24.3.2015 Markus Linder: Tasta-Tour

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In Westösterreich, Süddeutschland und der Schweiz ist Markus Linder als Musikkabarettist ein Begriff. Zugegeben, in Ostösterreich ist er eher ein unbeschriebenes Blatt. Dabei ist ihm diese Kunstform praktisch in die Wiege gelegt, da bereits seine Eltern im Kabarett-Ensemble „Wühlmäuse“ tätig waren. Ursprünglich wollte der gebürtige Rankweiler Lehrer (Erfolgreiches Studium Deutsch/Latein/Geschichte) werden. Doch als er keine Anstellung als Lehrer fand, machte er 1989 sein passioniertes Hobby Musik (immerhin Ö3-Präsenz mit der Gruppe Tintenfisch) zum Beruf und spielte u. a. mit Jazz-Gitti.

Seine große Leidenschaft gilt aber dem Blues, wobei er heute abgeklärt meint, dass man diesen (Markus Linder Blues Band) in Österreich nur „ehrenamtlich“ spielen könne. 1994 führt mit MO & Der Kleine Prinz (mit Günter Mokesch) der künstlerische Weg Richtung Musik-Comedy. 1997 war schließlich die Zeit reif für das erste Solo-Kabarett-Programm „Lebenslang“. Mit „Tasta-Tour“ liefert er nun sein bereits achtes Programm ab.

Markus Linderweiß als erfahrener Entertainer, wie man das Publikum für sich gewinnt: Man zeigt sich ortskundig. Daher beginnt er den Abend mit dem „Vienna Boogie“ in welchem er diverse Wiener Bezirke verdichtet. Linders Art des Kabaretts ist durchaus mit dem Klavierstil eines guten Boogies beschreibbar: Tempo, Leichtigkeit, Humor und Eleganz. Und sollte das beim Publikum nicht ankommen, dann hat er zur Sicherheit einen Applaus-o-maten auf der Bühne. Aber keine Angst, an diesem Abend hat er ihn bei Gott nicht notwendig, denn das Publikum nimmt bereitwillig teil an seiner Reise um die Welt, auf der Spur von Liedern und der Suche nach dem Ursprung der Musik.

Linder liebt Wortspiele und das freie Assoziieren: Seine musikalische Tour führt „in das Land, für welches man zahlt, obwohl man dort nicht auf Urlaub ist (Griechenland)“ oder das Land, „welches so eng ist, dass immer die Hälfte der Bevölkerung auf Reisen sein muss“ (Japan). Die chinesisch-vorarlbergerischen Beziehungen seien in gemeinsamen Sprachwurzeln begründet, wie der Name des Parteichef „Xi“ und das „Gsi“ (gewesen) beweisen. In Linders kreativer Phantasiewelt sind der Musikgeschichte keine Grenzen gesetzt: Da werden nomadisierende „Umdadaren“ in Europa sesshaft und gründen Stadeln.

Natürlich darf bei Linders Musikunterricht der anderen Art ein Besuch in Mississippi nicht fehlen, um uns den Blues näher zu bringen. Er singt mit tief schwarzer öliger Stimme und erklärt uns, dass es in den Blues-Songs generell um „schuldlos“ verlassene Männer ginge. Im nächsten Moment widmet sich Markus Linder selbst ein Lied und schafft es, aufgrund seines Elans und alemannischen Charmes, das weibliche Publikum zum zärtlichen Singen seines Vornamens zu animieren. Mit seinem virtuosen Klavierspiel in den unterschiedlichsten Musikstilen beweist er sich wohl selbst, was er in einem seiner Lieder behauptet „Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen“.

Einerseits ist es für Linder ein Leichtes, sich über die textlichen Untiefen der Schlagermusik herzumachen, andererseits muss man sich fremdschämen, dass ein Großteil des Publikums so manchen Text kennt und herzhaft mitsingt. Linder zeigt uns aber durch Überhöhung, dass auch bei so genannten Meilensteinen der Pop- und Rockmusik der Text im Prinzip sekundär ist, und die nonverbal-vokalen La-La-Refrains eigentlich den hohen Wiedererkennungswert der Songs ausmachen.

Natürlich darf Linders Paradefigur des brachialen Tirolers, der Soachala, nicht fehlen. Dieser verjagt ihn von den Pisten der Axamer Lizum, als er dort zum abgekupferten „City of New Orleans“ „Wann wird’s mal wieder richtig Winter“ trällert, mit dem Argument, sie hätten eh Schneekanonen. Linders Musikparodien sind nie oberflächlich dahingeschludert, sondern durchaus auch von satirischer Brisanz. Eine weitere Fixgröße in Linders Programmen ist der Riebl. Sein sehnlichster Wunsch sei es, dass seine Ode an dieses Vorarlberger Nationalgericht „A ghöriger Riebl“ einmal gecovert. werde. Treffend fällt ihm zum unerlaubten „Undercovern“ von Originalliedern nur eines ein: „Wer hat mein Lied so zerstört?!“.

Markus Linderschafft es, mit „bödeligem“ Vorarlbergerisch und seinem musikalischen Enthusiasmus, im Publikum in Nullkommanix für gute Laune zu sorgen, und sogar den leidenschaftlichsten Nichtsinger zum Mitsingen zu bewegen. Er fegt wie ein Wirbelwind durch den musikalischen Abend, ist aber gleichzeitig flexibel und offen genug, um auf spontan Entstehendes (aus dem Publikum) einzugehen. Es ist nur zu schade, dass es ihn allzu selten hinter den Tunnel von Rekawinkel nach Ostösterreich verschlägt …

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

Markus Linder

Metropol