27.04.2015 Galerie im Ersten: Gefährliche Liebschaften

© Tim Hüning
© Tim Hüning

Intrigen gab es schon im Jahre 1789 und es gibt sie auch heute noch. Deshalb scheint die Thematik der „Gefährlichen Liebschaften“ gar nicht so fremd. Der Briefroman von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos gilt als zeitlos und konnte neben seiner Erfolgsverfilmung im Jahre 1988 auch immer wieder auf den weltweiten Theaterbühnen brillieren. Hauptszenerie ist das Frankreich des 18. Jahrhunderts. Während es im Buch und im Film um die Affären und Intrigen des französischen Adels geht, wurde für die neu adaptierte Bühnenfassung alles etwas normalisiert.  

Im Fokus der Erzählung stehen die Marquise de Merteuil, gespielt von Aleksandra Corovic und ihr ehemaliger Liebhaber und jetziger Komplize in der Intrigenspannung, der Victome de Valmont, dargestellt von Alexander Jagsch. Beide sind egoistisch, selbstverliebt und zerstören nur zu gern das Leben anderer. Sie machen sich ein Spiel daraus, immer wieder neue Herausforderungen zu finden und machen schließlich einen Deal, der dramatisch enden wird.

Die Kulisse besticht. Recht einfach, aber sehr ausgeschmückt mit zeitgenössischen Details. Sofort hat man in der Galerie im Ersten das Gefühl, sich mitten im Schauspiel zu befinden. Auch die musikalische Inszenierung ist besonders hervorzuheben, denn die macht das Stück erst wirklich lebhaft. Hervorzuheben an der Neuinszenierung sind auch die gelungenen Brüche durch musikalische Einlagen und Wort- oder andere Spielereien. Auch glänzt das Stück mit vielen klugen Ausführungen und Dialogen zum Beispiel zum Thema Liebe. Jeder der Protagonisten hat einerseits eine Liebessehnsucht, doch wie sich dann herausstellt, ist diese Liebe, wenn sie einmal da ist, meist von Egoismus geprägt.

Toll ist, wie das Publikum in das Schauspiel mit eingebunden wird. So spricht der Valmont am Anfang eine Person aus dem Publikum direkt an und verteilt später sogar „Krapfn Christi“ im Zuschauerraum. Auch durch die Sitzkonstellation, die direkt in die Bühne übergeht fühlt man sich wie mitten im Geschehen. Dazu trägt auch bei, dass die Darsteller sich im ganzen Raum verteilen und aus verschiedenen Ecken und Perspektiven sprechen, sodass es immer wieder etwas Neues zum Schauen gibt. Teile spielen sich auch hinter den Kulissen ab, was aber sehr erfrischend wirkt.

Was diese Inszenierung so außergewöhnlich macht, ist vor allem auch die sehr gute schauspielerische Leistung der Akteure. Alle Darsteller überzeugen in ihren Rollen, doch besonders Aleksandra Corovic ragt mit ihrer fantastischen Darstellung heraus. Mit ihrem weiß geschminkten Gesicht und den „verrückten“ Augen wirkt sie ein wenig wie der böse Schwan aus dem Film „Black Swan“ und lässt einen bei ihren Racheplänen wirklich schaudern. Aber auch Alexander Jagsch weiß sich gekonnt in Szene zu setzen mit seinem „singenden“ Schrank und dem wichtigtuerischen Gehabe. Auch sehr gelungen die Leistung von Raphael Schuchter als Diener des Victome de Valmont. Witzig war auch die Apathie des Chevalier Danceny, gespielt von David Oberkogler. Aber auch die anderen Darsteller überzeugten.

Traurig ist deshalb nur, dass durch die überzogene Dauer des Stückes alles etwas an Qualität verliert. Die Aussagen der Darsteller werden weniger witzig, alles scheint sich unnötig in die Länge zu ziehen, obwohl eigentlich nicht viel passiert, und irgendwann ist man dann auch ein bisschen genervt, wenn das Ende gar nicht mehr zu kommen scheint. Was sehr schade ist, da man deshalb etwas die Euphorie verliert. Meiner Meinung nach müsste man das Stück deshalb um einiges kürzen, damit es am Ende den Zuspruch bekommt, den es eigentlich verdient hätte.

DieKleinkunst-Redakteurin Stephanie Ellemunter

www.gefaehrlicheliebschaften.at