3.2.2015 Florian Narratio: Glauben heißt nichts denken

(c) Markus Freiler
(c) Markus Freiler

Es gibt einen Kabarettisten, rotes kurzes Haar, markante Brille, der, wenn er anfängt, ein Thema zu erörtern und dabei sehr viel Wissen hineinpackt, in vielen Schachtelsätzen Erklärungen abliefert und bei der Zuhörerin, dem Zuhörer Knoten im Gehirn verursacht, Hochinteressantes vermittelt, dabei auf der Bühne steht, sich nicht bewegt, sondern die Worte sprechen lässt und dafür in aller Munde und bekannt und geschätzt wird – falls Sie es bis jetzt noch nicht erraten haben, ja, ich schreibe über Gunkl – diesen Kabarettisten habe ich nicht gesehen, sondern Florian Narratio, der mit seinem 1. Kabarettsolo im Theater am Alsergrund Premiere hatte, und vor allem in der ersten Hälfte des Programmes in der Art des Sprechens, in der Art der Präsentation versuchte, wie Gunkl zu sein. Dazu sei gesagt: eine Kopie ist eine Kopie und das Original das Original. Und aus Verehrung für den Meister zu versuchen, wie er zu sein, ist ein absolutes No go! Es funktioniert einfach nicht, auch wenn er noch so sehr davon und auch von sich überzeugt ist.

So, damit ist nun die Kritik an diesem Programm und am Kabarettisten Florian Narratio niedergeschrieben, somit geht’s nun um das Positive und warum man sich das Programm anschauen könnte oder sollte.

„Glauben heißt nichts denken“ regt sehr zum Nachdenken über eigene Verhaltensweisen an – wie sehr zum Beispiel glauben wir lieber etwas, sei es aus Naivität oder Faulheit oder weil wir es wirklich nicht besser wissen –, als dass wir selbst zu denken anfangen, recherchieren, überprüfen und uns das Wissen aneignen. Daher kann etwa die Wirtschaft uns Konsumenten sehr viel erzählen und auch einreden. Apropos erzählen, der Künstlername des Kabarettisten - „Narratio“ (ein Begriff aus der rhetorischen Rede) - ist sehr treffend gewählt, geht es doch bei diesem Teil der Rede darum, knapp und präzise ein Thema und dazugehörige Sachverhalte darzustellen, zu berichten oder zu erzählen – auch mit eingebauten Abschweifungen oder Exkursen.  Und letztere sind Stichworte für den positiven Eindruck, den Florian Narratio hinterlässt. Wenn er nämlich aussteigt aus der Gunkl-Imitation, und in seinen Gedankenexperimenten, die herrlich absurd, fantasievoll und witzig sind, zum Beispiel die Geschichte hinter der Zeitungsschlagzeile „Kanadisches Dorf fürchtet explodierenden Wal“, dann ist er gut. Er zeigt auch sehr viel Scharfsinn und Beobachtungsgabe, wenn er Alltagsgeschichten und Erlebnisse wiedergibt und dabei auch in unterschiedliche Rollen schlüpft, wie den Joint-Rauchenden, den Pfarrer oder eine ehemaligen Stewardess. „Glauben heißt nichts denken“ setzt sich auch – nona – mit Glauben und Religion auseinander – sehr köstlich die Szene, in der er sich über andere Religionen beraten lässt (z. B. Buddhismus, Hinduismus, Islam) und dabei Anlehnung nimmt an einer Beratung zu einem Handyvertrag. Zum Thema Religion und Glaube passt auch seine Filmkritik zu dem US-Blockbuster „Noah“, den er gesehen hat. Da kommen schon sehr witzige Assoziationsketten heraus, einzig ein wenig zu lang ist dies geraten, doch das tut dem Ganzen keinen Abbruch.

Eine Talentprobe hat Florian Narratio mit „Glauben heißt nichts denken“ allemal abgeliefert. Da es sein erstes Kabarettprogramm ist, bleibt abzuwarten, wie sehr er es in Zukunft schafft, seine eigene Bühnenfigur zu finden.

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

www.narratio.at