8.1.2015 TheaterCenter Forum: Klinik unter Almen

(c) TheaterCenter Forum
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Das Stück „Klinik unter Almen“ spielt in einer noblen Schönheitsklinik, die sehr erfolgreich vom plastischen Chirurgen Dr. Gerald Schrack und seiner Frau geführt wird. Ein Karrierepaar wie aus dem Bilderbuch: viel Geld, viel Arbeit, ein 300m²-Penthouse, wenig Zeit für einander und der Kinderwunsch der Frau bleibt ungehört.

Als der Sportarzt der Klinik überraschend kündigt, um Karriere in L.A. zu machen, muss schnell Ersatz her. Mangels möglicher Alternativen fällt die Wahl auf Dr. Clemens Raich (verkörpert von Marcus Strahl). Er war Studienkollege von Dr. Schrack, hat sich aber in eine ganz andere Richtung entwickelt: Der soziale Gedanke steht bei seiner Tätigkeit im Vordergrund, Heilung ist wichtiger als das Geschäft und die Behandlungsmethoden sind alles andere als klassisch schulmedizinisch. Konflikte scheinen also vorprogrammiert.

Und tatsächlich prallen zwei Welten aufeinander, als Dr. Raich und seine Familie – Frau und zwei Kinder – eintreffen. Sie leben zu viert auf 80m², aufgrund der Kinder im ständigen Chaos und immer am finanziellen Limit. Kein Wunder also, dass hier konträre Weltanschauungen an die Oberfläche kommen. Allerdings nicht nur das – im Lauf der Zeit wird deutlich, dass insbesondere die beiden Frauen das Leben der jeweils anderen herbeisehnen. Frau Schrack möchte Kinder, weniger arbeiten und mehr Zeit mit ihrem Mann während sich Frau Raich nach geregelten Finanzen und dem kleinen bisschen Luxus sehnt. Auch die Männer nähern sich einander wieder an und die alte Freundschaft beginnt wieder zu leben.

Allmählich entwickelt sich eine perfide Idee: Da Dr. Schrack unfruchtbar ist, schlägt er Dr. Raich den Deal vor, für € 300.000,- seine Frau zu schwängern, die gleichzeitig denselben Vorschlag Frau Raich unterbreitet. Das führt natürlich zu Irritationen, Überlegungen, Diskussionen... Ein unmoralischen Angebot, das angesichts der Situation letztlich allen helfen würde. Oder doch nicht? Es wäre keine Komödie, wenn hier alles nach Plan verliefe. Der weitere Verlauf und das Ende werden an dieser Stelle natürlich nicht verraten, nur so viel: Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Die Inszenierung ist fröhlich und kurzweilig, die pointierten Dialoge bringen das Publikum zum Lachen, in der Folge allerdings auch zum Nachdenken, da die unterschiedlichen medizinischen Standpunkte ja überaus realistisch und kontroversiell sind. Wieviel Geschäft und Profitdenken dürfen die Medizin antreiben? Sind kosmetische Operationen noch unter das Kapitel „Heilung“ einzuordnen oder moralisch verwerflich? Hat Homöopathie doch mehr Potenzial als häufig angenommen? Und vor allem: Wer entscheidet das alles? Ganz nach der Aussage von Dr. Raich: „Das Motto aller Schurken ist: Wenn ich es nicht mache, macht es ein Anderer!“   

Aber unabhängig davon, welcher Ansicht die Zuschauer/innen auch waren: Ein heiterer Abend und ein flottes Stück, dargeboten von vier Schauspieler/innen, die sichtlich Spaß daran hatten. Die Begeisterung des Publikums über das Stück war ungeteilt, der Applaus frenetisch und die Premiere in jeder Hinsicht gelungen!

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

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