6.1.2015 Rudi Schöller – Auftrieb

(c) MS- Kabarett Niedermair
(c) MS- Kabarett Niedermair

Es begab sich, dass ein Kabarettist aus Oberösterreich dem Ruf der Berge  und des ORF folgte und sich aufmachte in luftige Höhen, wo die Luft so frisch, das Licht so besonders, die Wiesen so grün und die Berge so schön – auch wenn letztere so seltsame Namen wie Somat, Mon Chéri oder Novomatic tragen – die Sponsoren lassen grüßen. Es begab sich auch, dass jener Kabarettist an einer Castingshow in einer Hütte in den Bergen teilnahm und auf ein Sammelsurium an weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern  traf.

Ein wenig Auszeit, Entschleunigung tut gut, weg von Smartphone und Internet, nur umgeben von Natur und Ruhe, absolvieren acht Kandidatinnen und Kandidaten einen Auftritt pro Woche, und die Gespräche, die sie führen, werden zusammengeschnitten und gesendet. Man könnte meinen, das ist ja jetzt nicht so originell, vor allem das Thema Castingshow für ein Kabarettprogramm ist schon ausgereizt, doch genau dieses Konzept ermöglicht es Rudi Schöller, mit Hilfe der ausgewählten Figuren ein – wie er sagt – Stimmungsbild einer Generation zu vermitteln, und das gelingt ihm wirklich gut durch die Auswahl der Figuren: ein Model aus Kärnten, eine Poetry Slammerin aus Bielefeld, nun wohnhaft in St. Pölten – weil sie immer schon wissen wollte, wie es ist, in einer Diktatur zu leben, einem Rapper mit Migrationshintergrund aus Meidling, eine sehr arbeitssame und im Burgenland wohnhafte Chinesin namens Jasmin, Schlagersängerin Danielle, die an Wiedergeburt  glaubt und schon mit Walther von der Vogelweide, dem alten Charmeur, unterwegs war, der Comedian Werner aus Tirol, der  Zauberer Magic Manfred aus der Schweiz mit seiner Burn-Out-Show und der unbedarften Singer-Songwriter Burton aus der Steiermark.

Unterschiedlichste Charaktere mit unterschiedlichstem Background treten bei „Auftrieb“ auf. Rudi Schöller schafft es, ihnen die richtige Sprache zu geben und sie dadurch und auch durch ihre Ansichten, die sie zum Besten geben, zu glaubhaften Personen zu machen. Da sind schon sagenhafte Bomonts dabei wie Wenn dich Geld nicht glücklich macht, dann gibst du es einfach nur falsch aus, oder wer braucht denn Liebe, solange man Dinge mit Käse überbacken kann. Gelungen sind alle Figuren, manche tun sich jedoch mehr als andere hervor, wie etwa der Meidlinger Rapper, das Kärntner Model oder die Poetry Slammerin Kerstin.

Rudi Schöller lässt sie über Lebensthemen philosophieren – was macht uns glücklich? Geld? Was bedeuten Geld und Erfolg? Was ist Heimat? Die Kandidatinnen und Kandidaten sprechen über Liebe, Partnersuche im Internet, Privatsphäre und Überwachung, moderne Kommunikationsmöglichkeiten, Technologisierung. Immer wieder überrascht Rudi Schöller mit wunderbaren Einfällen, z. B. anlässlich der Diskussion über den Text der Bundeshymne. Ein Update der Bundeshymne wird gefordert, die Idee dazu: der erfolgreichste österreichische Popsong (Rock me Amadeus) mit modernisiertem Text, dann hört sich das schon ganz anders an: „… man hat auch schon Töchter mit einem Bart gesehen, topmodernes, supercooles Österreich“. Auch führt er die Diskussion über Migration und Rassismus ad absurdum, (rassistisch ist, dass es noch keine Heftpflaster in der Hautfarbe von Schwarzafrikanern gibt …)

Die Auftritte der Kandidatinnen und Kandidaten bieten viele Gelegenheiten zu dem, was Rudi Schöller so gut kann: Lieder mit großartigen, humorvollen Texten zu singen. Wenn Schlagersängerin Danielle singt, dann natürlich über die Liebe – Wenn du ein Ritter bist, dann bin ich die Lanze… -, und sogar eine wunderbar köstliche Parodie von Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Jan Delay gibt es zu hören, und sogar ein Rap über eine Kuh ist dabei - mit dem Refrain: Muh, muh, muh – zum Zerkugeln, es funktioniert großartig und das Publikum klatscht und singt mit. Rudi Schöller geht immer wieder auf Reaktionen des Publikums ein und sorgt auch dadurch für witzige Momente.

In seinem neuen Programm "Auftrieb" erweist sich Rudi Schöller wieder einmal als guter Menschenbeobachter, er kann Geschichten erzählen und nimmt das Publikum in das Schöller’sche Universum mit, in dem es Schrulliges, Kritisches, Witziges,Komisches, Pointiertes zu erleben gibt. Gäbe es einen Kabaretthimmel, dann würde der Rudi-Schöller-Stern mit „Auftrieb“ ganz intensiv und hell leuchten. Es ist ein Programm, das nicht nur unterhält, sondern auch berührt und nachdenklich stimmt. Schräg, witzig, intelligent!

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

Webseite von Rudi Schöller

Zum Gespräch mit Rudi Schöller

 

nächsten Termine:

13.1., 20.1. und 27.1.2015 19:30 Uhr Kabarett Niedermair