3.3.2015 Martin Kosch: Wann ist ein Mann kein Mann

Es gibt Kabarettisten, die kommen auf die Bühne und nach wenigen Worten ist klar, dem „frisst das Publikum aus der Hand“. Martin Koschgehört eindeutig zu diesen. Er hat eine unnachahmlich sympathische und natürliche Art, mit dem Publikum „umzugehen“. Der lockere Zugang zu seinem Metier kommt aber nicht von ungefähr, denn er ist sich schon dessen bewusst, dass der erste Publikumseindruck bereits fürs ganze Programm entscheidend sein kann. Um sein Programm zielgruppenorientiert gestalten zu können, verschafft er sich einen Überblick über die Geschlechteraufteilung im Publikum indem die Geschlechtergruppen getrennt charakteristische „Herdenrufe“ von sich geben dürfen.

 

Die Frage, welche Kosch an diesem Abend (dem Publikum) stellt, ist keine unwesentliche, ist doch die Männerwelt heutzutage verunsichert, wie sie denn zu sein hat. Um der Unmännlichkeit auf den Grund zu gehen, befragt er den „Kleinen Mann“ von der Straße, wann ein Mann kein Mann sei. Kosch zeigt in diesen Interviews einmal mehr, welch begnadeter Stimmen- und Dialektparodist er ist. Er liebt es in diesen Dialogen, mit den Klischees bezüglich des Männlichkeitswahns zu spielen. Der proletoide Fliesenleger aus Favoriten z.B, meint, dass keine Tätowierungen („Panta rhei – alles Fliese“) unmännlich wären. Kosch entdeckt in diesen Gesprächen sein Talent als Kosch-Coach, indem er den Interviewpartnern geniale Tipps zur Überwindung der verletzten Männlichkeit gibt.

 

In weiterer Folge beschreibt er die Lebensphasen des Menschen als eine kontinuierliche Abfolge von Coaching-Situationen – eine originelle Idee. Seitenhiebe auf Coaching-Bücher („Coaching für Dummies“) dürfen da nicht fehlen. So ein Lebenscoach habe eigentlich ein lockeres Leben. Metaphorisch betrachtet sei er wie ein Boxtrainer, der in Sicherheit außerhalb des Rings des Lebens stehe, der Klient aber innerhalb des Rings kassiere die Watschen (des Lebens). Die Gewerbeschein-Prüfung zum Coach absolviert er in Kärnten. Erstens, weil es dort billiger ist, zweitens weil es für ihn, als Steirer, eine willkommene Möglichkeit ist, einen einfältigen Kärntner Prüfer zu spielen. Im wahrsten Sinn des Wortes zaubert Koschbei der Prüfung einen überdimensionalen Bleistift aus einer Tasche. Koschliebt es in seinem Programm, immer wieder wohl dosierte Mengen Lebensweisheiten einzuflechten, um sie aber im nächsten Moment ins Absurde zu verkehren. So beantwortet er eine Prüfungsfrage mit der Weisheit: „Ein Tag, wo ich herzhaft laut loslache, ist ein gewonnener Tag“. Sein skurriler Nachsatz: Außer man arbeitet in einem Bestattungsunternehmen.

 

Immer wieder gibt es aber auch nachdenkliche Sequenzen in seinem neuen Programm. Bei all der Coacherei sei auch Selbstfindung angesagt: „Lebe ich, oder werde ich von anderen Menschen gelebt?“, das sind schon wirklich erkenntnistheoretische Fragen. In Zeiten wie diesen begebe man sich aber nicht einmal auf den Jakobsweg, um sich selbst zu finden, sondern befrage lieber Google. Als wesentlichen Aspekt des Männlichkeitswahns erkennt Koschdie Abhängigkeit von neuen Technologien. Diese könnten im Falle der Nomophobie fatal enden, nämlich sich Aufhängen, um endlich wieder „Online“ zu sein. Oder Unterwasser-MP3-Player, die mit Kosch-Programmen zum Ertrinken durch Lachen führen könnten.

 

Zum großen Showdown kommt es schließlich bei einem Coaching-Treffen in einem Seminarhotel. Zuerst verschlägt es ihn in ein Zimmer zur Aggressionstherapie, in welcher er verlustbringend ein „Bleima ruhig“-T-Shirt ersteht (Im Übrigen auch im „echten“ Leben nach dem Programm bei ihm zu erwerben!). Im Seminarraum bei der Podiumsdiskussion „Wann ist ein Mann kein Mann?“ beweist Kosch nochmals sein ganzes Potential als Parodist unterschiedlichster Dialekte und Figuren. Piefke, Bayer, Sachse, Oststeirer bedienen in der hitzigen Debatte mit einem Potpourri an Schmähs sämtliche Klischees der (Nicht)Männlichkeitsdiskussion. Die einzige Frau in der Diskussionsrunde verlangt gar nach dem Fliegenpracker, damit sie die Klischees „daschlogn“ kann.

 

Maritn Kosch überzeugt an diesem Abend auf allen Linien. Mit der Frage „Wann ist ein Mann kein Mann“ hat er ein Thema gewählt, welches am Puls der Zeit liegt. In seiner unvergleichlichen Mischung aus flottem Kabarett und erstaunlichen Zauberkünsten versucht er auf äußerst humorvolle und pointierte Weise diese Frage zu beantworten und kommt zu einem besinnlichen Schluss, den ich hier natürlich nicht verraten will. Er hält den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht, indem er die Männlichkeits-Frage zusätzlich in eine aufregende Geschichte verpackt. Nicht nur das pointierte Erzählen, sondern sein Figurenspiel mit zahlreichen Dialektparodien zählt zu Koschsganz großen Stärken.

Um Martin Kosch im O-Ton zu zitieren: „Wann ist ein Mann kein Mann“ ist eben kein „intellektueller Fastfood-Abend“, im Gegenteil, ich muss ihm danken, denn ich halte es wie Kosch, der zum Abschluss meint: „Lachen ist meine Nahrung“ und ich hab „scho lang ned so guad gess’n“ wie an diesem Abend.

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

Kabarett Niedermair

Martin Kosch