14.1.2015 Eröffnung des Schwechater Satirefestivals 2015

Jene die eine launige Ansprache des Intendanten und Geschäftsführers Johannes C. Hoflehner erwartet hatten, werden enttäuscht. In einer Märchensatire erzählt er uns, dass die Zukunft des Theater Forums Schwechat in seiner jetzigen Form bedroht ist. Nein, nicht aufgrund finanzieller Nöte, sondern die schwarzen Wolken einer überbordenden Administration, aufgrund neuer Bundes-, Landes- und Förderungsgesetzte, bedrohen die etablierte Kulturstätte östlich von Wien. Dies führt zum Paradoxon, dass der Verwaltungsaufwand zum Selbstzweck aufgeblasen wird, und künstlerische Belange in den Hintergrund treten. Als hätten Schwechats Politiker den Braten gerochen, glänzten sie, bis auf eine Grüne Stadträtin, durch Abwesenheit. Die Stadtpolitiker proklamieren Schwechat als Kulturstadt – ein Fernbleiben bei der Eröffnung des Satirefestivals stellt allerdings dieses Postulat in Frage…

Johannes C. Hoflehner sieht das Schwechater Satirefestival als Möglichkeit „die Herzen und Hirne zu durchlüften“. Es möge zum Querdenken anregen. Ein wesentlicher Aspekt der Zivilgesellschaft soll mit diesem Festival angesprochen werden: Selbstbestimmtheit und das reflektieren von so genannten „Gegebenheiten.

Nachdem mit diesen nachdenklichen Worten des Intendanten die Publikumsstimmung neutralisiert wurde, ist es nun an Antonio Fian und dem WienerliedDinglDanglTrio Kollegium Kalksburg die Stimmung wieder zu heben. Wer dieses Künstlerkollektiv kennt, weiß, dass sie dies vor allem mit ihrem tiefgründigen schwarzem Humor zuwege bringen. Fian gelingt es immer wieder das Publikum aufs Glatteis zu führen: Seine Dialoge entspringen aus scheinbar wahren Alltagsg’schicht’n, biegen aber dann unversehens ins Absurde ab.

In einem Dialog zwischen zwei Jugendlichen im Klagenfurter Strandbad, welcher von genialem Wortwitz geprägt ist, zeigt sich wie dicht(erisch) der Kärntner Dialekt sein kann. Ebenso amüsant sind seine Dramolette über die babylonische Sprachverwirrung zwischen Deutschen und Österreichern, sei es im gemütlichen Schanigarten oder auf zünftigen Volksfesten. Zwei Völker, eine Sprache, und doch Verständigungsschwierigkeiten. Seinen Hang zur bitterbösen Satire beweist er auch, wenn er einen Reporter von einer Demo gegen kapitalistische Auswüchse berichten lässt, als würde es sich um eine Modeschau handeln. In einem Dialog zur telefonischen Tischbestellung in einem Restaurant persifliert er den Verordnungs- und Kategorisierungswahn in unserer Gesellschaft.

Fians Texte und die Lieder des Kollegium Kalksburg fungieren gegenseitig als Stichwortgeber und ergänzen sich harmonisch. Wolfgang Vincenz Wizlsperger überrascht an diesem Abend auch mit englischen Liedtexten. Darunter das angeblich berühmteste Wiener Lied „Wann da Herrgott ned wü“, welches zu „Jesus is busy“ wird.

Das Strizzi-Outfit des Kollegiums gilt als Programm für ihre musikalische und textlich Ausrichtung: „Strizzi“ kann nämlich auch mit „ungezogen“ und „spitzbübisch“ übersetzt werden – genau so lässt sich auch ihr künstlerischer Stil beschreiben. Sie lassen sich einfach nicht zu den Klischees der Wiener Volksmusik erziehen, lieber treiben sie spitzbübisch ihr künstlerisches Wesen. Bei ihnen gilt das Wiener Lied oft nur als Ausgangspunkt einer musikalisch Reise, die in kulturell andere Klangwelten führt und bereichernd wirkt. Da kann es schon mal „passieren“, dass das Akkordeon von Heinz Ditsch oder die Kontragitarre von Paul Skrepek orientalisch klingt.

Das Kollegium liebt das Ungeordnete, insofern nicht verwunderlich, dass sogar Silberfischchen und Motten, als Metapher der Unordnung, in einem Lied zu Ehren kommen. Und wenn sie sich Jacques BrelsLe Moribond“ ins Deutsche übersetzen, dann wird es nicht zur Schnulze (wie es Terry Jacks mit „Seasons in the Sun“ getan hat), sondern ein wunderschön trauriges „Schau ned so bled, i schleich mi eh scho boid“.

Das Kollegium Kalksburg beweist, dass es neben der reduzierten und dumpfen Art der volkstümlichen Musik eines „Vokstrottel-Rolers“, auch einen weltoffenen und gleichzeitig satirischen Zugang zur Volksmusik gibt.

DieKleinkunst-Redakteur Markus Freiler

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Antonio Fian & Kollegium Kalksburg