26.2.2015 Daniel Lenz: FauLENZen

(c) Daniel Lenz
(c) Daniel Lenz

Am Anfang steht das Ende. Daniel Lenz will die DVD zu seinem neuen Programm verkaufen. Würden wir sie jetzt, also am Anfang, kaufen, wäre es eine Win-Win-Situation. Er könne an die Bar gehen, wir könnten uns sein Programm zuhause anschauen, wenn es uns nicht gefiele, könnten wir vorspulen. Das Publikum erweist sich als kaufresistent. Lenz versucht es weiterhin: Er wolle mit seinen Ressourcen schonend umgehen,  ja nur den Arbeitsenergiehaushalt optimieren, er sei nicht faul – doch sein Vorhaben scheitert, in Tirol, meint er, sei er nach fünf Minuten schon an der Bar gestanden, in Wien also nicht. Daraufhin spielt er im Kabarett Niedermair als Kaufanreiz sein neues Programm FauLENZen und erzählt, da er arbeitslos und angeblich arbeitsunwillig sei, sei er zur Teilnahme an der AMS-Gesprächsgruppe „Take a Chance on Me“ zwangsverpflichtet worden.

Da eine Gruppe bekanntlich aus mehr als einer Person besteht, gibt diese Situation Lenz die Möglichkeit, wieder unterschiedliche Figuren zu spielen und seine Wandlungsfähigkeit zu zeigen.  Die Figuren – der Leiter der Gesprächsgruppe, der zehnfache Dr. Freisseisen, kinderlos, weil er Kinder nicht ausstehen kann und quasi der Dr. Doolittle der Fauna; Lenz selbst als Diplompädagoge und Kabarettist (also nix gelernt und das doppelt, und jetzt arbeitslos, aber Spezialist für die großen Fragen des Lebens); ein Bürgermeister namens Manfred Schnölzler, der seine Vorstellung in der Vorstellungsrunde  der Gesprächsgruppe wie eine Rede an seine Bürgerinnen und Bürger anlegt; Josef Unterberger mit 20 Jahren Häf’n-Erfahrungen wegen wiederholtem Gummibärlidiebstahls an der Agip-Tankstelle; Ahmed, ehemaliger Inhaber eines Handyshops mit Bachelor in Telekommunikationshilfe und – darauf besteht er – Österreicher; der gestrenge  und in der Mitte des 20. Jahrhunderts hängengebliebene Heiner Mathilde Hilpold mit der sensationellen Idee, nach dem Alten, dem Neuen nun das Aktuelle Testament bzw. das Kinderbuch „Die Raupe Nimmersatt 2.0“ zu verfassen.

Jede der Figuren ist eine Mischung aus Stereotyp – wie stellt man sich einen Psychologen vor oder wie spricht ein Austrotürke  - und Skurrilität, dadurch sind sie nicht eindimensional, sondern liefern unterhaltsame komische Momente, da ist ja der Fantasie von Lenz keine Grenzen gesetzt und diese lebt er zum Glück auch voll aus. Das Anbagger-Uptdate wäre so ein Moment, in dem Josef Unterberger nach 20 Jahren im Häfn gezeigt wird, wie er sich an Frauen heranmachen könnte, die Stimme aus dem Off gibt Anweisungen und Daniel Lenz stellt sie pantomimisch dar, Stichwort: Erdmännchen-Methode oder Hai, zum Zerkugeln, erfolgreiche Anmachsprüche inklusive. Oder die Gottline, mit der man direkt bei Gott anrufen kann, im Gegensatz zur Hotline, die nach unten führt zur Hure Babylon, die dann zum Satan weiterverbindet oder die verhängnisvolle Affäre von Lenz mit seinem Navigationssystem Anna 4.0.

Zwischen den Auftritten der Figuren singt Lenz auch noch das eine oder andere lustige, aber auch kritische Lied, z.B. eines, das die Bildung revolutioniert, weil in ihm acht Jahre Allgemeinbildung enthalten sind, oder er spielt eine komprimierte TV-Soap gespickt mit Originalzitaten aus Traumschiff oder GZSZ, in der sich aber auch Sätze finden wie: „… höre ich das Angussteak der Leidenschaft brutzeln …“.

Das Figuren-Sammelsurium treibt sich das Programm lang über auf der Kabarettbühne herum und sorgt für Abwechslung - bei Daniel Lenz kann man sagen: erwarte das Unerwartete. Es ist immer ein Vergnügen, ihn auf der Bühne zu sehen, das war schon so, als er noch im Duo Die Schienentröster unterwegs war, und das war auch bei seinem ersten Solo „BeziehungsWaise“ so. Alle seine Stärken, das Schauspiel, die Musik, die grenzenlose Fantasie, das Gespür für gute Pointen, mit denen er glänzt, und auch diese Mischung aus Professionalität und Lockerheit, mit der er auf der Bühne steht, machen FauLENZen zu einem unterhaltsamen, abwechslungsreichen, ein wenig absurden und absolut sehenswerten Programm.

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

www.schienentroester.com