17.2.2017  Michael Rosenberg: Warum? - Weil es einfach so ist!

© Martin Hesz
© Martin Hesz

Der Intendant des Filmhofs Wein4tel Michael Rosenberg hat gemeinsam mit Hans-Peter Arzberger sein erstes Soloprogramm geschrieben. Es geht dabei, laut Ankündigung, um „den gnadenlos ehrlichen, skurrilen Rückblick eines ewig neugierigen Träumers“. Ob das Programm dieses Interesse weckende Versprechen auch tatsächlich einhalten kann, hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern im Wiener Metropoldi angesehen.

 

 

Die Premiere im Metropoldi, dem kleinen Ableger des Wiener Metropol, war gut und prominent besucht. Michael Rosenberg mit seinem ersten Solo-Programm war der Grund für dieses außergewöhnliche Interesse. Er ist seit etwa zehn Jahren Intendant des Filmhofs Wein4tel und deshalb in der Branche gut bekannt und vernetzt, was zu diesem Interesse beigetragen haben dürfte. Davor war er übrigens einige Jahre lang Schauspieler, unter anderem auch am Wiener Volkstheater.

 

Diese positiven Voraussetzungen merkt man seinem Auftritt auch sofort an. Da spürt man kein Lampenfieber, die Sprache ist klar und deutlich, und es gibt praktisch keine Hänger. Soweit die formalen Voraussetzungen. Inhaltlich kommt sein Programm allerdings nicht ganz so überzeugend über die Bühne. Die Geschichte, oder besser die Geschichten, die er erzählt, sind etwas zu kompliziert zusammengestellt. Das beginnt schon beim Titel „Warum? - Weil es einfach so ist!“. Der stammt nämlich von seinem kleinen Sohn, der lange Zeit ein fiktives, unsichtbares Eichhörnchen hatte, das überall mitgenommen wurde. Eines Tages erklärte es seinem überraschten Vater: „Das Eichhörnchen ist tot.“ Und auf dessen Frage „Warum?“ antwortete der Bub: „Weil es einfach so ist!“.

 

Ähnlich unkonventionell ist auch die Grundidee des Programms. Rosenberg erzählt von seinen Träumen, in denen er Don Quichote oder in einem früheren Leben ein Baum, und zwar eine Tanne war. Neben ihm wuchs per Zufall eine kleine, verkrüppelte Buche, „das Bucherl“. Über beide wachte die „Muba“, der „Mutterbaum“, eine mächtige Fichte. In der Folge erzählt er die Abenteuer der drei Bäume. Er selbst wird als Weihnachtsbaum ausgewählt, worauf er zunächst sehr stolz ist, in der Folge allerdings die für einen Baum erschreckende Realität erleben muss – vom Schmücken für den Heiligen Abend über das Abräumen zu Drei König bis zum Verbrennen des jetzt nutzlosen Holzes.

 

Später erzählt er wieder im realen Leben angekommen – zu ausführlich - über seine WC-Probleme und die damit verbundenen Abenteuer. Er hat nämlich das Problem, aus psychischen Gründen nur das heimische Klo benützen zu können, was bei einer 20tägigen Radreise über 3500 Kilometer nach Spanien verständlicherweise zu gravierenden Problemen führt. Hier kommt wieder die Realität ins Spiel, denn diese Fahrt hat Rosenberg für eine Charity-Aktion tatsächlich gemacht, und sie hat 20000 € für „Mein Körper gehört mir - gegen Gewalt in der Familie“ eingespielt.

 

Irgendwann trifft er aber sowohl das Bucherl als auch seine Muba wieder: Ersteren als Holz-WC-Brille in einem Baumarkt und letztere, als er in einer Liebesnacht feststellen muss, dass das dafür verwendete Bett aus einem Teil der Muba gezimmert wurde und dann, als er bei einem Begräbnis den Sarg als Teil dieses Baums erkennt.

 

Allein diese Ausschnitte zeigen, welch skurrile Komposition Rosenberg zusammengestellt hat. Das wäre ja an sich noch kein Problem, wenn dabei der Witz nicht etwas zu kurz käme. In einigen Szenen beweist er aber, dass er hier durchaus Potential hat. Wie er sich z.B. in dem besagten Baumarkt bei einigen völlig unbedarften Mitarbeitern in die Sanitär-Abteilung durchkämpft, ist das wirklich große Klasse. Auch seine Aussagen gegen Fremdenfeindlichkeit überzeugen und beweisen sein ehrliches Engagement („Die Fremden nehmen uns alles weg, sogar den Sonnenschein, deswegen haben sie alle eine so dunkle Haut!“).

 

Insgesamt aber wirkt das Programm etwas uneinheitlich und weist zu wenige Pointen auf. Das knappe Bühnenbild (ein Tisch mit einem Barhocker, sowie eine Holzkiste, die als Sitz, als WC-Zelle, aber auch als Sarg dient) ist stimmig und auch Musik und Beleuchtung passen. Eine inhaltliche Nachschärfung täte „Warum?“ aber sicher gut.

 

 

DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern

 

 

 

Michael Rosenberg

 

www.wiener-metropol.at