18.3.2015 KosmosTheater: Mutterland

© Foto: Bettina Frenzel
© Foto: Bettina Frenzel

Eröffnet wird der Abend mit einem weiblichen Ausbruch aus der der dörflichen Einöde. Gefangensein, Ausbruch, Verzweiflung und Stärke bilden die tragenden Elemente des Abends. Die großartige Leistung der fünf SchauspielerInnen trägt den Zuseher von einem Stück zum nächsten. Die Bühne, beinahe ebenerdig, lässt so gut wie keinen Raum zwischen Schauspielern und Publikum. Trotzdem bieten die kurzgehaltenen Stücke wenig Zeit, sich in die jeweilige Geschichte einzufühlen. Gelingt es den erfahrenen Schauspielern mühelos, bleibt es für den Zuseher doch eine Herausforderung, die unterschiedlichen Eindrücke der Dramen in so kurzer Zeit zu verarbeiten.

Mutter, Tochter, Ehefrau, Geliebte, Freie, Gefangene… „Was ist eine Mutter?“, bildet die zentrale Frage des Abends. Die Last, ungenügend zu sein und den Wunsch nach Halt vermitteln sowohl die weiblichen als auch die männlichen Schauspieler, die das etwas unbeholfene Gegenüber der jeweiligen Protagonistin darstellen. Der Zwist zwischen dem Weiblichen und dem Männlichen findet sich ein einigen Kurzdramen wieder. Das weibliche Machtspiel wird wohl am anschaulichsten im dritten Stück, „Prozess gegen die Krim“ von March Höld dargeboten. So erlebt man den politischen Konflikt um die Krim, dargestellt als eine schwangere Frau, als Streit zwischen zwei Männern, Russland und der Ukraine. Die Krim trägt ein Baby in sich und beide Männer versuchen, Frau und Kind für sich zu beanspruchen.

Die Angst und der Druck des Älterwerdens kommen unterschwellig in einigen Stücken vor, am offensivsten wird dieses Thema im sechsten Drama „Müsli im Nirvana“ von Scarlette Mangelberger, behandelt, in dem eine Mutter wieder zum wilden Teenager wird, schockiert und doch auch neidisch über die Angepasstheit der Tochter. Doch auch die Stärke erwachsener Frauen findet Platz in dem Stück „Wälderweiberwut“ von Nadine Kegele. Vier Frauen im 30jährigen Krieg im Bregenzerwald beschließen, nicht kampflos aufzugeben.

Die körperliche Schwäche gegenüber Männern, die psychische Ausbeutung des eigenen Kindes, all diese Abgründe und auch Stärken finden sich in „Mutterland“ wieder. Doch werden diese komplexen Themen nur anhand kurzer Eindrücke zu Schau gestellt. Dafür, Verbundenheit mit den Charakteren aufzubauen, bleibt keine Zeit.

Die Regisseurin Elisabeth Augustin schaffte es, diese Komplexität durch einfache, starke Bilder auf der Bühne etwas greifbarer zu machen. Ein starker Abend, der Momente und Eindrücke hinterließ, doch keine Geschichte.

DieKleinkunst-Redakteurin Carolina Moser

www.kosmostheater.at