23.03.2017 Stermann und Grissemann: Gags, Gags, Gags!

(c) Magdalena Stockhammer
(c) Magdalena Stockhammer

Stermann und Grissemann live erleben? DieKleinkunst-Redakteurin Magdalena Stockhammer ließ sich das nicht entgehen und lernte die beiden Kabarettisten, die sie bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte, bei ihrem neuen Programm Gags, Gags, Gags! im Globe Wien live kennen. Das Plakat im Boxkampf-Stil mit Verletzungen und blauem Auge verspricht einen Abend voll schlagkräftiger Sprüche und knallharter Pointen. Ob die beiden Kabarettisten live auch so witzig sind wie im Fernsehen, lesen Sie hier.

 

 

 

Von außen ist die Marx Halle nicht sonderlich beeindruckend (da wäre man spontan fast ins nebenan stehende Zirkuszelt von Amaluna abgebogen), doch das Globe Theater darin ist umso erstaunlicher. Das vom elisabethanischen Zeitalter und dem Original in London inspirierte Theater scheint zunächst gar nicht zu den beiden Komikern Dirk Sternmann und Christoph Grissemann zu passen, doch schnell wird klar, der Ort könnte auch auf Grund der Anzahl der Sitzplätze gewählt sein, denn das Publikum strömt zuhauf in die Halle und füllt sie bis auf den letzten Platz.

 

Eine Stimme aus dem Off erklärt dem Publikum, dass die Aufzeichnung für die 1165. Sendung von Willkommen Österreich (in Wirklichkeit stehen sie aktuell bei 352 Sendungen) gleich beginnen wird. Die erste Hälfte des Abends läuft wie eine TV-Aufzeichnung ab. Das Warm-up des Publikums übernehmen der "George Clooney für Sozialhilfe-Empfänger" und das erste" HD Opfer Österreichs" selbst, inklusive beim Fernsehen typischer Applaus-Probe. Danach gehen sie von der Bühne, nur um ein paar Minuten später, nach der bekannten Titelmelodie ihrer Band Russkaja (Mitglieder der Band und des gesamten Teams fanden sich im Publikum verteilt), die auf einem Bildschirm eingespielt wird, die Sendung, wie aus dem Fernsehen gewöhnt, zu eröffnen.

 

Bis zur Pause folgen bekannte Witze aus ihren Sendungen. Im klassischen Willkommen Österreich-Stil werden immer wieder Videos eingespielt. Besonders der ORF und seine Mitarbeiter und Formate werden wie immer auf die Schippe genommen. Dabei sorgen Bingo-Kandidaten, die partout die falsche Antwort geben, und ein langsam verzweifelnder Karim El-Gawhary bei seinen gefühlten hundert Anläufen, bis er den Beitrag zu einer Frauendemonstration in Ägypten im Kasten hat, für viele Lacher. Als sich hingegen ein Erdogan.Witz ankündigt, ist es auf Grund der gespannten Erwartung auf einmal totenstill im Saal.

 

Als die Gäste begrüßt werden, weicht das Programm erstmal von der üblichen Sendungsform ab. Gast A, Josef Hader, sitzt am neuen Berliner Flughafen fest und kann vielleicht erst in ein paar Jahren nach Wien kommen und Gast B, Michael Niavarani, ist, beleidigt über seine Zweitrangigkeit, abgehauen. Um dieses Problem zu lösen, wird die Werbepause vorgezogen. In dieser wird die Wiener Version einer McDonald's-Werbung gezeigt. Eine Frau küsst drei Männer und erkennt an dem Kuss, was sie gegessen haben, zum Beispiel eine Käsekrainer. Als sie den letzten der drei küsst, kann sie gar nicht mehr aufhören, denn er hat die perfekte Mischung, den Alt Wiener Schlotztopf, gegessen.

 

Nach der Pause geht es zum Glück anders als bisher weiter und so gestaltet sich die zweite Hälfte dank neuer Gags und anderem Ablauf kurzweiliger. Ohne Gäste kann die Sendung nicht stattfinden. Ohne Schreibtisch und allein im Studio sinnieren Stermann und Grissemann in gewohnt melancholischer Stimmung über ihre Anfänge, Höhepunkte, nervige Fragen und Selbstmordversuche. Am Ende erzählen sie, was, nach dieser letzten Sendung, der 1165., aus dem jeweils anderen geworden ist.  Als der Tisch bereits mit Merchandise aufgebaut ist, verharren sie in ihrer gewohnten Melancholie, und das Publikum weiß nicht so recht, ob das Programm zu Ende ist oder noch andauert. Machten sie sich zuvor noch über Souvenirs und Tassen-verkaufende Promis lustig, so staunen sie danach nicht schlecht, wie schnell sich ihre Tassen verkaufen. Und wer war der erste, der eine Tasse erstand? Der Hausherr Niavarani, der sich zum Schluss doch noch blicken ließ.

 

Stermann und Grissemann sind alte Hasen im Kabarett und Publikumslieblinge - und dies hoch verdient. Jedoch sind die Erwartungen an jemanden, den man jede Woche im Fernsehen sieht und den man glaubt so gut zu kennen, deutlich höher als an einen unbekannten Newcomer. Sie haben es sich einfach zu leicht gemacht und den Abend wie eine Willkommen Österreich-Sendung bzw. Aufzeichnung aufgebaut, diesen Ablauf kennen sie in- und auswendig. Die Witze der ersten Hälfte waren ebenfalls ein Best-of aus ihren zahlreichen Fernsehauftritten. Das Publikum hat das aber nicht gestört, es lachte und applaudierte. Für einen Fan ihrer Sendung, der viele der Witze und Pointen kannte, war der Auftritt, trotz Steigerung und neuer Gags in der zweiten Hälfte, ein bisschen enttäuschend. Insgesamt schmeckte der Abend nicht wie eine heiße frische Käsekrainer, sondern eher wie ein aufgewärmter Alt Wiener Schlotztopf, aber der soll ja bekanntlich eh besser sein als alles andere.

 

 

DieKleinkunst-Redakteurin Magdalena Stockhammer

 

 

 

Sterman & Grissemann

 

Globe Wien