11.3.2015 aktionstheater ensemble: Angry Young Men

(c) Gerhard Breitwieser
(c) Gerhard Breitwieser

Viel hat er versprochen, der Pressetext: Von einer „Suche nach Identität“ war da die Rede, von „Alltagsrassimus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie“, es wurde die Frage gestellt nach dem Übergang vom paralysierten Youngster zum Täter mit Allmachtsfantasie. All diese Ankündigungen wurden letztendlich nicht eingehalten. Vielmehr geht es um zu harte Butter auf dem weichen Brot, die das Brot zerstört, beim Versuch sie aufzustreichen oder die Tatsache, dass man eigentlich nur Skinhead wurde, damit man selbst nicht verprügelt wird. Und die Margarine als schwul zu bezeichnen, ist nicht wirklich Ausdruck von Homophobie. Auch auf die Schilderung kindlicher homosexueller Erfahrungen mit dem besten Freund wird nicht reagiert.

Letztlich liefert das 75-minütige Stück keine Antworten, nicht einmal Ansätze dazu. Denn zu harte Butter oder das kindliche Zerstören von Matchboxautos macht ja (hoffentlich) noch keinen Terroristen. Da hilft es auch nicht, wenn Zitate von Joseph Goebbels, Mohammed Atta (Attentäter 9/11), Holger Meins (RAF) und Anders Breivik in den Text, der vom aktionstheater ensemble und Wolfgang Mörth stammt, eingestreut werden. Es wird auch nicht klar, was Martin Gruber (Regie und Buch) mit dem Stück bezwecken wollte. Denn für den Aufschrei ist es zu wenig, vielmehr wirken die Männer, die – auch teilweise vom Körperbau her – den starken Mann herauskehren, verunsichert und überfordert. Wirklich schräg wird es als Wolfgang Fahrner beginnt, zuerst wie ein Schwan und dann wie Billy Elliot durch die Gegend zu springen und letztendlich sich alle schwülstiger Männerfantasien von leichtbekleideten Frauen, die einen massieren, hingeben.

Mit viel Körpereinsatz spielt das hochkarätige Ensemble, schreit, kämpft miteinander, zerstört die halbe Bühne, singt (sehr gut und teilweise sogar im Falsett). Gut auch die Musik von Andreas Dauböck. Was wäre mit diesen Darstellern wohl alles möglich gewesen zu diesem Thema …

DieKleinkunst-Redakteur Paul M. Delavos

www.aktionstheater.at