers erklären soll, nämlich das Gleichnis von „den beiden Schiffen, die sich in der Bucht von Kasuagua treffen“, von denen eines sinkt und das andere den jeweiligen psychischen Komplex repräsentiert, wird am Schluss wenig überzeugend aufgelöst.

Recht interessant ist dann die „Familienaufstellung“, in der Vater und Mutter Hitler sowie sein „Freund“ Stauffenberg und seine Partnerin Eva Braun vertreten sind. Aber auch hier wird die Chance vertan, sich mit diesen Möglichkeiten intensiver und vor allem auf einem höheren Niveau auseinanderzusetzen.

Insgesamt kann man sich bei „Heil!Therapie“ zwar anspruchslos unterhalten, die Möglichkeiten, die dieses zweifellos interessante und ungewöhnliche Thema geboten hätte und die ich auch erwartet habe, wurden aber leider nicht genutzt. Dennoch, und das darf nicht unerwähnt bleiben, gab  es viel Applaus. Ganz offensichtlich kann man also über die „Heil!Therapie“ und ihren Erfolg sehr unterschiedlicher Meinung sein.

Das Programm läuft noch bis Anfang Juni vor allem im Kabarett Niedermair, aber auch in der Kulisse und im Casanova.

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

www.niedermair.at

www.gagster.at