23.1.2015 Gerald Votava: narzissmus und tiere

(c) G. Fuderer
(c) G. Fuderer

Große Erwartungen – geweckt durch die übermäßige mediale Präsenz im Vorfeld (welcher Kabarettist bekommt am Premierentag schon 5 Minuten Sendezeit im Ö1-Mittagsjournal?!) – bei der Premiere von „narzissmus und tiere“. Soviel wurde schon vorab berichtet, z. B. über Votavas Husky-Dame Isca, zu der die Leute sagten: „Schön ist ER“, woraufhin sich Gerald Votava angesprochen fühlte, so irgendwie sei die Idee zum Programm entstanden, erzählt er. Darum also auch „narzissmus und tiere. Nach ca. fünf Minuten auf der Bühne singt er auch schon, ganz in Selbstverliebtheit versunken, „ich liebe mich“ – je t’aime G.V. (gesprochen Schö-ve), sein Name G.V. Victor.

In Smoking und Pelzjacke ist er auf die Bühne gekommen, doch vor ihm noch war ein als Stinktier verkleideter Pianist (Gerald Tschubm Schubert) erschienen – was es mit ihm auf sich hat, erklärt sich erst im zweiten Teil des Programmes -, dem Publikum stellt sich G.V. sehr passend anhand eines Liedes der Rolling Stones vor: Please allow me to introduce myself, I'm a man of wealth and taste" - an dieser Stelle bekommt man einen Eindruck davon, was der Entertainer Gerald Votava alles kann. Als er sich in seinem Ohrensessel niederlässt und das Textbuch aufschlägt, folgt die erste Enttäuschung. Bei der Premiere den Text nicht zu beherrschen, ist – um es freundlich auszudrücken – nicht gut. Das geht einfach gar nicht – auch wenn Gerald Votava dieses Manko mit „Man kann sich ja nicht an alles erinnern“ charmant zu überspielen versucht.

Die Figur des maßlosen, in unglaublichem Reichtum aufgewachsenen G.V. Victor spielt Gerald Votava perfekt, Champagner trinkend ergeht er sich in Kindheits- und Jugenderinnerungen – der Vater Banker, die Mutter frankophil und Schauspielerin. Dass sein ausschweifender Lebensstil nicht ohne Folgen bleiben wird, zeigt sich dann am Ende des ersten Teiles. Nicht umsonst rezitiert er einen Auszug aus dem „Jedermann“ - dem Spiel vom Sterben des reichen Mannes. Der erste Teil ist also diesem wohlstandsverwahrlosten, in Saus und Braus lebenden G.V. gewidmet. Dem setzt Gerald Votava zwei Figuren entgegen, die Haushälterin Frau Sokol, schon bekannt aus „Die liebe Familie. Next Generation“, und den steirischen Parkplatzwächter mit Vokuhila-Frisur – diese unterbrechen die völlig abgehobenen Beschreibungen und Erzählungen von G.V., und erzählen aus ihrer Sicht, der Sicht von arbeitenden Menschen, vom „verzogenen“ Milliardärssohn.

Inhaltlich dünn ist schon der 1. Teil, aufgepeppt nur durch die Lieder, bei denen Gerald Votava alle Register zieht, von den Rolling Stones bis zu Peter Alexander, und durch die zwei schon genannten Figuren. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und deshalb hofft man als Zuschauer/-in auf den 2. Teil - mittlerweile hat G.V. ob seines Drogenkonsums und orgiastischen Lebens nach einem Liebesakt einen Herzinfarkt erlitten. Zunächst taucht die Figur des Professor Doktor Doktor Professor auf, ein selbstgefälliger „Gott in Weiß“, der ihm offenbar erfolgreich ein Schweineherz transplantiert hat, denn G.V. lebt damit auch zwei Monate später noch, befindet sich in der Diamond Lounge des Krankenhauses, das Outfit, ein Krankenhaus“pyjama“, erinnert an Elvis.

Im zweiten Teil ist zwar erkennbar, worauf Gerald Votava hinaus will, an der Umsetzung scheitert er jedoch, verliert sich in langatmigen Schilderungen, die unausgearbeitet wirken und teilweise improvisiert klingen. Das Fabelhafte und Fantastische will nicht gelingen, als er mit dem Schweineherz in seinem Körper mit Tieren kommunizieren kann. Die wichtigste Aussage – wie wir mit den Tieren umgehen („Wir essen den Tieren die Kinder weg“) – geht darin unter. Gerald Votava verlässt sich an diesem Abend vielleicht zu sehr auf sein (Improvisations)Talent, geht damit leider achtlos um. Schade. Wirklich schade. Als Schauspieler und Musiker überzeugt er, als Kabarett-Programm ist "narzissmus und tiere" aber weit entfernt von einem stimmigen und unterhaltsamen Programm, von Tiefgang gar nicht zu reden.

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

Zum Gespräch mit Gerald Votava

Gerald Votava

www.stadtsaal.com