24.2.2015 Markus Hauptmann: Ich weiß was du letztes Schuljahr getan hast

Der Abend beginnt sogleich mit dem bluesigen Titellied des Programms, gesungen von Hauptmanns Bühnenpartner Georg Huber am Klavier. Nicht der Lehrer mit seinen Klassenbucheinträgen sei das oberste Wachorgan in der Schule, sondern der Elternverein, welcher sogar über den Direktor stehe. Ist nur zu hoffen, dass Hauptmann/Huber diese Institution im reellen Leben schon eher als partnerschaftliche Institution sehen und nicht als NSA.

Angekündigt wird das Programm ja als Krimirätsel, und die Handlung ist recht schnell erzählt: LehrerInnen verschwinden spurlos aus einer Schule, und Hauptkommissar Hartmann (Trautmann lässt grüßen), alias Hauptmann,macht sich an die Aufklärung des Falles.  Wie dieses Rätsel ausgeht, sei hier nicht verraten, nur soviel, der Hölle kommt Bedeutung zu. 

Der Plot wäre für ein abendfüllendes Programm etwas zu kurz gestrickt. Daher wird der Haupterzählstrang einerseits durch Lieder, welche thematisch nicht nur direkt mit der Geschichte zu tun haben, aufgelockert. Andererseits bringt Hauptmann ironisierende „Randbemerkungen“ zum Schulalltag bzw. zu eigenen Erlebnissen als Schüler. In den gespielten Krimiszenen und Sketches wirkt Georg Huber eher hölzern. Man merkt, dass er sich hinter dem Klavier deutlich wohler fühlt, als auf offener Bühne. Sein Klavierspiel beeindruckt mich allerdings sehr.

Das Gegenteil von steif ist Markus Hauptmann. Man merkt, dass er als Lehrer gewohnt ist, mit Menschen zu interagieren. „Rampensau“, sagt man wohl in seinem Falle dazu. Teilweise schrammt er in seiner Bühnenpräsenz allerdings schon knapp an der Grenze zur Selbstverliebtheit vorbei. Seine Erzählungen zeichnen sich durch eine hohe „Wuchtldichte“ aus. Da sind einerseits gar nicht so schlechte darunter. Z.B. meint er, in dem Gemeindebau in Floridsdorf, in welchem Damian aufwächst, würden „sogar die Klopfstangen Strache wählen“. Andererseits sind durchaus entbehrlich Schmähs darunter, z.B. wenn Damians proletoider Vater im Running-Sushi-Lokal meint: „Den Rest könnens ma einpack’n“. Mir ist schon bewusst, dass Geschmäcker und Watschen verschieden sind, aber ein bisschen mehr Qualität statt Quantität schadet nicht.

Hauptmann bedient mit diesem Programm so manches boshafte Klischee, welches man mit „Schule“ assoziiert, wie die alkoholabhängige Direktorin oder den arbeitsscheuen Schulwart. Die Behauptung, er selbst sei in der Volksschule durchs Schlecken der Matrizen der Vervielfältigungsmaschine zum Alkoholiker geworden, finde ich originell. Seine parodistische Darstellung von Alkoholikern habe ich wiederum von anderen Kabarettisten schon besser gesehen.

Ein Nachteil des Programms ist, dass es durch zahlreiche Insiderschmähs, schon eher lehrerzentriert in der Zielpublikumswahl wirkt. Hätten Sie z.B. gewusst, was ein „Pensenbuch“ Ist? Wenn man nicht selbst „Eltern“ eines Kindes ist, welches eine VS mit alternativpädagogischen Beurteilungsansätzen besucht, ist man wohl auf „Fessa“ Google als Informationsquelle angewiesen. Interessanter ist da schon Hauptmanns Insiderinfo, dass SchulpädagogInnen sich in Lehrerkonferenzen mindestens genau so disziplinlos verhalten wie Schüler während der Schulstunde. Diesen Hang zu Selbstironie würde ich mir noch mehr erwarten.

Thematisch eignet sich Hauptmanns neues Programm durchaus für Burnout-gefährdete LehrerInnen als gruppentherapeutisches Elixier. Er reibt sich zwar an der Institution Schule, im Speziellen an neuen pädagogischen Ansätzen, zeigt aber keine Alternativen auf. Das wäre aber der Schritt zu wirklich guter Satire. Ein Mitarbeiterplus bekommen aber Markus Hauptmann und Georg Huber für den musikalischen Teil des Programms.

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

PS.: Einen negativen Pensenbucheintrag gibt es für die fehlende Zeichensetzung im Programmtitel J

Markus Hauptmann

Die Kulisse