10.2.2015 CasaNova: Zwa Voitrottln und Band

Um ganz ehrlich zu sein: Ich hatte „Die zwa Voitrottln“ bisher noch nie gehört und wegen dieser doch eher merkwürdigen Bezeichnung eine eher „vorsichtige“ Erwartungshaltung. Das CasaNova war ausgesprochen gut besucht und der Stimmung nach zu schließen gibt es bereits so etwas wie eine Fangemeinde.

Dann kamen die „Voitrotlln“, das sind Johannes Glück und Dieter Hörmann, auf die Bühne. Sie arbeiten seit beinahe 4 Jahren zusammen, haben 2012 die „Große Comedy Chance“ des ORF gewonnen und treten seit mehr als 2 Jahren gemeinsam auf. Jetzt haben sie sich durch zwei Musiker (Wolfgang Köck, Bass und Gitarre sowie Gerfried Krainer, Bass und Percussion) verstärkt und treten in dieser Formation als Band auf. Das ist musikalisch sicher von Vorteil, denn der Sound klingt kompakt und routiniert. Sie selbst stellen übrigens fest, bisher hätten sie Musik-Kabarett gemacht, aber eigentlich sehen sie sich als Singer/Songwriter.

Geboten wird ein Querschnitt durch ihre bisherige Arbeit, die auf den CDs „Hörglück“ und Kifferglück“ erschienen ist, ergänzt durch vier neue Nummern. Die Melodien sind glatt und gehen leicht ins Ohr, wobei sie verschiedene Stile verwenden: von Pirron& Knapp über die EAV bis zu Georg Kreisler und Gerhard Bronner – „Mission possible“ nennen sie das. Aber darauf kommt es ihnen auch gar nicht so sehr an, worum es ihnen offenbar wirklich geht, sind die Texte. Und da haben sie tatsächlich einiges zu bieten. Geht es vor der Pause vor allem um eher oberflächliche Unterhaltung – und sie sind dabei überwiegend wirklich lustig! - sowie darum ihr Publikum in den Griff zu bekommen – das gelingt ihnen perfekt! - so haben sie sich offenbar vorgenommen, nach der Pause vor allem sozialkritische Texte zu bieten.

Da wird die Sozialversicherungsanstalt der Bauern durch den Kakao gezogen (Dieter Hörmann hat einen „Traumjob in der SVA“ nach zwei Jahren „schweren Herzens“ aufgegeben), der unheilvolle Einfluss  von Religionen radikal mit der Forderung nach deren Abschaffung quittiert, was anschließend auch für das österreichische Bundesheer angeregt wird. Eine wirklich idyllische Schilderung einer österreichischen Voralpenlandschaft wird mit „Leider miachtelt es so nach ÖVP“ konterkariert. Auch die Brutalisierung und Abstumpfung der Gesellschaft durch die spekulativen Medienberichte („Der gemütliche Fernsehabend“) wird zum Thema. Sie treten für vegane Ernährung ein, kritisieren die EU-Regulierungsflut („Fuck the Energiesparlampe“) und wünschen sich unüberhörbar die Freigabe von Hasch („Kifferglück“). Alles in allem eine beeindruckende Packung!

Hier ist jedenfalls eine ambitionierte Gruppe am Weg, die musikalisch und vor allem inhaltlich noch sehr viel erwarten lässt. Umso bedauerlicher ist es, dass es offenbar nach dem Start im CasaNova noch keine weiteren fixen Engagements gibt. Österreichische Veranstalter wären also gut beraten, sich die „Zwa Voitrottln“ einmal anzuhören.

Es gibt übrigens auch eine Erklärung für diesen Namen. Als sie den umstrittenen Song „Im Johanna-Dohnal-Park“ geschrieben hatten, meinten sie, der wäre so verrückt, dass ihn eigentlich nur zwei Volltrotteln geschrieben haben könnten. Naja. Allerdings bin ich immer noch der Meinung, dass eine andere Bezeichnung sinnvoller wäre.

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

www.zwavoitrottln.at

www.casanova-vienna.at