21.3.2015 Christoph Krall & Ursula Schwarz: Die Fischer vom Machu Picchu

(c) Peter Blau
(c) Peter Blau

Während im ORF die Tage bis zu diesem, nunja, Großereignis heruntergezählt werden, führen Ursula Schwarz und Christoph Krall in ihrem zweiten gemeinsamen Programm schon jetzt das dazu passende Musical auf und sind damit der Zeit voraus. Und in dem gewählten Untertitel „Das Musical zum Song Contest“ samt Erklärung, sie würden ihre größten Hits spielen, zeigen sich auch schon die Selbstironie und der Humor, die sich durch das Programm ziehen. Nichts ist ernst gemeint, und doch voller Ernst vorgetragen. Es geht in ihrem neuen Programm also hauptsächlich um Musik, es geht aber auch - einer Telenovela gleich - um die Liebe, um Verstrickungen, Eifersucht, Traurigkeit und Happy End – und das alles verpackt in 18 Liedern, die bis auf eines von Christoph Krall vorgetragen werden.


Den Rahmen für die Geschichte bildet eine Schulsituation, zwei Lehrer vermutlich im Konferenzraum, treffen aufeinander, er (Mathematik und Physik) heimlich in sie (Deutsch und Musik) verliebt. Ihr Name in diesem Programm: Trude Traulich. Sein Name: Fred Fadfisch. Das klingt jetzt vielleicht nicht so spannend – richtig, aber …. Es ist Christoph Krall! Nein, noch besser, es sind Ursula Schwarz und Christoph Krall gemeinsam! Und das ändert die Sache gewaltig.


Hier haben sich zwei künstlerisch gefunden, könnte man sagen. Ursula Schwarz als kongeniale Bühnenpartnerin, die Krall auf der Bühne nicht nur am Klavier begleitet, sondern die Lieder dieses „Musicals“ bis auf wenige Ausnahmen selbst komponiert hat, erweist sich auch in der zweiten Zusammenarbeit als Glücksgriff. Ihre Stärken sind jetzt nicht so sehr das Schauspiel, aber sie ist unerlässlich, weil ohne sie so ein Programm nicht entstehen könnte, sie komponiert, unterstützt, begleitet am Klavier, spielt ihre Rolle in diesem Kabarettprogramm mit Begeisterung und Spielfreude, vor allem aber schwebt sie auf der gleichen absurden Humorwelle wie Christoph Krall. Das zeigt sich unter anderem bei ihrem Auftritt als Tina Turner, wenn sie mit fürchterlichem deutschen Akzent „Simply The Best“ zum Besten gibt.


Schwarz und Krall schonen ihr Publikum von Anfang an nicht und steigen gleich ein mit dem schon bekannten schrägen Humor. Das Thema: Die Neanderthaler und deren VoxP2-Gen, durch das sie schon einer Sprache mächtig waren, aber „ein bissi genuschelt“ haben.Darauf folgt so eine Art Nuschelrap mit irrwitzigen Zeilen, die man gar nicht wiedergeben kann, weil sie nur live wirken.


Den Konnex zur Volksmusik und zu den Schlagern findet sich im Vater eines Schülers – der Star der österreichischen Volksmusik: Sepp Silberklang. Sepp Silberklang liebt die Musik und viele Frauen, denen er auch immer wieder eines seiner Lieder widmet. „Dieses Lied widme ich einer wundervollen Frau, die ich auf einer Safari durch die Anden kennen gelernt habe und die ich nie vergessen werde.“


Wie im Programm angekündigt, singt Christoph Krall, von Ursula Schwarz am Klavier begleitet, ihre Hits (Text: Krall, Musik: Schwarz). Da finden sich dann so Schätze wie „Die Fischer vom Machu Picchu“, „In Ulan Bator steht eine kleine Hütte“, „Die Försterin vom Baikalsee“, oder „Nasse Kraken aus dem Meer“ (nach „Weiße Rosen aus Athen“) oder „Das Alien vom Zillertal“ (inkl. Dialog zweier Aliens – großartig). Diese Darbietungen sind einzigartig und schwer zu beschreiben, es ist ein Gesamtkunstwerk – die komponierte Musik, die schrägen Texte, die Stimme von Christoph Krall, seine Art, die Lieder vorzutragen, die Kommentare von Ursula Schwarz dazu. Man muss es gehört haben und dabei gewesen sein. Ein Auszug aus einem der Liedtexte kann nur eine vage Ahnung davon geben: „Die Fischer vom Machu Picchu fahren im Sommer ans Meer, im Winter fahren sie Schlittschuh, das freut sie noch mehr. … Die Fischer vom Machu Picchu, die mögen nur Kühe mit Stil, steht lila wo eine Kitsch-Kuh, dann bleiben sie höflich und kühl.“Großartig sind die Lieder der beiden – man muss sich als ZuseherIn aber darauf einlassen (können), seichte Unterhaltung sieht anders auf, hier kommt man in den Genuss von Nonsens auf höchstem Niveau.


Bei der Liebeserklärung dreht es sich zum Beispiel darum: „Du schaust mir tief ins Aug hinein, höre ich auf, ich selbst zu sein - Du bist das Blatt, ich der Stein, du wickelst mich einfach ein.“Christoph Krall besitzt nicht die einnehmende Bühnenpräsenz, weiß aber um diese kleine Schwäche und spielt sie genial aus, wenn er Hüfte schwingend und singend den Schlagerstar und Womanizer gibt. Aus dem Publikum folgt schon beim ersten Lied der Ruf: „Ich will ein Kind von dir!“Besser kann es doch nicht laufen. Überhaupt ist das Publikum an diesem Abend sehr aktiv, singt ohne Aufforderung mit und stellt sich auch als Backgroundchor auf der Bühne zur Verfügung.


Es sind wunderbare Momente, die uns Ursula Schwarz und Christoph Krall schenken, wenn man diesen grenzwertigen abgründigen Humor und das Absurde schätzt. Sie sind etwas Besonderes und ihr neues Programm ist ungewöhnlich, es ist alles möglich und nichts ist vorhersehbar. Einfach großartig!


DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink


www.alsergrund.com

Informationen über Christoph Krall & Ursula Schwarz