14.04.2015 L.E.O.: Die Fledermaus

Haben Sie auch eine Tante Florenz? Die Tante Florenz riecht nach einer Mischung aus Mottenkugeln und sehr süßem Parfum. Ihre Wohnung ist mit Antiquitäten überfüllt, ihre Haare sind immer toupiert und sie legt gern zu viel Rouge auf. Die Tante Florenz mit ihrem Hang zur Dramatik muss man einfach gerne haben. Genauso wie die Aufführung Die Fledermaus (für zwei SängerInnen und einen Pianisten) im Operntheater L.E.O.. Übertriebene Gestik mit viel Charme – die Eigenschaft einer gelungenen Operette!

Das L.E.O. ist schon etwas Besonderes! Es vermittelt das Gefühl einer gemütlichen Wohnung. Die Wände, tapeziert mit Artikeln aus dem Standard, ein Gläschen Wein während der Aufführung und dazu die traditionellen L.E.O.-Schmalzbrote. Hier ist die Theaterkunst alles andere als prätentiös.

Gespielt von Elena Schreiber und Stefan Fleischhacker, begegnet das Publikum zahlreichen Charakteren der bekannten Operette Die Fledermaus. Gleich mehrere Rollen werden von einem Schauspieler dargestellt. Die Sicherheit und Geschwindigkeit, mit der die beiden Schauspieler zwischen den Rollen wechseln, beeindruckt. Dabei werden natürlich auch „Hosenrollen“ nicht ausgelassen. Der Handlung ist, obwohl es manchmal turbulent her geht, problemlos zu folgen. Ein humorvolles Stück für einen gemütlichen Abend. Es ist genau dieser Humor und die Leichtigkeit, mit der sich das Stück von anderen Versionen der Fledermaus abhebt. Die Künstler verstehen es, das Publikum unterschwellig in die Geschichte miteinzubeziehen.

Begleitet werden die beiden Schauspieler vom Pianisten Yu Chen. Die bekannten Lieder verführen den einen oder anderen Gast auch schon mal zum Mitsingen. An der stimmlichen Leistung der Schauspieler ist sicherlich nichts zu kritisieren und das Pfeifen des Stubenmädchens Adele, gespielt von Stefan Fleischhacker, ist nicht nur eine erstaunliche Begabung, sondern verleiht der von einem Mann dargestellten, etwas einfachen Frau eine gewisse Zartheit. Abgesehen von den „Hosenrollen“, bleiben die männlichen Charaktere typisch männlich und auch die weiblichen typisch weiblich. Hier hält man sich an die ursprüngliche Darstellung der Figuren. Doch wird das Verhalten der Einzelnen auch immer mit einem kleinen Augenzwinkern dargestellt. Man soll sich ja selbst nie allzu ernst nehmen.

Ein Abend voller Gemütlichkeit und Humor. Auf Tiefsinnigkeit lässt sich hier auch problemlos einmal verzichten. Ein Stück mit Wohlfühlfaktor in familiärer Atmosphäre.

DieKleinkunst-Redakteurin Carolina Moser

L.E.O. – Letztes Erfreuliches Operntheater