20.2.2015 Alexander Sedivy: Endlich ich

(c) Alex List
(c) Alex List

Ausverkauftes Haus, gute Stimmung und die Premiere von „Endlich ich“. Sedivy, bekannt als Parodientalent sondergleichen, setzt diesmal auf sich selbst und nicht auf die Stimmen, die ihn sonst begleiten, sich dreinmischen oder in den Vordergrund drängen, und wenn er schon nur er selbst sein will, taucht die Frage auf: Wer ist er denn? Was macht ihn aus? Da er noch keine Antwort auf die Frage hat, macht er sich auf die Suche – Stichwort: Selbstfindung …

Nach der ersten Hälfte Programms herrscht ein wenig Ratlosigkeit, die Erzählungen greifen nicht, unterhalten nur bedingt, es fallen wenige Pointen – das ist an und für sich nicht störend und besser als diese nervende Pointendichte, doch das Programm bekommt durch den Ernst, mit dem Sedivy erzählt, eine Schwere und Langsamkeit, die es nicht haben sollte. Und das Erzählen ist so eine Sache, entweder man hat ein Gespür dafür, wie man etwas präsentiert, damit die Geschichte, der Gedanke oder die Überlegung überzeugt, oder nicht.  Vielleicht ist es aber auch die Erwartungshaltung gegenüber Alexander Sedivy - man wartet auf Parodien, und sie kommen nicht, nein, das stimmt nicht ganz, aus dem Off tauchen Toni Polster und Hans Krankl auf, und Toni Polster begleitet uns auch bis zum Ende des Programms mit Auszügen aus Mira Lobes „Das kleine Ich bin Ich“ – aber mit dieser einen Stimme wird die Erwartung nicht erfüllt.

Mit seiner Themenauswahl – u. a. Umgang mit neuen Medien wie Facebook, Selbstfindung und Jakobsweg, an der Hoferkassa oder die Waldorf-Schulausbildung - ist er unter seinen Kabarettkolleginnen und –kollegen in guter Gesellschaft, er ist also nicht der erste, der diese Überlegungen angestellt hat und wir haben es – leider, muss man sagen – auch schon besser gehört, abgesehen von der Schilderung über die Apps, die über sein Leben verfügen, die Kloapp, die Kühlschrankapp, die Zahnputzapp usw., diese Schilderungen waren durchwegs gelungen und lustig.

Am Klavier überzeugt Sedivy an diesem Abend am meisten. Da spürt man seinen Humor, sein Talent, das gleiche gilt für seine Interaktionen mit dem Publikum, oder wenn er auf Unvorhergesehenes schlagfertig reagiert. Da ist er Alexander Sedivy, wie man ihn kennt. Auf seiner Homepage wird er als „Österreichs vielseitigster Kabarettist“ bezeichnet – was absolut zutrifft, nur dass er in diesem Programm nicht allzu viel von seiner Vielseitigkeit präsentiert. 

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

 

www.alexandersedivy.at